Archiv der Kategorie 'Multimedia'

„Die Einsamkeit Israels“ – Buchvorstellung von Dr. Grigat

„Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. Die Existenz von Antisemitismus in der globalen Linken ist heute evident. Angesichts der ausufernden Literatur, die ihn wieder und wieder belegt, kann sein Leugnen heute nur mehr als eine seiner Ausdrucksformen angesehen werden. Im Antizionismus tritt er als eine spezifische Form des Antisemitismus nach Auschwitz auf, der sich aus Mangel an konkreten Hassobjekten gegen den kollektiven Juden, den Staat Israel, richtet. Dass die im Antizionismus angelegten Vernichtungsphantasien nicht Realität geworden sind, verdankt sich einzig und allein der israelischen Staatsgewalt.“ (Text & Bestellinformationen: http://konkret-magazin.de/konkret-texte/texte-archiv/konkret-texte-nr-64.html )

Die Arbeit nieder! – Stephan Grigat

„Arbeit macht krank, Arbeit schändet, Arbeit ist Mühsal und macht hässlich. Karl Marx wusste das und hat allen Kritikern gesellschaftlicher Elendsproduktion ins Stammbuch geschrieben: „Das Reich der Freiheit beginnt erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört.“ Die sich merkwürdigerweise immer wieder auf Marx berufende Arbeiterbewegung hat die Vernutzung der Arbeitskräfte zum Zwecke der Verwertung des Kapitals hingegen zur anbetungswürdigen Selbstverwirklichung geadelt. Das proletarische Schaffen sei gut, und der eigentliche Skandal des Kapitalismus bestünde darin, nicht jedem Menschen einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Ob Sozialdemokraten oder Bolschewisten, ob christliche Soziallehre oder faschistischer Produktivitätswahn, ob Leninisten oder Strache-Fans – sie alle konnten und können sich für die elende Parole „Die Arbeit hoch“ begeistern. Anstatt sich an Paul Lafargue, den Schwiegersohn von Marx zu erinnern, der das „Recht auf Faulheit“ hochhielt, soll es ein „Recht auf Arbeit“ sein, für das am 1. Mai gestritten wird. “ (Stephan Grigat – „Die Arbeit nieder!„)

Radonic: Narzisstische Kränkung

„Adorno und Horkheimer gehen nicht von irgendwelchen naiv anthropologischen Annahmen über das »Wesen des Menschen« aus, sondern vom beschädigten Leben des einzelnen Subjekts und dem objektiven Verblendungszusammenhang, dessen – ja, man könnte sagen – klägliche Übersetzung dieses Zusammenhangs ins Individuum das Subjekt ist oder das Subjekt, soweit es überhaupt als solches als ein autonomes bezeichnet werden kann in unserer Gesellschaft. Voraussetzung einer »erfolgreichen Subjektkonstitution« ist für die überwältigende Mehrzahl der Menschen die funktionierende Verwertung der eigenen Ware, über die die aus bisherigen gesellschaftlichen Banden befreiten – also aus der feudalistischen Gesellschaft befreiten – einander atomisiert gegenüberstehenden Warenbesitzer noch verfügen. Und diese Ware ist – Sie können es sich denken natürlich – die Ware Arbeitskraft. Das heißt, der Erfolg oder Misserfolg der Verwertung liegt aber außerhalb des Einflussbereiches der einzelnen Subjekte. Daher bleibt diese Subjektivität in der bürgerlichen Gesellschaft Ideologie. Von einem beschädigten Subjekt ist also die Rede. Beschädigt ist es, weil es im Interesse der Selbsterhaltung gezwungen ist, an sich selbst Ansprüche zu stellen, die es aus sich selbst heraus gar nicht erfüllen kann, oder psychoanalytisch gesprochen: Das Subjekt ist gezwungen, sich fortdauernd narzisstisch zu besetzen; die narzisstische Kränkung ist aber gar nicht zu verhindern.[…]

Worüber wir jetzt sprechen angesichts dieses Kontextes, in den ich das versucht habe einzubetten, sind jetzt die psychologischen Auswirkungen dieser Gesellschaft auf das einzelne Individuum. Dafür ist eben, wie schon erwähnt, dieser Begriff des Narzissmus bzw. der narzisstischen Kränkung zentral, um zu verstehen, was mit den Individuen da psychologisch geschieht. Schon Freud führte in seinen späteren Werken den Narzissmus als zentralen Begriff ein. Und auch die Kritische Theorie arbeitete später mit der Unterscheidung zwischen primärem und sekundärem Narzissmus. Beim primären Narzissmus handelt es sich um ein Phänomen, das laut Freud jedem Kleinkind zu eigen ist. Freud spricht davon, dass ein Säugling polymorph pervers ist. Was heißt das? Der Säugling hat noch kein Ich, das etwas von der Außenwelt Unterschiedenes wäre, und ist sich selbst mit all seinen Körperorganen und -öffnungen Liebesobjekt. Bald jedoch erfährt das Kind – das ist der zentrale Punkt der primären narzisstischen Kränkung –, dass nicht alles nach seinem Wunsch geschieht, und nimmt die von außen kommenden Zwänge – natürlich insbesondere das Wegbleiben der Mutter – wahr. Notwendigerweise kommt es also zu einer Kränkung des primären Narzissmus in jedem Fall, bei jeder kindlichen Entwicklung sozusagen. Die Familie weist aber dabei einen Doppelcharakter auf. Sie bietet einerseits im Optimalfall – leider nicht sehr oft sehr optimal – einen Schutzraum, der die Entwicklung eines autonomen Individuums überhaupt ermöglicht, und ist aber gleichzeitig Sozialisationsagentur, also »Keimzelle der Gesellschaft«, wie Erich Fromm das formuliert hat. Durch die Auseinandersetzung mit den Eltern wird nicht nur ihre Autorität akzeptiert, sondern auch die gesellschaftlichen Prinzipien, die sie repräsentieren. Das konkrete Ausmaß an Triebverzicht ist aber – und jetzt kommen wir zu dem, was nicht naturnotwendig bei jeder kindlichen Entwicklung auftritt – in hohem Maße abhängig von der Einrichtung der Gesellschaft. Ohne die Notwendigkeit also eines Realitätsprinzips – also eine Anerkennung der Zugeständnisse, die man an die Realität nun mal machen muss in seinem Narzissmus – zu bestreiten, lässt sich der Inhalt dieses Realitätsprinzips historisch gesellschaftlich präzisieren. Herbert Marcuse unterscheidet deshalb im Gegensatz zu Freud, der das herrschende Realitätsprinzip als unabänderlich verallgemeinert hat, zwischen notwendiger und zusätzlicher Triebunterdrückung. Das ist also ein Punkt, wo die Kritische Theorie über die Psychoanalyse hinausgeht, denn während Freud eben die Zurichtung durch die Gesellschaft als unabänderlich annimmt, spricht die Kritische Theorie natürlich sehr wohl davon, dass es darum geht, diese Umstände als gesellschaftlich produziert zu begreifen und zwischen notwendiger und zusätzlicher Triebunterdrückung in dieser Gesellschaft zu unterscheiden, wie dies Herbert Marcuse tut. Die Lebensnot erfordert Arbeit, wie schon ausgeführt, Arbeit ist Mühsal und das Gegenteil von Lustbefriedigung. Somit gibt es einen notwendigen Triebverzicht. Also, man muss, wenn man Hunger hat, dieses Nachgehen der Lustbefriedung aufschieben, um sich was zu essen zu besorgen – ganz platt gesagt. Darüber hinaus standen aber die konkreten Formen des Realitätsprinzips bisher immer im Dienste von Herrschaft und beinhalteten eine zusätzliche Triebunterdrückung, die weit über das notwendige Maß hinausgeht.

Solange Menschen aber nicht die Fähigkeiten haben, diese zusätzlicheUnter drückung als solche zu erkennen, solange befinden sie sich im Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit der narzisstischen Aufwertung und der gleichzeitigen permanenten Kränkung des Individuums. Die Umstände seiner Selbsterhaltung sind nun mal prekär, die gesellschaftliche Reproduktion ist für das Individuum nicht durchschaubar und erscheint willkürlich. Die Erfordernisse der Selbsterhaltung erzwingen also aus diesen Gründen eine neue narzisstische Besetzung der eigenen Person, um diesen Kränkungen entgegenzuwirken. Dieser sogenannte sekundäre Narzissmus, also das narzisstische Zurückziehen auf die eigene Person, stellt sich dabei laut Adorno als eine verzweifelte Anstrengung des Individuums dar, wenigstens zum Teil das Unrecht zu kompensieren, dass in der Gesellschaft des universellen Tausches keiner je auf seine Kosten kommt – ausgehend von der These, dass wir in einer Gesellschaft leben, die nicht auf die Bedürfnisbefriedigung von Menschen, sondern auf Kapitalakkumulation ausgerichtet ist. Die Erfahrung der Ohnmacht kann also nicht zugelassen werden. Sie wird zu einem Gefühl der Ohmacht sedimentiert. Es tritt also das spezifisch Psychologische hinzu, so Adorno, dass nämlich die Individuen ihre Ohnmacht nicht erfahren, ihr nicht ins Auge zu sehen vermögen, sie müssen diese Erfahrung von der Ohnmacht zum Gefühl verarbeiten und psychologisch sedimentieren. Dieses Ohnmachtsgefühl steht aber im Widerspruch zur narzisstischen Besetzung der eigenen Person. Diese Zerrissenheit – und jetzt kommen wir wieder zurück zum Antisemitismus – führt zunächst mal zur Frage, wer daran Schuld ist. Die Antwort steht fest: »Ich nicht!« Damit ist also zunächst mal erklärt, warum das Individuum das Bedürfnis nach narzisstischer Aufwertung verspürt. Da es aber diese Zusammenhänge zwischen den auf ihn wirkenden Zwängen nicht erfassen kann, sucht es – zunächst mal ganz allgemein formuliert – Schuldige.“ (Aus dem Vortrag „Über die Bedeutung der Psychoanalyse für die Kritische Theorie. Der Antisemitismus als narzisstische Kränkung und pathische Projektion.“ von Ljiljana Radonic: http://verteidigtisrael.blogsport.de/images/radonicktundpsych.pdf / MP3: http://kritischetheorie.bagrupowi.at/?p=14 oder auch: http://audioarchiv.blogsport.de/?p=177 )

Proletarier aller Länder hört auf! – Ein Interview mit Ernst Lohoff über Lohnarbeit

„Zu den schärfsten GegnerInnen der Arbeit gehört die Gruppe Krisis. SIe hält sich nicht lange damit auf, bessere oder besser bezahlte Arbeit zu fordern, sondern forderte 1999 in ihrem Manifest gegen die Arbeit nichts Geringeres als die Abschaffung der Arbeit. Über Leistungsideologie und die Gründe der Arbeitsvergötterung in der kapitalistischen Gesellschaft sprach Michael Liebler mit dem Philosophen Wert- und Arbeitskritiker Ernst Lohoff.“ (Text, Quelle & MP3: http://freie-radios.net/55730 )

Anmerkung: Nicht „erstaunlicherweise“, wie der Interviewer im ersten Atemzug meint, sondern notwendigerweise muss Lohnarbeit kritisiert und abgeschafft werden!

NSU-Prozess: Pleiten, Pech & Pannen? – Statements von Martina Renner & Yavuz Narin

„Wie viel Staat steckt im NSU?“, diese Frage war einer der zentralen Punkte bei einer Veranstaltung der Linkspartei am 12. April in München, die mit mehr als 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf großes Interesse stieß und zu einer lebhaften Diskussion führte. Fünf der insgesamt zehn NSU-Morde fanden in Bayern statt, zwei davon in München.

Aus diesem Anlass luden die Bayerischen Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter und Nicole Gohlke im Vorfeld des Prozessauftakts gegen den NSU sowie am Vorabend der Demonstration unter dem Motto: „Gegen Naziterror, staatlichen und alltäglichen Rassismus. Verfassungsschutz abschaffen!“ zu einer Diskussionsveranstaltung ins Münchner EineWeltHaus ein. Mit auf dem Podium saßen Martina Renner, die für DIE LINKE im Untersuchungsausschuss in Thüringen sitzt, Yavuz Narin, Rechtsanwalt und Nebenklagevertreter der Angehörigen des am 15. Juni 2005 in München von der NSU ermordeten Theodorus Boulgarides sowie Elke Steven vom Komitee für Grundrechte und Demokratie. Martina Renner (MdL, DIE LINKE. Thüringen, Mitglied im Thüringischen NSU Untersuchungsausschuss) ging zunächst der Frage nach, wie können parlamentarische Untersuchungsausschüsse bei der Aufklärung der NSU-Verbrechen helfen?“ (Text, Quelle & MP3: http://freie-radios.net/55774 )

Erster Teil geht bis 09:45 – Mit Martina Renner als Mitglied des Untersuchungsausschusses
Zweiter Teil ab 09:45 – Mit Yavuz Narin als Anwalt der NSU-Opfer:

„Yavuz Narin dämpfte in seinem Statement zunächst die Erwartungen an den anstehenden Prozess gegen Beate Zschäpe und weitere Angeklagte. Die politische Dimension des Falls werde hier eine untergeordnete Rolle spielen, weshalb seiner Meinung nach die öffentliche Begleitung des Prozesses von großer Bedeutung ist.“ (Text, Quelle & MP3: http://freie-radios.net/55778 )