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Diagnose: Kapitalismus – Therapie: Anarchie

Horst Stowasser, wohl einer der bekanntesten Anarchisten Deutschlands, hielt kurz vor seinem unerwarteten Tod einen Vortrag über Kapitalismus und Anarchismus in Mainz.

Die Krise das ist nicht das, was wir derzeit in der Finanzwelt erleben. Die Krise ist in Wirklichkeit permanent vorhanden. Wieso muss unsere Wirtschaft jedes Jahr wachsen? Weshalb vergeuden wir zwei Drittel unserer Arbeit und unserer Ressourcen in unnützen Leistungen? Warum müssen immer mehr Menschen bis zum Umfallen arbeiten, während andere nicht arbeiten dürfen? Der praktizierende Anarchist Horst Stowasser zeigte in seinem Vortrag konstruktive Perspektiven auf und erläuterte wie realistisch andere Arbeits-, Wirtschafts- und Wertemodelle sind. (Quelle & Vortrag als MP3: Freie Radios Teil 1 des Vortrags & Teil 2)

Horst Stowasser – Anarchie

Cover Anarchie
Bunt, bizarr und widersprüchlich, verführerisch für die einen, Inbegriff des Bösen für die anderen, zieht sich die Idee der Anarchie durch die Geschichte der Menschheit. Ist sie ein weltfremder Traum oder ein noch zu realisierender Entwurf? Das Standardwerk zum Anarchismus geschrieben von Horst Stowasser (ISBN). Der Autor beschreibt in seinem umfassenden Gesamtwerk die Ideen, die Vergangenheit und die Zukunft der Anarchie umfassend und doch für jedermann verständlich.

»Wenn wir unter ‘Anarchie’ einmal die landläufige negative Bedeutung verstehen wollen,nämlich Chaos, so haben wir sie heute: weltweit und flächendeckend. Ein System, in dem genug Nahrung produziert wird und wo dennoch Tag für Tag zigtausende Menschen verhungern, ist ein Irrsinn. Ein System, das periodisch organisierte Massenmorde anordnet, ist unmenschlich. Ein System, das diesen Planeten zunehmend ausplündert und unbewohnbar macht, ist selbstmörderisch. Ein System, das zehn Prozent der Menschheit Reichtum beschert und die große Mehrheit der Ärmsten immer weiter ausplündert, ist niederträchtig. Ein System das seine Bürger nur dadurch davon abhalten kann, sich gegenseitig umzubringen, indem es sie wiederum selbst mit dem Tod bedroht, ist eine moralische Bankrotterklärung.« (Horst Stowasser)

Stowasser beschreibt die anarchistische Kritik am Staat, der Demokratie, vor allem der parlamentarischen Demokratie, dem Patriarchat, dem Kommunismus und Kapitalismus. Er zeigt was Anarchie bedeutet, was Rätedemokratie bedeutet, oder wie Selbstorganisation in der bisherigen Geschichte der Menschheit realisiert und ausprobiert wurde. Auch geht er auf die Ökologie ein, auf mögliche Utopien der kommenden Gesellschaft, berichtet von den zahlreichen Gedankengängen von Proudhon, Kropotkin, Stirner, Bakunin, Mühsam und vielen weiteren. Auch beschreibt er die Positionen einzelner Parteien hinsichtlich des Anarchismus und Syndikalismus. Eine absolute Pflichtlektüre für Menschen die sich einen schnellen unkomplizierten Überblick über den Anarchismus verschaffen wollen.

Geprägt wurde der sprachgewandte Agitator des freiheitlichen Sozialismus nicht zuletzt durch Weltreisen und seine Kindheit, die er mit seinem älteren Bruder Klaus und seinen Eltern in Deutschland und später in Argentinien verbrachte. In Argentinien kam er als Schüler durch einen Lehrer erstmals in Berührung mit anarchistischer Literatur. Seit 1969 engagierte er sich in der anarchistischen Bewegung, nahm an wichtigen internationalen Treffen und Kongressen teil. Aufgrund libertärer und antimilitaristischer Agitation saß er zeitweise im Gefängnis. Ähnlich wie in den 20er und 30er Jahren der Pazifist Kurt Tucholsky und der Anarchopazifist Ernst Friedrich, wurde in den 80er Jahren auch Horst Stowasser immer wieder aufgrund der Verwendung des Satzes „Soldaten sind Mörder” kriminalisiert. Horst war seit den 70er Jahren durch die von ihm mitgeprägten Bewegungszeitungen, durch seine Vorträge und Bücher der wohl einflussreichste Anarchist in Deutschland.

Horst Stowasser setzte sich für projektorientiertes Wirken ein und vertrat keine theoretische Strömung des Anarchismus. Der „Projektanarchismus“ schaffe Arbeits- und Wohnmöglichkeiten in kollektiver Selbstverwaltung. In Stowassers Wohnort Neustadt gab es vor der Krise des Projektes Mitte der 1990er Jahre 14 selbstverwaltete Betriebe, von denen etwa die Hälfte bis heute überlebt haben und die im „Werk Selbstverwalteter Projekte und Einrichtungen“ (WESPE) zusammengeschlossen sind. „Es wird versucht, selbstverwaltete, dezentrale, ökologische und libertäre Strukturen aufzubauen und miteinander zu vernetzen, die wirtschaftlich, kulturell und politisch wirken“. Das neueste Objekt ist das selbstverwaltete generationenübergreifende Wohnprojekt Eilhardshof. Dieses Baudenkmal wird kollektiv in Gemeineigentum verwaltet, aber neben den Gemeinschaftsräumen aus Einzelwohnungen bestehen. Es wird durch Direktkredite finanziert.

Horst Stowasser über Anarchismus


Teil 2, 3, 4
Horst Stowasser spricht über Anarchie als Utopie von Morgen im Rahmen des Interpenetration Festivals von Chmafu Nocords. Moderation: Melanie Berner und Thomas Berger. Postgarage, Graz, 02. Dezember 2008.

Horst Stowasser leistet eine Diagnose über das Scheitern des Kapitalismus, erzählt über Anarchismus und die Idee einer herrschaftsfreien Alternative. Eingeladen hat Attac Fulda. Der Autor schöpft dabei aus seinem Sachbuch “Anarchie”. Auszüge aus seinem Vortag in Fulda Anfang März 2009 sind hier zu sehen und zu hören.