Archiv der Kategorie 'Zitate'

Was jeder zeigen muss

„Das Verhalten des Einzelnen zum Racket, sei es Geschäft, Beruf oder Partei, sei es vor oder nach der Zulassung, die Gestik des Führers vor der Masse, des Liebhabers vor der Umworbenen nimmt eigentümlich masochistische Züge an. Die Haltung, zu der jeder gezwungen ist, um seine moralische Eignung für diese Gesellschaft immer aufs neue unter Beweis zu stellen, gemahnt an jene Knaben, die bei der Aufnahme in den Stamm unter den Schlägen des Priesters stereotyp lächelnd sich im Kreis bewegen. Das Existieren im Spätkapitalismus ist ein dauernder Initiationsritus. Jeder muß zeigen, daß er sich ohne Rest mit der Macht identifiziert, von der er geschlagen wird. […] Jeder kann sein wie die allmächtige Gesellschaft, jeder kann glücklich werden, wenn er sich nur mit Haut und Haaren ausliefert, den Glücksanspruch zediert. In seiner Schwäche erkennt die Gesellschaft ihre Stärke wieder und gibt ihm davon ab. Seine Widerstandslosigkeit qualifiziert ihn als zuverlässigen Kantonisten.“ (Max Horkheimer + Theodor W. Adorno, in „Dialektik der Aufklärung – Philosophische Fragmente“ – Seite 162)

Hegel über Staaten

„Staaten sind keine Privatpersonen, sondern vollkommen selbständige Totalitäten an sich, und so stellt sich ihr Verhältnis anders als ein bloß moralisches und privatrechtliches. Man hat oft die Staaten privatrechtlich und moralisch haben wollen, aber bei Privatpersonen ist die Stellung so, daß sie über sich ein Gericht haben, das das, was an sich Recht ist, realisiert. Nun soll ein Staatsverhältnis zwar auch an sich rechtlich sein, aber in der Weltlichkeit soll das Ansichseiende auch Gewalt haben. Da nun keine Gewalt vorhanden ist, welche gegen den Staat entscheidet, was an sich Recht ist, und die diese Entscheidung verwirklicht, so muß es in dieser Beziehung immer beim Sollen bleiben. Das Verhältnis von Staaten ist das von Selbständigkeiten, die zwischen sich stipulieren, aber zugleich über diesen Stipulationen stehen.“
(Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, B.) Das äußere Staatsrecht, § 330.)

Zwei Fakta von Karl Marx

„Erstens erscheinen die Produktivkräfte als ganz unabhängig und losgerissen von den Individuen, als eine eigne Welt neben den Individuen, was darin seinen Grund hat, daß die Individuen, deren Kräfte sie sind, zersplittert und im Gegensatz gegeneinander existieren, während diese Kräfte andererseits nur im Verkehr und Zusammenhang dieser Individuen wirkliche Kräfte sind. Also auf der einen Seite eine Totalität von Produktivkräften, die gleichsam eine sachliche Gestalt angenommen haben und für die Individuen selbst nicht mehr die Kräfte der Individuen, sondern des Privateigentums [sind], und daher der Individuen nur, insofern sie Privateigentümer sind. In keiner früheren Periode hatten die Produktivkräfte diese gleichgültige Gestalt für den Verkehr der Individuen als Individuen angenommen, weil ihr Verkehr selbst noch ein bornierter war. Auf der andern Seite steht diesen Produktivkräften die Majorität der Individuen gegenüber, von denen diese Kräfte losgerissen sind und die daher alles wirklichen Lebensinhalts beraubt, abstrakte Individuen geworden sind, die aber dadurch erst in den Stand gesetzt werden, als Individuen miteinander in Verbindung zu treten.

Der einzige Zusammenhang, in dem sie noch mit den Produktivkräften und mit ihrer eignen Existenz stehen, die Arbeit, hat bei ihnen allen Schein der Selbstbetätigung verloren und erhält ihr Leben nur. Indem sie es verkümmert. Während in den früheren Perioden Selbstbetätigung und Erzeugung des materiellen Lebens dadurch getrennt waren, daß sie an verschiedene Personen fielen und die Erzeugung des materiellen Lebens wegen der Borniertheit der Individuen selbst noch als eine untergeordnete Art der Selbstbetätigung galt, fallen sie jetzt so auseinander, daß überhaupt das materielle Leben als Zweck, die Erzeugung dieses materiellen Lebens, die Arbeit (welche die jetzt einzig mögliche, aber wie wir sehn, negative Form der Selbstbetätigung ist), als Mittel erscheint.“ (Karl Marx – „Deutsche Ideologie – Naturwüchsige und zivilisierte Produktionsinstrumente und Eigentumsformen“ )

„Die Einsamkeit Israels“ – Buchvorstellung von Dr. Grigat

„Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. Die Existenz von Antisemitismus in der globalen Linken ist heute evident. Angesichts der ausufernden Literatur, die ihn wieder und wieder belegt, kann sein Leugnen heute nur mehr als eine seiner Ausdrucksformen angesehen werden. Im Antizionismus tritt er als eine spezifische Form des Antisemitismus nach Auschwitz auf, der sich aus Mangel an konkreten Hassobjekten gegen den kollektiven Juden, den Staat Israel, richtet. Dass die im Antizionismus angelegten Vernichtungsphantasien nicht Realität geworden sind, verdankt sich einzig und allein der israelischen Staatsgewalt.“ (Text & Bestellinformationen: http://konkret-magazin.de/konkret-texte/texte-archiv/konkret-texte-nr-64.html )

Staat und Nation

„Ausgangspunkt einer jeden Nation ist – damals wie heute – die Instandhaltung und politische Instrumentalisierung der eigens für den nationalen Charakter geschmiedeten Mythen. Da es sich bei der Nation um keine ontologische Kategorie handelt, d.h. all ihre Versuche sich ethnisch, kulturell etc. zu begründen, notwendig an der Realität scheitern müssen, wird in ihrer Konstruktion auf Traditionen und Erzählungen rekurriert, aus dessen Rudimenten ein gemeinsames, schicksalhaftes Band zur identifizierenden Folie gewoben wird. Im Staat erhält dieses fiktionale Band durch die reale Vermittlung seine objektiv-materielle Grundlage und präsentiert sich dem Einzelnen in konkreter Gestalt. In seiner Funktion als Organisator eines reibungslosen kapitalistischen Produktionsablaufes schafft der Staat vermittels Gesetzen, Verfassungen und Apparaten den formalen Rahmen, in dem die Staatsbürger und Warenbesitzer als Einheit zusammengefasst werden. Gegenüber der gedanklichen Abstraktion Mitglied einer Nation zu sein, ist er somit der faktische Beleg dergleichen. Gleichwohl scheitert er durch die ihm in der Unterwerfung seiner Bürger notwendig eingeschriebene Gewalt in der Hervorbringung einer gemeinsamen Identität. „Dieser mit dem Staat untrennbar verbundene Zwangscharakter „stört“ die Harmonie, die sich im Begriff der Nation verwirklichen will.“ Doch erst durch die im Staat geschaffene Rechtsform, die allen Bürgern Freiheit und Eigentum garantiert, erst durch diese gewalttätig durchgesetzte Gleichheit können sie sich im Schoße der Nation als solche begreifen und zu einer vereinten Identität verschmelzen. Der Staat ist somit die notwendige Voraussetzung und Grundlage einer in der Nation aufgehenden Konformität.

Während der Staat die Unterwerfung der Bürger unter das Wertgesetz also ganz konkret herstellt, bedarf die Nation weiterhin der Mythen, deren Aufgabe es ist, ein kohärentes Bild einer gemeinsamen Geschichte zu zeichnen, in dem die auftretenden Brüche und Widersprüche mit dem Ziel eingeebnet werden, eine problemlose Identifikation mit Volk und Heimat zu ermöglichen. Ihre Appelle an Zusammenhalt und kollektive Identität richten sich zwangsläufig an die emotionale und sentimentale Seite von Individuum und Masse. Die Möglichkeit individueller Selbstverwirklichung ist im Mythos an die Unterwerfung und Anerkennung einer höheren sozialen Einheit – der Nation – geknüpft, deren Gelingen unabdingbar mit der Eingliederung des Einzelnen in den kollektiven Verbund korreliert. Obgleich dem Einzelnen seine nationale Identität im Vergleich zum Staatsbürgersein nur als abstraktes Verhältnis gegenübertritt, wird ihm eine unabdingbare Verbundenheit suggeriert. In der Tradition nationalstaatlicher Konstituierung liegt diese Hinwendung zum Gefühlshaushalt der Massen in dem ambivalenten Charakter zwischen Religion und Aufklärung begründet. Die hereinbrechende Säkularisierung in einen Großteil gesellschaftlicher Sphären im Verlauf des 18. Jahrhunderts, sowie die sukzessive Durchsetzung einer auf rationalen und wissenschaftlichen Auffassungen beruhenden Weltanschauung, drängte das religiöse Bezugssystem zunehmend ins Abseits gesellschaftlicher Erklärungsmuster. Gleichwohl hob die säkularisierte Gesellschaft weder das durch Aristokratie und Religion verursachte Elend ad hoc auf, noch konnte sie dessen banalen Antworten auf Tod, Schmerz und Vereinzelung ersetzen. Obgleich sich nicht von einer Ablösung der Religion durch die Nation sprechen lässt, knüpft die Ideologie der Nation nun durch das Auffahren einer pathos- bzw. mythenschwangeren Rhetorik daran an, dem gebeutelten Individuum qua Überhöhung der Komponenten von Volk und Heimat einen ebenfalls höchst irrationalen Referenzrahmen zur Seite zu stellen, mittels dessen seine reale Vereinzelung eingefangen und seine Ängste gleichzeitig an das Gelingen des kollektiven Unternehmens gebunden werden. Das Verharren nationalistischer Rhetorik in einem verbrämt religiösen Jargon, der die Nation und damit jeden Einzelnen als Teil eines „göttlichen“ Erfüllungsplans phantasierte, unterstrich die Bemühungen, keinen Zweifel an der historischen Zwangsläufigkeit nationaler Vergesellschaftung aufkommen zu lassen. »Es ist das ›Wunder‹ des Nationalismus, den Zufall in Schicksal zu verwandeln.«“ („Vom Konzept Zufall in Schicksal zu verwandeln – Eine kritische Betrachtung der deutschen Nation“ – Von Momme Schwarz – Weiterlesen: http://www.extrablatt-online.net/archiv/ausgabe-1/momme-schwarz-vom-konzept-zufall-in-schicksal-zu-verwandeln.html )