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Stapelfeldt: Was ist Dialektik?

„Dialektik ist ein methodisches Verfahren, jedoch keine vom Inhalt abgelöste, ihm vorausgesetzte und dogmatisch gesetzte Methode, sondern der Widerspruch gegen alle Voraussetzungen, gegen alle bewußtlosen Setzungen: gegen alle Dogmen, gegen alles, was sich zu einem Unveränderlichen fixiert. […] Zur Dialektik gehört die Aufklärung des Verhältnisses von bewußtlosem gesellschaftlichem Logos und Erkenntnis. Worauf der Widerspruchsgeist zielt ist eine Gesellschaft, in der die Menschen ihrer selbst und ihrer Verhältnisse bewußt sind, in der sie nicht länger von undurchschauten Mächten beherrscht werden – in einer solchen Gesellschaft ist jede Dialektik überflüssig, weil sie ihren Gegenstand verloren hat. So gehört zur Dialektik nicht nur die Aufklärung der Genesis gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern analog die Utopie, so gehört zur Dialektik das Verhältnis von Theorie und Praxis. Solange aber solche Verhältnisse herrschen, gehört der Geist des Widerspruchs diesen selbst an und ist auch dogmatisch, nur so weit über die Verhältnisse hinaus, wie diese genetisch und utopisch über sich hinausweisen. Dialektik ist mithin: »unabgeschlossen« (Horkheimer 1977, 145, 544, 574f.), ein Widerspruchsgeist, dem unvermeidlich immer auch jener Dogmatismus inhäriert, gegen den er sich richtet.“ (Gerhard Stapelfeldt – „Der Geist des Widerspruchs. Studien zur Dialektik. Erster Band“ – Seite 11 und 12 – http://www.isf-freiburg.org/verlag/leseproben/pdf/stapelfeldt-geist.widerspruch_lp.pdf | Praktische Übersicht zum Thema Dialektik: http://www.praxisphilosophie.de/dialektik.htm )