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Hegel über Staaten

„Staaten sind keine Privatpersonen, sondern vollkommen selbständige Totalitäten an sich, und so stellt sich ihr Verhältnis anders als ein bloß moralisches und privatrechtliches. Man hat oft die Staaten privatrechtlich und moralisch haben wollen, aber bei Privatpersonen ist die Stellung so, daß sie über sich ein Gericht haben, das das, was an sich Recht ist, realisiert. Nun soll ein Staatsverhältnis zwar auch an sich rechtlich sein, aber in der Weltlichkeit soll das Ansichseiende auch Gewalt haben. Da nun keine Gewalt vorhanden ist, welche gegen den Staat entscheidet, was an sich Recht ist, und die diese Entscheidung verwirklicht, so muß es in dieser Beziehung immer beim Sollen bleiben. Das Verhältnis von Staaten ist das von Selbständigkeiten, die zwischen sich stipulieren, aber zugleich über diesen Stipulationen stehen.“
(Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, B.) Das äußere Staatsrecht, § 330.)

Rjazanov über Hegel

„Hegel, der die Erfahrungen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts durchgemacht hatte – einer Epoche der gewaltigsten Erschütterungen des ökonomischen wie des politischen Lebens – konzentierte seine ganze Aufmerksamkeit auf die Erklärung der Welt, wie sie sich entwickelt. Es ist nichts, was nicht in Bewegung ist. Seine absolute Idee, die Vernunft, lebt und tritt zutage nur im Prozeß einer ununterbrochenen Bewegung, Entwicklung. Alles ist im Fluß, verändert sich, wird zerstört. Die ununterbrochene Bewegung, die ununterbrochene Entwicklung der absoluten Idee bestimmt die Entwicklung unserer ganzen Welt auf allen Gebieten. Um die uns umgebenden Erscheiungen zu verstehen, genügt es nicht, sie so zu studieren, wie sie jetzt existieren, wir müssen verstehen, wie sie sich entwickelt haben; denn alles, was uns umgibt, ist das Resultat einer früheren Entwicklung. Mehr noch. Auch wenn es uns auf den ersten Blick scheint, daß ein gegebenes Ding in unbewegtem Zustand verharrt, so sehen wir doch, wenn wir es aufmerksam betrachten und das Auge an es gewöhnen, daß in ihm selbst eine Bewegung, ein Kampf vor sich geht, daß in ihm einerseits bestimmte Einflüsse und Kräfte wirksam sind, die es in dem Zustand festhalten, in dem wir es kennen, und andererseits Einflüsse und Kräfte, die danach streben, es zu verändern.

In jeder Erscheinung, in jedem Ding vollzieht sich ein Kampf dieser beiden Prinzipien, der These und der Anthithese. Von diesen beiden Prinzipien ist das eine das bewahrende, das andere das zerstörende. Im Prozeß des Kampfes dieser beiden Prinzipien, die in jeder Erscheinung vorhanden sind, ergibt sich etwas Mittleres, die Vereinigung der widerstreitenden Prinzipien.

In der Sprache Hegels wurde das so ausgedrückt: Die Vernunft, das Denken, die Idee bleiben nicht unbeweglich, erstarren nicht bei einer Position, beruhigen sich nicht bei einer These. Im Gegenteil, diese These, dieser Gedanke gerät in Widerspruch mit sich selbst, teilt sich in zwei Gedanken, von denen einer dem anderen widerspricht, in Position und Negation, in Ja und Nein. Der Kampf dieser beiden entgegengesetzten elemente, die in der Antithese enden, bildet die Bewegung, die Hegel dialektisch nennt, um das element des Kampfes in ihr zu unterstreichen. Im Resultat dieses Kampfes, dieser Dialektik, gleichen sich beide Gegensätze gegenseitig aus und vereinen sich. Die Verschmelzung dieser beiden einander widersprechenden Gedanken formt einen neuen Gedanken – ihre Synthese. Dieser neue Gedanke, diese neue Idee, teilt sich ihrerseits wieder in zwei entgegengesetzte Gedanken – die These bringt eine Antithese hervor und beide vereinigen sich wieder in einer neuen Synthese.

So betrachtete Hegel jede Erscheinung, jedes Ding als einen Prozeß, als etwas, was sich in ununterbrochener Bewegung und ununterbrochener Entwicklung befindet. Jede Erscheinung ist nicht nur das Resultat einer vorangegangenen Veränderung, sondern trägt auch in sich selbst den Keim einer neuen Veränderung. Sie beruhigt sich niemals auf einer einmal erreichten Stufe – nach dem Motto: so ist es immer gewesen, so wird es immer sein. Im Gegenteil, kaum hat sie eine neue Stufe erreicht, beginnt in ihr der Kampf neuer Widersprüche. Wie Hegel so schön sagt, ist gerade der Kampf der Gegensätze die Quelle der Entwicklung.“ (Rjazanov – Marx und Engels nicht nur für Anfänger – Rotbuch Verlag – russ. Original entstammt aus dem Jahr 1928 / Seite 42-43)

Hegel – Eine Einführung für Einsteiger

„Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit in der Vielfalt ihrer Erscheinungsformen einschließlich ihrer geschichtlichen Entwicklung zusammenhängend, systematisch und definitiv zu deuten. Sein philosophisches Werk zählt zu den wirkmächtigsten der neueren Philosophiegeschichte.“ (Wikipedia über Hegel: http://de.wikipedia.org/wiki/Hegel / Quelle & MP3 des Vortrages mit Bildern und weiteren Texten: http://hegel-system.de/de/v0-vortrag.htm)