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Fromm über Narzissmus

„Dieser Überschätzung der eigenen Einstellung und dem Hass gegen alles, was davon abweicht, liegt nichts anderes zugrunde als Narzißmus. “Wir” sind gut; “sie” sind böse. Eine jede Kritik an unserer eigenen Lehre ist ein tückischer Angriff den man sich nicht gefallen lassen kann; die Kritik an der Gegenseite ist ein wohlgemeinter Versuch, den anderen zu helfen, zur Wahrheit zurückzukehren.“ (Erich Fromm: Individueller und gesellschaftlicher Narzißmus. In: Die Seele des Menschen. Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen. – Ullstein 1981, S. 83)

„Für einen narzißtischen Menschen ist der Partner nie eine selbständige Persönlichkeit in ihrer vollen Wirklichkeit; dieser Partner existiert nur als Schatten des aufgeblähten narzißtischen Ichs. Dagegen beruht die nichtpathologische Liebe nicht auf dem wechselseitigem Narzißmus. Sie ist eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich als eigenständige Größen erleben und die sich trotzdem einander öffnen und eins werden können. Um die Liebe erleben zu können, muß man das Voneinander getrenntsein erleben.“ (Erich Fromm: Individueller und gesellschaftlicher Narzißmus. In: Die Seele des Menschen. Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen. – Ullstein 1981, S. 89)