Archiv der Kategorie 'Wirtschaft'

Robert Kurz – Politische Ökonomie des Antisemitismus

“ Schon beim normalen marktwirtschaftlichen Gang der Dinge werden ja alle, die noch einen Rest von sinnlicher Vernunft bewahrt haben und versuchen, sich möglichst der sinnlosen abstrakten »Arbeits«- Verausgabung zu entziehen, für verrückt erklärt oder als »Drückeberger« abgestempelt. In der Krise spitzt sich dieses Ressentiment zu und mündet in den Aufschrei: »Nicht von unserem Geld!«. Je weniger das zinstragende Kapital real angetastet werden kann, desto mehr richtet sich der Haß der einschlägigen Ideologen gegen die »Asylanten«, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslosen, »Asozialen«, Behinderten, Alten, Kranken usw., die der wahnsinnigen Wut des strauchelnden Warensubjekts erst recht als »Parasiten« mit unrechtmäßigen »Vorrechten« auf Unterhalt erscheinen. ” (Robert Kurz: Politische Ökonomie des Antisemitismus)

Moses Hess über das Geldwesen

„Das Christenthum ist die Theorie, die Logik des Egoismus. — Der klassische Boden der egoistischen Praxis dagegen ist die moderne, christliche Krämerwelt — auch ein Himmel, auch eine Fiction, auch ein eingebildeter, vermeintlicher, Vortheil für das individuelle Leben, ent­sprungen aus der krankhaften, egoistischen Aberwitzheit der depravirten Mensch­heit. — Das Individuum, wrelches nicht durch sich für die Gattung, sondern durch die Gattung für sich allein leben möchte, muß sich auch praktisch eine verkehrte Welt schaffen. In unsrer Krämerwelt ist daher praktisch, wie im christlichen Himmel theoretisch, das Individuum Zweck, die Gattung nur Mittel des Lebens. Das Gattungsleben bethätigt sich hier ebenfalls nicht im Individuum und mittelst desselben; es ist auch hier, wie im Himmel, außerhalb der Individuen gesetzt und zum Mittel derselben herabgewürdigt; es ist hier das Geld. Was der Gott für’s theoretische Leben, das ist das Geld für’s praktische Leben der verkehrten Welt: das entäußerte Vermögen der Menschen, ihre verschacherte Le­bensthätigkeit. Das Geld ist der in Zahlen ausgedrückte menschliche Werth — es ist der Stempel unsrer Sklaverei, das unauslöschliche Brandmal unsrer Knecht­schaft — Menschen, die sich kaufen und verkaufen können, sind eben Sklaven. Das Geld ist der geronnene Blutschweiß der Elenden, die ihr unveräußerliches Eigen­thum, ihr eigenstes Vermögen, ihre Lebensthätigkeit selbst zu Markte tragen, um dafür das caput mortuum derselben, ein sogenanntes Capital einzutauschen und kannibalisch von ihrem eignen Fette zu zehren. — Und diese Elenden sind wir Alle! Wir mögen uns theoretisch noch so sehr von dem verkehrten Weltbewußtsein emancipiren, so lange wir nicht auch praktisch aus der verkehrten Welt heraus sind, müssen wir, wie es im Sprichwort heißt, mit den Wölfen heulen. Ja, wir müssen unser Wesen, unser Leben, unsere eigene, freie Lebensthätigkeit fortwährend veräußern, um unsere elende Existenz fristen zu können. Wir erkaufen uns fortwährend unsere individuelle Existenz mit dem Verluste unserer Freiheit. — Und wohlverstanden, nicht etwa nur wir Proletarier, auch wir Capitalisten sind diese Elenden, die sich das Blut aus­saugen, sich selber aufzehren. Wir Alle können unser Leben nicht frei bethätigen, können nicht schaffen oder für einander wirken — wir Alle können unser Leben nur verzehren, können uns nur gegenseitig auffressen, wenn wir anders nicht verhungern wollen. Denn das Geld, das wir verzehren und um dessen Erwerb wir arbeiten, ist unser eigenes Fleisch und Blut, welches in seiner Entäußerung von uns erworben, erbeutet und verzehrt sein muß. Wir Alle sind — das dürfen wir uns nicht verhehlen— Kannibalen, Raubthiere, Blutsauger. — Wir sind es so lange, als wir nicht Alle für einander thätig sind, sondern Jeder für sich erwerben muß.“

(Moses Hess über das Geldwesen – 5. Absatz: http://haftgrund.net/moseshess/schriften/uber-das-geldwesen/ )

Armut in Deutschland & was Regierung & Forschung daraus macht – Vortrag von Dr. Martin & Dr. Decker

„Verschwiegen wird nichts in der Demokratie. Wie es zugeht in diesem reichen Land, steht sauber aufgelistet im periodischen „Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“. Da kann man lesen, dass wieder einmal die Reichen reicher und die Armen ärmer geworden sind. Wie viele Menschen für 8,50 Euro und wie viele für nur 6 Euro pro Stunde arbeiten und ihren Lohn für die volle Arbeitswoche vom Staat auf das Hartz-IV-Niveau aufstocken lassen müssen. Wie viele Kinder verwahrlosen, Heranwachsende ausrasten, Alte verkommen und so weiter. Die Kunst und die zynische Stärke der demokratischen Meinungsbildung besteht darin, dass sich diese Ordnung an empörenden Fakten gar nicht mehr blamieren kann, weil sie die Bürger und die von Armut Betroffenen mit hineinzieht in die „richtige“, konstruktive Weise, über den systemgemäßen Ausschluss viel er vom vorhandenen Reichtum nachzudenken.

Auf mehreren hundert Seiten, tatsächlich aber in wenigen Schritten schafft es der Armutsbericht der Regierung, den Berichtsgegenstand von einem Faktum in eine Frage der Definition zu verwandeln, die man so oder so vornehmen kann. Im nächsten Schritt wird Armut zum Armutsrisiko verniedlicht, zu einem Umstand also, bei dem es vor allem darauf ankommt, dass und wie gut ein Mensch damit umgehen kann. In einem dritten Schritt wird Armut zum Problem erklärt, ob und wie man aus ihr wieder herauskommt. Sie selbst ist damit abgehakt, kritikwürdig ist jetzt nur mehr ihre Verfestigung über die Generationen. Theoretisch gesehen ist jeder dieser Schritte ein Fehler, menschlich gesehen eine Schweinerei. Mit beidem befassen sich Vortrag und Diskussion.“

(Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#436 // Text: http://doku.argudiss.de/data/12_12/armutsbericht_nbg_1212_ank.pdf )

Ausbeutung bei Amazon? Nein, ganz normale Lohnarbeit!

„Die kritische deutsche Öffentlichkeit hat jüngst — befeuert durch einen ARD-Fernsehbeitrag über die Verhältnisse in einem Logistikzentrum von Amazon — eine fürwahr erschreckende Entdeckung gemacht: Es gibt sie noch, Ausbeutung in Deutschland! Woran haben sie das bloß alle gemerkt? Mit dem Ausdruck der Empörung wird berichtet, dass in den Logistikzentren des Internethändlers extremer Zeitdruck und unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen.

Mit dem strikt durchorganisierten, computergesteuerten Arbeitsprozess in seinen weltweiten Versandzentren ist das Unternehmen zum unbestrittenen Sieger in der globalen Konkurrenz der Internetversandhändler geworden. Das konnte nur klappen, weil Amazon sich konsequent von jeglichen individuellen Fähigkeiten, allen besonderen menschlichen Eigenschaften seiner Beschäftigten unabhängig macht und genau so sicherstellt, dass diese die strikten Leistungsvorgaben erfüllen.

Dabei nutzt Amazon aus:

• die Not der Massen, die auf Arbeit angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.
• die gesetzlichen Freiheiten bzgl. Leiharbeit, Flexibilisierung der Arbeit, die ihnen Staat und Gewerkschaft gegeben haben. Der weltweit erfolgreichste Internetversandhändler tritt eben auch in Deutschland keineswegs das Soziale an der Marktwirtschaft mit Füßen. Er nutzt deren rechtliche Freiheiten für Unternehmen, um mit seinen fortschrittlichen Ausbeutungstechniken neue Produktivitätsmaßstäbe in der kapitalistischen Konkurrenz zu setzen. “

(Es handelt sich um 2 zusammengeschnittene Beiträge: Quelle bis 16:14 http://www.farberot.de/audio/details/334-Amazonskandal.html / Quelle ab 16:15 http://www.freie-radios.net/54223 / Weiterer Text zum Thema: http://www.gegenstandpunkt.de/radio/2013/ga130311.html )

Lohnarbeit & Konkurrenzkampf in der Automobilindustrie – Prof. Huisken

„“Autokrise in Europa verschärft sich“, „Kurzarbeit oder Sonderschichten“,“Letzte Schicht“… so oder ähnlich lauteten Schlagzeilen im Dezember 2012. Alle bezogen sich auf die Automobilindustrie. „Drei Millionen Autos werden in Europa weniger verkauft“ , stellt die SZ fest und fragt: „Wie viele Fabriken braucht man weniger?“ Aber es gab auch andere Nachrichten. Der Daimler-Chef ließ klare Kampfansagen an die Konkurrenz vom Stapel: „Zetsche will Mercedes an die Spitze führen“. Spätestens 2020 will das Daimler-Kapital die Konkurrenz wieder abgehängt haben. Worauf fußt seine „Prognose“? Einerseits sinken die Absatzzahlen, andererseits will Daimler in der Flaute in die Offensive gehen? Über welche Rezepte verfügt der Multi?“ (Text & Quelle: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#451 / Ankündigungstext: http://doku.argudiss.de/data/13_01/daimler_hb_1301_ank.pdf )