Archiv der Kategorie 'Horkheimer'

Was jeder zeigen muss

„Das Verhalten des Einzelnen zum Racket, sei es Geschäft, Beruf oder Partei, sei es vor oder nach der Zulassung, die Gestik des Führers vor der Masse, des Liebhabers vor der Umworbenen nimmt eigentümlich masochistische Züge an. Die Haltung, zu der jeder gezwungen ist, um seine moralische Eignung für diese Gesellschaft immer aufs neue unter Beweis zu stellen, gemahnt an jene Knaben, die bei der Aufnahme in den Stamm unter den Schlägen des Priesters stereotyp lächelnd sich im Kreis bewegen. Das Existieren im Spätkapitalismus ist ein dauernder Initiationsritus. Jeder muß zeigen, daß er sich ohne Rest mit der Macht identifiziert, von der er geschlagen wird. […] Jeder kann sein wie die allmächtige Gesellschaft, jeder kann glücklich werden, wenn er sich nur mit Haut und Haaren ausliefert, den Glücksanspruch zediert. In seiner Schwäche erkennt die Gesellschaft ihre Stärke wieder und gibt ihm davon ab. Seine Widerstandslosigkeit qualifiziert ihn als zuverlässigen Kantonisten.“ (Max Horkheimer + Theodor W. Adorno, in „Dialektik der Aufklärung – Philosophische Fragmente“ – Seite 162)

Horkheimer über die gegenwärtige Gesellschaftsform

„Es wird heftig bestritten, dass die materielle Lage den Menschen bestimme, aber in den extremen Fällen tritt dieser Umstand so offen zutage, daß die Leugnung ausgeschlossen ist. […] Wenn ein großzügiger und kluger Mensch […] ins Zuchthaus gesperrt wird, so daß sich während der Dauer von zehn Jahren sein Leben in den Zellen und Korridoren eines dieser furchtbaren Gebäude abspielt, dann reduzieren sich auch seine Bedürfnisse und Ängste, seine Interessen und Freuden immer mehr auf das winzige Maß dieses armseligen Daseins. […] Die Geburt der meisten Menschen geschieht in das Zuchthaus hinein. Gerade deshalb ist die gegenwärtige Gesellschaftsform, der sogenannte Individualismus, in Wahrheit eine Gesellschaft der Gleichmacherei und der Massenkultur“ (Horkheimer, Max: Dämmerung. Notizen in Deutschland, in: Ders.: Gesammelte Schriften. Bd. 2. Hg. von Alfred Schmidt und Gunzelin Schmid Noerr. Frankfurt/M. 1987, S. 355f.)

„Obwohl die meisten Menschen..“

„Obwohl die meisten Menschen niemals die Angewohnheit überwinden, die Welt für ihre eigenen Schwierigkeiten zu schelten, haben diejenigen, die zu schwach sind, sich der Realität entgegenzustellen, keine andere Wahl, als sich auszulöschen, indem sie sich mit ihr identifizieren. Sie sind niemals rational mit der Zivilisation versöhnt. (…) Diese Leute machen sich mit Vergnügen die Herrschaft des Stärkeren als ewige Norm zu eigen oder zwingen sich, sie zu akzeptieren.“ (— Max Horkheimer – Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, 1967.)

Kritik des Antisemitismus

„In dem Vortrag wollen wir uns mit Euch darüber auseinandersetzen, was antisemitisches Denken und Handeln ausmacht. Dabei sollen uns einige Gedanken zur Theorie und Kritik des Antisemitismus der Gesellschaftstheoretiker Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Moishe Postone helfen, die wir Euch kurz vorstellen möchten. Vorweg gibt es einen knappen historischen Überblick über die Entwicklung des Judenhass vom religiös motivierten Antijudaismus, über den Rassenantisemitismus der Nationalsozialisten bis hin zu gegenwärtigen Formen des Antisemitismus.“ (Text & Quelle: Intros Hamburg / http://intros.blogsport.eu/ / Vortrag als MP3: http://www.freie-radios.net/41539 )

Horkheimer: Wer ist der Feind?

„Das Volk“ soll verwirklicht werden. […] Jeder soll sich eingliedern ins Volk, der Feind ist nicht so sehr die „Reaktion“ – von der sprachen Hitler und Stalin unisono, der Feind ist vielmehr der differenzierte Einzelne, der Weltfremde, der Kosmopolit, der Zögernde, der noch treu sein kann, weil er sich nicht festlegt, und konsequent, weil er keinem Programm folgt. Der Feind ist der Einzelne, der Feind sind wir. ( Gesammelte Schriften, Band 14: Nachgelassene Notizen 1949–1969, Max Horkheimer, Fischer; S. 82.)