Archiv der Kategorie 'Grigat'

Kritik an der Arbeit

„Es geht nicht darum, die Kritik an der Arbeit als Ausrede zu verwenden, sich den Anforderungen eines mündigen – und das heißt immer auch: widerspruchsvollen und mitunter ausgesprochen anstrengenden – Lebens zu verweigern und sich in der Wiederholung des Immergleichen einigermaßen bequem, aber völlig stupide so einzurichten, wie man das in gewissen Segmenten der Linken praktiziert.

Anzustreben wäre vielmehr, den doch offenbar in nahezu jedem Menschen schlummernden Tatendrang, die Kreativität und das Bedürfnis nach ästhetischer Äußerung, die Lust an der Gestaltung des eigenen Lebens und den Wunsch nach größtmöglichem und ausdifferenziertem Genuß vom ökonomischen Verwertungszwang und von politischer Bevormundung zu befreien und gesellschaftliche Bedingungen zu schaffen, die eine Art produktiven Müßiggang überhaupt erst ermöglichen würden. Gelänge dies, würde, wie es in den Minima Moralia heißt, die Menschheit wohl auch “aus Freiheit Möglichkeiten ungenutzt” lassen, “anstatt unter irrem Zwang auf fremde Sterne einzustürmen” (Stephan Grigat – Schluß mit unlustig! in: konkret, 5/2014, S. 21)

„Die Einsamkeit Israels“ – Buchvorstellung von Dr. Grigat

„Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. Die Existenz von Antisemitismus in der globalen Linken ist heute evident. Angesichts der ausufernden Literatur, die ihn wieder und wieder belegt, kann sein Leugnen heute nur mehr als eine seiner Ausdrucksformen angesehen werden. Im Antizionismus tritt er als eine spezifische Form des Antisemitismus nach Auschwitz auf, der sich aus Mangel an konkreten Hassobjekten gegen den kollektiven Juden, den Staat Israel, richtet. Dass die im Antizionismus angelegten Vernichtungsphantasien nicht Realität geworden sind, verdankt sich einzig und allein der israelischen Staatsgewalt.“ (Text & Bestellinformationen: http://konkret-magazin.de/konkret-texte/texte-archiv/konkret-texte-nr-64.html )

Die Arbeit nieder! – Stephan Grigat

„Arbeit macht krank, Arbeit schändet, Arbeit ist Mühsal und macht hässlich. Karl Marx wusste das und hat allen Kritikern gesellschaftlicher Elendsproduktion ins Stammbuch geschrieben: „Das Reich der Freiheit beginnt erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört.“ Die sich merkwürdigerweise immer wieder auf Marx berufende Arbeiterbewegung hat die Vernutzung der Arbeitskräfte zum Zwecke der Verwertung des Kapitals hingegen zur anbetungswürdigen Selbstverwirklichung geadelt. Das proletarische Schaffen sei gut, und der eigentliche Skandal des Kapitalismus bestünde darin, nicht jedem Menschen einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Ob Sozialdemokraten oder Bolschewisten, ob christliche Soziallehre oder faschistischer Produktivitätswahn, ob Leninisten oder Strache-Fans – sie alle konnten und können sich für die elende Parole „Die Arbeit hoch“ begeistern. Anstatt sich an Paul Lafargue, den Schwiegersohn von Marx zu erinnern, der das „Recht auf Faulheit“ hochhielt, soll es ein „Recht auf Arbeit“ sein, für das am 1. Mai gestritten wird. “ (Stephan Grigat – „Die Arbeit nieder!„)

Deutschland ist Scheisse – Warum? – Zur Kritik der Nation – Ein Vortrag von Stephan Grigat

„Im Vortrag soll es nicht nur um eine Kritik des Nationalismus als unumwundener Identifikation mit dem je eigenen Staat gehen. Stephan Grigat wird vor allem zeigen, dass neben Antisemitismus und Rassismus als Basisideologien nationaler Vergesellschaftung, vor allem die Nation als konkreter Fetisch selbst Gegenstand der Kritik sein muss. Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter am Wiener Institut für Politikwissenschaft, arbeitet als Freier Autor, ist Mitinitiator der Kampagne „Stop the Bomb“ gegen das Iranische Atomprogramm und Mitherausgeber des Buches „Der Iran — Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“.“ (Quelle & MP3: http://audioarchiv.blogsport.de/2009/05/26/kritik-der-nation/ )

Das ist doch utopisch!

„Gegen die utopischen Schwärmereien setzte er [Karl Marx] die differenzierte Kritik des Bestehenden, aus der das zu Schaffende in seinen Grundstrukturen ergibt. Daß Marx sich und anderen kein genaueres Bild von der zu erschaffenden Gesellschaft entwerfen wollte, erklärt sich wohl aus der Einsicht in die Unsinnigkeit und Unmöglichkeit eines derartigen Vorhabens.

Offenbar war Marx schon bewußt, was man auch heute immer wieder beobachten kann: Bürgerliche Subjekte, die für eine Kritik der bestehenden Verhältnisse nur dann zugänglich sind, wenn man ihnen gleichzeitig bis ins letzte Detail ausformulierte Alternativen vorsetzt und nach Möglichkeit auch noch deren Funktionstüchtigkeit garantiert, haben gar keine Kritik am Bestehenden vorzubringen. Bietet man eine grob skizzierte Alternative an, existieren zwei Reaktionsmöglichkeiten. Bei der einen wird mit dem Hinweis auf die angebliche Unrealisierbarkeit die der skizzierten Alternative vorausgegangene Kritik diskreditiert. Bei der zweiten Möglichkeit wird auf die Alternative wie auf ein Ticket gesetzt, das einen sicher zum Ziel bringen soll. Bei dieser Ticketmentalität findet eine Auseinandersetzung mit der Kritik, aus der eine Alternative entstehen kann, ebensowenig statt, wie beim Abstreiten jeglicher Möglichkeit gesellschaftlicher Alternativen.“ (— Stephan Grigat, Fetisch und Freiheit, S. 82f)