Archiv der Kategorie 'Huisken'

Lohnarbeit & Konkurrenzkampf in der Automobilindustrie – Prof. Huisken

„“Autokrise in Europa verschärft sich“, „Kurzarbeit oder Sonderschichten“,“Letzte Schicht“… so oder ähnlich lauteten Schlagzeilen im Dezember 2012. Alle bezogen sich auf die Automobilindustrie. „Drei Millionen Autos werden in Europa weniger verkauft“ , stellt die SZ fest und fragt: „Wie viele Fabriken braucht man weniger?“ Aber es gab auch andere Nachrichten. Der Daimler-Chef ließ klare Kampfansagen an die Konkurrenz vom Stapel: „Zetsche will Mercedes an die Spitze führen“. Spätestens 2020 will das Daimler-Kapital die Konkurrenz wieder abgehängt haben. Worauf fußt seine „Prognose“? Einerseits sinken die Absatzzahlen, andererseits will Daimler in der Flaute in die Offensive gehen? Über welche Rezepte verfügt der Multi?“ (Text & Quelle: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#451 / Ankündigungstext: http://doku.argudiss.de/data/13_01/daimler_hb_1301_ank.pdf )

Prof. Huisken über unser Bildungssystem

„Die Bildungspolitik muss drei Kriterien unter einen Hut bringen: ein marktpolitisches, ein standortpolitisches und ein finanzpolitisches. D.h. keine Reform nimmt Maß an Wünschen von Schülern und deren Eltern. Jede Reform des Bildungswesens nimmt vielmehr Maß an rein nationalen Gesichtspunkten, also an der differenzierten Nachfrage nach Ausgebildeten auf dem Arbeitsmarkt, berücksichtigt dabei die Entwicklung des Bildungswesens konkurrierender Nationalstaaten und weiß sich den Finanzminister im Rücken, der darauf drängt, dass die Reform “finanzierbar” bleibt. Dabei können sich diese Kriterien ergänzen, aber durchaus auch mal in die Quere kommen. Wenn der Beschluss steht, dass “wir” mehr Abiturienten brauchen, um in Europa hinsichtlich der Ressource “geistiges Kapital” nicht in Rückstand zu geraten, dann braucht es mehr Gymnasien nebst ihrer sachlichen und personellen Ausstattung. Gespart wird dann z.B. daran, dass die Schüler-Lehrerquote erhöht wird, Lehrer nur als Angestellte bezahlt werden oder Geld für Schulmaterial verlangt wird. Beschließt die Politik, wegen des schlechten internationalen Abschneidens im PISA-Vergleich von Schülern mehr Leistung zu verlangen, dann verkürzt sie z.B. die Ausbildungsgänge, fängt mit der Verschulung früher an und packt mehr Stoff in kürzere Zeit – was dann zugleich ein Beitrag zum Sparprogrammsein kann. Weitere bildungsinterne Stellschrauben sind die Festlegung von Übergangsquoten, die Zusammenlegung von Schulen, der Numerus Clausus, Verschärfung von Prüfungen, Fördermaßnahmen bzw. deren Beendigung usw. So benutzen die Bildungspolitiker aller Bundesländer das gesamte Bildungswesen, um mit seinem permanenten Umbau dafür zu sorgen, das mit dem sortierten Nachwuchs möglichst passend all jene ökonomischen und politischen Einrichtungen bedient werden, mit denen Deutschland sein Wachstum voranbringen und sich in der Welt behaupten will.“ (Freerk Huisken über unser Bildungssystem / Quelle: Was die Schule alles leistet – Publikumsbeschimpfung)

Wissenschaft als Waffe in der Standortkonkurrenz – Ein Vortrag von Prof. Huisken

„Die BILD titelte nach der Papstwahl „Wir sind Papst“. Die Bremer Uni schmückte sich nach ihrer Erhebung zur Exzellenz-Uni „Wir sind Exzellenz“. Der Stolz ist unverkennbar. Als eine von elf ausgezeichneten Unis, als „die einzige im Norden“ darf sie sich mit diesem Titel „Exzellenz-Uni“ schmücken. Dass gleich die gesamte Universität, ja die halbe Stadt in den Stolz einbezogen ist – „Wir“ –, wird so weit neben der Sache nicht liegen. Ausfallstraßen waren mit Plakaten über diesen neuen Ruhm gepflastert. Der Weser-Kurier und buten&binnen kriegten sich auch kaum ein. Rektor Müller sah sein Lebenswerk gekrönt: Von der ausgegrenzten Roten Kaderschmiede hat es die Uni schließlich unter seiner Leitung zum Leuchtturm im nationalen Wissenschaftsbetrieb gebracht. *

Grund genug, der Frage nachzugehen, worauf die Uni, die PISA-gebeutelte Landesregierung, die Stadt und viel zu viele ihrer Bürger da eigentlich stolz sind. Was hat es mit dem Umbau des deutschen Wissenschaftsbetriebs auf sich, der „Leuchttürme“ der Spitzenforschung fördert? Ist das nicht Spitze? Gehört sich das nicht für eine „Wissensgesellschaft“? Wer sollte etwas gegen Forschungsförderung haben? Wer etwas gegen exzellente Geistesleistungen? Darf man da noch fragen: welche Geistesleistungen eigentlich?“ (Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/#435 )

Prof. Dr. Huisken über Arbeit & Reichtum

Aus gegebenem Anlass eine etwas andere Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus. Es ist ungerecht, die Montagsdemonstranten als die „Jammerlappen der Nation“ abzustempeln. Gejammert wird allenthalben. Unzufriedenheit stellt sich nicht nur bei jenen ein, die gegen Hartz IV protestieren und Arbeit fordern. Ebenso unzufrieden sind Unternehmer, denen Arbeit zu teuer ist, die über Absatzschwierigkeiten klagen, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Produkte loswerden sollen, und auf Insolvenzen von Betrieben verweisen, die sich in der Konkurrenz auf dem Markt nicht mehr behaupten können. Die Gewerkschaften beschweren sich über Angriffe auf den geliebten Sozialstaat, den sie doch zur Lösung der sozialen Frage erkämpft haben, sehen die Tarifautonomie gefährdet und möchten die Unternehmer davon überzeugen, dass weitere Lohnsenkungen der Kaufkraft schaden. Aber auch die Regierung stöhnt, weil Wachstum ausbleibt, weil nur ihre Schulden wachsen, die Gesellschaft sich in eine Freizeitgesellschaft zu verwandeln droht und die Bürger einfach zu wenig konsumieren. Eigentlich findet sich auch bei den Säulen dieser Gesellschaft über-haupt nur Unzufriedenheit und Wehklagen. * Beschwichtigende Töne hört man überraschenderweise nur von Kritikern der Marktwirtschaft. Die gehen mit der Parole hausieren, dass alles gar nicht so schlimm sei, dass sich alles zum Guten wenden ließe, denn, sagt Attac, Reichtum ist genug da!

Irgendwie steht die Welt da auf dem Kopf. Grund genug, sich einmal etwas genauer mit diesen Beschwerden, aber auch mit der Beschwichtigung zu befassen. Es stellen sich nämlich einige Fragen: Wieso erklären Menschen Arbeit zu einem Bedürfnis? Sollten sie nicht froh darüber sein, dass sie von Arbeit befreit sind? Warum kritisieren Unternehmer an Arbeit den Preis? Kommt es bei Arbeit nicht auf Zweckmäßigkeit, Qualität und auf Bequemlichkeit bei ihrer Verrichtung an? Was sind eigentlich die Schwierigkeiten beim Absatz von lauter prächtigen Gebrauchsartikeln? Wieso gilt ausgerechnet zuviel Reichtum als Mangel?

Ist die Menschheit übersättigt, wird sie vom Überfluss belästigt? Irgendwie kann das die Sache nicht ganz treffen, wenn zugleich Betriebsschließungen beklagt werden. Was hat es mit dem Wachstum auf sich, das besonders dem Staat so fehlt und das immer nur mehr wer-den soll? Wieso fehlt es überhaupt, wenn Unternehmer nicht einmal wissen, wohin mit dem ganzen produzierten Krempel? Oder kann man vielleicht einmal erfahren, was da nicht wächst, und warum dieses Ding namens Wachstum nichts taugt, wenn’s nicht ständig mehr wird? Wieso rühmen sich unsere leitenden Demokraten nicht damit, die Gesellschaft zur Freizeitgesellschaft ausgebaut zu haben? Wieso ist so etwas ein Beschwerdetitel? Und warum findet es die Gewerkschaft umgekehrt klasse, dass die soziale Frage hierzulande immer noch nicht gelöst ist? Wieso soll der Sozialstaat ein Ruhmesblatt sein? All das ist ziemlich verrückt, aber leider mit System!

Gehalten wurde der Vortrag in der Universität Freiburg am 18. Januar 2005. (Text: Thesenpapier.pdf | Quelle: Vortragsarchiv U-Asta Referat | Vortrag als MP3: Archive.org)

Wieso, weshalb, warum macht die Schule dumm?


Prof. Freerk Huisken analysiert das auf Konkurrenz und Konditionierung abzielende Schulsystem. (Quelle: Freie Radios)