Archiv der Kategorie 'Held'

Konkurrenzkampf im Kapitalismus – Ein Vortrag von Dr. Karl Held

„Dass in dieser Welt „Konkurrenz herrscht“, dass sie als Prinzip zwischenmenschlichen Verkehrs allgegenwärtig ist und als ebenso gebieterisches wie anonymes Gesetz das „Verhalten“ moderner Individuen prägt, ist bekannt. Politiker erweisen dieser „Tatsache“ ihren Respekt, wenn sie ihren Bürgern zur Chancengleichheit verhelfen, sei es im Ausbildungswesen oder im Wirtschaftsleben, wo ein Kartellgesetz und ein Kartellamt darüber wachen, dass um die Macht des Geldes brav konkurriert wird. Aber auch dann, wenn sie der Nation, die sie regieren, Reformen verordnen und die erforderlichen Maßnahmen als Dienst am „Standort“ verantworten, der sich der Herausforderung stellt, die andere Standorte aufmachen. Und schon gleich bei allen Entscheidungen, die auf die Sicherheit gerichtet sind — also in den Fragen, die Staaten und ihre Führung so bewegen, weil sie sich einem Kräftemessen ausgesetzt sehen, das mit dem Willen und der Fähigkeit zum Gebrauch von Gewalt zu bestehen ist. In der Wirtschaft, wo man sich der Produktion und Verteilung des Reichtums annimmt — im Zeitalter der „Globalisierung“ nicht nur im Rahmen national abgegrenzter Gesellschaften, sondern weltweit —, tun und lassen die verantwortlichen Leute überhaupt nichts ohne Rücksicht auf die Konkurrenz. Die Gestaltung von Preisen und Löhnen, die Kalkulation mit Kosten und Überschüssen, die Schaffung und Streichung von Arbeitsplätzen, die Einführung neuer Produktionsverfahren — kurz: das Investieren in all seinen Abteilungen ist ebenso eine Reaktion auf den Verlauf der Konkurrenz wie ein Akt, der auf das vorteilhafte Abschneiden im Wettbewerb der Geschäftsleute und -sphären berechnet ist. Unternehmer bzw. Manager sind stets mit der „Konkurrenzfähigkeit“ ihres Betriebs befasst; deren Fehlen ist an Misserfolgen schuld, wenn nicht gleich staatliche Hindernisse und andere widrige Geschäftsbedingungen ihre Herstellung unmöglich machen.“ (Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#109 )

Wer verdient warum wie viel? Dr. Karl Held über die Einkommensgerechtigkeit im Kapitalismus

„Die Frage nach dem Einkommen ist in der Marktwirtschaft existentiell. Wie viel Geld ein Wirtschaftsbürger für wie viel Arbeitsaufwand heim trägt, entscheidet über sein Leben; darüber nämlich, ob ihm die Güter des täglichen Bedarfs sowie des Genusses in ausreichender Menge und Qualität zugänglich sind, und ob die für deren Beschaffung erforderliche Arbeit auch noch Lebenszeit und Lebenskraft für Genuss und die Entwicklung freier Interessen übrig lässt. Jeder weiß, dass die Einkommen in der Marktwirtschaft krass verschieden ausfallen: Vom Null-Einkommen der Arbeitslosen reichen sie über Hungerlöhne im wachsenden Niedriglohnsektor, über schmale, mittlere und bessere Arbeitslöhne, zu Beamten- und Politikergehältern; unter den Selbstständigen gibt es noch einmal die weite Spanne vom Elend der Ich-AGs und der kleinen Handwerker bis zu den ein- und zweistelligen Millionenbeträgen der Manager; ganz zu schweigen von den Besitzern wirklich großer Vermögen, Ländereien und Industriebeteiligungen. Das steile Gefälle gibt zu denken.“ (Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#75 )

Die Psychologie des bürgerlichen Individuums

„Warum wollen alle Leute vortreffliche, rechtschaffene Menschen sein? Will sagen: warum hat jeder von uns – und überhaupt redet man bei Psychologie, wenn sie rationell betrieben wird, erst einmal sehr lange über jeden (was mit jedem seinem Verstand, seinem Geist, seiner Praxis los ist) – warum will jeder von uns sein Ideal von sich selbst verwirklichen. Typisch kommt das vor im Tagtraum. Wo man – insbesondere in der Jugend – sich ständig ausmalt, man wäre entweder ein großartiger Professor oder ein großartiger Fußballspieler usw… Man baut sich ein Ideal von sich auf und denkt sich ständig: wie könnte man das realisieren, so müßte man sein. Man stellt sich so richtig in der Rolle des großen Könners vor. Warum schämen sich die Leute? Insbesondere dann, wenn sie Mißerfolg haben? Muß doch kein Grund zur Scham sein. Das ist dasselbe wie die Frage: Warum gibt es den Spruch „Armut ist keine Schande“? Oder warum geben denn so viele Leute an und wissen es, und die anderen, die um sie herum sind, wissen es auch? Warum wollen denn so viele Leute spontan sein – ganz natürlich – und ihren Verstand als Hindernis betrachten? Warum gibt es erwachsene Menschen, Frauen wie Männer, die, wenn sie etwas getan haben oder gerade im Begriffe zu tun sind, das mehr oder minder leidlich zuwege bringen, dann von sich behaupten, sie wären eben so und das läge an ihrer Erziehung? Sie sprechen also sich die Freiheit des Willens ab, erklären sich zu einer Wirkung ihrer vergangenen Tage. Wieso werden aufgeklärte, moderne Menschen verrückt oder bringen sich um? Warum zehren Enttäuschungen in der Liebe mehr am bürgerlichen Subjekt als Enttäuschungen im politischen Leben?“ (Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#333 / Abschrift des Vortrages: http://doku.argudiss.de/data/10_04/psycho_buerg_individ_m_0780_gl.pdf )

Krise: Business as usual oder mit Volldampf in den Kollaps? Karl Held & Robert Kurz

„Funktioniert der Kapitalismus wie gehabt? Ist Deutschland der Modellfall eines Landes, das sein imperialistisches nationales Projekt mit Erfolg betreibt und sich anschickt, den Rest Europas abzuhaengen bzw. von sich abhaengig zu machen? Oder hat das vergroesserte Deutschland sich mit der Annexion der DDR uebernommen? Folgt der De-Industrialisierung und dem Abschwung in der Ostzone jetzt der Kollaps des ganzen Wirtschafts-und Waehrungssystems? Funktioniert das System des kapitalistischen Weltmarktes im Prinzip so, wie Marx es bereits beschrieben hat? Stolpert es von einer Krise in die naechste, die es aber (immer auf Kosten der ausgebeuteten Klasse der Lohnarbeiter) stets meistert, wenn keine massive Gegenwehr erfolgt? Oder steht der Zusammenbruch des mehrwertheckenden Systems der abstrakten Arbeit demnaechst bevor, weil es zunehmend ausserstande ist, realen Wertzuwachs zu produzieren, sondern stattdessen gigantische Mengen fiktiven Kapitals erzeugt, die sich in absehbarer Zeit in Nichts aufloesen werden? Geht es fuer die Linke jetzt darum, die theoretische und praktische Kritik des warenproduzierenden kapitalistischen Systems auf der Basis des klassischen Marxismus voranzutreiben und sich auf vergessene Ziele der Arbeiterbewegung zu besinnen? Oder ist vom alten Arbeiterbewegungsmarxismus gar nichts zu erwarten, weil die Arbeiterklasse eben auch konstitutiver Bestandteil des Systems der abstrakten Arbeit ist, das insgesamt aufgehoben werden muss? Ueber aehnliche Fragen werden sich in unserer Veranstaltung Robert Kurz und Dr Karl Held streiten. Wir sind sicher, dass dabei fuer das hoffentlich nicht passive Publikum einiges an Erkenntnissen und Argumenten herumkommt, was der eigenen Positionsfindung dient.“ (Quelle & MP3: http://www.contradictio.de/blog/archives/4733)