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Gaspar Noé: Menschenfeind

»Aber was heißt eigentlich allein sein? Du kannst mit einem Kerl oder einer Frau oder sogar mit Kindern leben und trotzdem bist du ganz allein. Ja, ich bin allein und sie auch. Man kommt allein auf die Welt, man lebt allein, man stirbt allein. Allein, immer allein, sogar beim vögeln ist man allein, allein mit seinem Fleisch. Allein auf dem Weg durch einen Tunnel. Ein Weg den man mit niemandem teilen kann und je älter man wird, desto mehr ist man allein. Mit ein paar Erinnerungen an ein Leben, dass sich nach und nach zerstört.«

»Liebe, Freundschaft, alles Quatsch. Das sind Illusionen, die man versucht aufrecht zu erhalten, um nicht zugeben zu müssen, dass alle zwischenmenschlichen Beziehungen reines Geschäft sind. Wir sprechen von Freundschaft und Liebe, aber aus Berechnung. Es kommt uns gelegen. Die Realität ist käuflich.«

»Entweder du wirst mit einem Schwanz geboren, dann sollst du dich wie ein guter harter Schwanz benehmen und Löcher stopfen. Oder du wirst mit einem Loch geboren, dann bist du nur nützlich wenn du dich stopfen lässt. Aber egal wie, du bist immer allein.«

»Deine Mutter liebst du, weil sie dich ernährt und verhindert dass du stirbst. Deinen Freund liebst du, weil er dir Arbeit verschafft und verhindert dass du stirbst. Und deine Dicke liebst du weil sie für dich kocht, mit dir vögelt und dir Kinder in die Welt setzt, die dich beschützen sollen, wenn du alt bist und Angst vor dem Sterben hast. Aber es reicht, sein Kind einmal zu ohrfeigen, damit es sich rächt, wenn du alt bist. Eigentlich kommt ihm diese Ohrfeige gelegen. Wenn es dich dann ins Heim steckt, wird sie ihm als Ausrede dienen, um das natürliche Desinteresse zu verbergen, das jeder seinem Erzeuger gegenüber empfindet. Nein, dieses Baby, das man mir da aufhalsen will, das werde ich nicht lieben – und ich bin sicher, dass das auf Gegenseitigkeit beruht.«

»Nein, Vögeln ist kein gutes Geschäft. Es kommt einen zu teuer. Aber es ist ein Zeitvertreib. Und wenn man keinen Bock hat mehr zu vögeln, dann wird einem klar das man in diesem Leben nichts mehr verloren hat und das es nie was anderes in diesem scheiß Leben gab. Nichts als dieses Reproduktionsprogramm was in unsere Eingeweide gespeichert ist.«

»Letztendlich ist der Tod keine große Sache. Man macht ein Riesen Geschiss daraus, aber wenn du’s aus der Nähe siehst, ist es nichts. Nur ein Körper ohne Leben. Bei den Menschen ist es wie bei den Tieren. Man liebt sie, man begräbt sie und dann ist es vorbei.«

»Das Leben ist wie ein Tunnel. Jeder hat seinen kleinen Tunnel, aber am Ende des Tunnels gibt es kein Licht. Es gibt gar nichts mehr. Das Leben ist eine große Leere. Das war´s schon immer und das wird’s auch immer bleiben. Eine große Leere, die genauso gut auch ohne mich ablaufen könnte. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Spiel. Ich will nicht mehr. Ich will etwas eigenes, intensives leben. Ich will nicht mehr irgendeine auswechselbare Schraube in dieser Maschine sein. Ich will bei meinem Tod nicht das Gefühl haben, denselben Blödsinn gelebt zu haben wie die Millionen Idioten die diesen Planeten bevölkern. Es ist einfach ein scheiß Gefühl das auch noch das letzte Arschloch dasselbe gelebt hat wie ich. Ich weiß nicht. Ich muss irgend ein Argument finden, eine Ausrede , irgendwas damit ich Lust bekomme noch 20 Jahre bis zu meinem Tod durchzuhalten. Tja, wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte, sollte ich vielleicht Pornofilme drehen. Die Leute die das machen, die haben uns Menschen wirklich begriffen.«

»Verdammt, keine Kohle zu haben ist hart aber wenn du dann auch noch keinen hast auf den du zählen kannst! Du kannst denen erzählen dass du Familienvater bist, deinen eigenen Laden hattest und immer korrekt warst, all das ist dem Wichser vom Hotel deinen sogenannten Freunden oder dem Wirt von der Kneipe an der Ecke scheißegal. Wenn du kein Geld hast, setzen sie dich vor die Tür und das tun sie auch noch auf die erniedrigenste Art. Statt jemandem zu helfen der gerade in der Scheiße sitzt lecken sie lieber das Arschloch eines reichen Fettsacks in der Hoffnung auf ein kleines Trinkgeld. Sie haben alle den Mund voller Scheiße! Da bin ich lieber arm aber anständig.«

»Weißt du was das ist, Moral? Ich werd’ dir sagen, was Moral ist. Moral ist was für die, die sie gepachtet haben. Das sind die Reichen. Wer sind die, die immer Recht bekommen? Das sind auch die Reichen und die Armen gehen leer aus.«

»Krawattenärsche. Wenn du die Luft nicht bezahlen kannst, vergasen sie dich.«

»Die Reichen kommen fast nie ins Gefängnis, höchstens alle 10 Jahre mal einer. Das Gefängnis, das ist was für die Armen. Die Reichen haben die Gesetze auf ihrer Seite. Wenn man arm ist, hat man kein Recht zu stehlen, nur bestohlen und beschissen zu werden. Ja, ohne Probleme. Und solche Ärsche wie der stehlen uns unsere Kohle, unser Glück und unsere Würde, jeden Tag, ganz legal. Geschützt durch die Gesetze, die ihre Vorfahren eingeführt haben. Typen wie Robbespierre würden dem heutigen Frankreich guttun. Nicht solche Schlappschwänze wie die, die vorgeben uns zu regieren, aber das ist in diesem Land schon seit Jahrhunderten so. Heute sind die Leute zu lasch für eine Revolution. Das einzige, was geht ist die persönliche Rache. Wie meine. Und das wäre für alle nützlich.«

»Die Menschen glauben sie sind frei, doch es gibt keine Freiheit. Es gibt nur Gesetze, die Unbekannte zu ihrem Wohl geschaffen haben.«

»Es siegt oft das schlechte. Das ist wie bei Jesus. Er war nett. Sie haben ihn gekreuzigt. Und dann haben sich die lüsternen Pfaffen seines Symbols bemächtigt. Sie wollen, dass das Böse auf diesem Planeten regiert.«

»Man glaubt, man ist in einer zivilisierten Welt, aber in Wirklichkeit ist man im Dschungel. Wenn du da überleben willst, gehörst du besser zu den stärkeren Tieren. Gehörst du zu den anderen, bist du ein Stück Wild und kannst dein ganzes Leben lang rennen, um deinen Arsch zu retten. Das ganze ist ein Lotteriespiel. Entweder du wirst arm geboren, nimmst die Macht der anderen hin und marschierst im Gleichschritt, weil man dich aber ständig erniedrigt, wirst du manchmal gewalttätig. Oder du wirst reich geboren, passt auf deine Kohle auf und tust so, als ob du deine Frau, deine Kinder und deine Freunde liebst, genauso wie sie vorgeben, dich zu lieben. Aber an dem Tag, an dem sich deine kleinen Spießbürgerträume in Luft auflösen und du deinen Brüdern, deinen sogenannten Freunden nichts mehr geben kannst, da tun sie sich alle zusammen, um auf dich einzutreten. Es geschieht ganz ohne Aufsehen, indem sie vorgeben, dir zu helfen. Sie warten nur darauf, um sich besser zu fühlen. Je größer dein Elend ist, je mehr du sie um Hilfe bittest, desto überlegener fühlen sie sich und treten zu!« (Sämtliche Zitate aus dem Film »Seul contre tous« von Gaspar Noé)