Archiv der Kategorie 'Freud'

Freud über das Leben

„Das Leben, wie es uns auferlegt ist, ist zu schwer für uns, es bringt uns zuviel Schmerzen, Enttäuschungen, unlösbare Aufgaben. Um es zu ertragen, können wir Linderungsmittel nicht entbehren. (…) Solcher Mittel gibt es vielleicht dreierlei: mächtige Ablenkungen, die uns unser Elend geringschätzen lassen. Ersatzbefriedigungen, die es verringern, Rauschstoffe, die uns für dasselbe unempfindlich machen. Irgend etwas dieser Art ist unerläßlich.“ ( Freud, Sigmund (1974): Das Unbehagen in der Kultur. In ders.: Studienausgabe Band IX. Fragen der Gesellschaft, Ursprünge der Religion. S. 207. Frankfurt am Main: Fischer. )

Marx & Freud: Zum Zusammenhang zwischen Psychoanalyse & Kritik der Politische Ökonomie

„Der Versuch einer Bestim­mung des Verhältnisses von Gesellschaftskritik und Psychoanalyse bewegt sich in einem Widerspruch. Die Trennung von Gesellschaft und Psyche ist zugleich ideologisch und wahr: das Eingedenken der Verselbständigung des Objektiven gegenüber dem Subjekt. Beide sind vermittelt, fallen aber nicht ineinander. Eine Vereinheitlichung beider wäre Schein. Ausgehend von der Verselbständigung des Objektiven soll gezeigt werden, daß Gesellschaftskritik nicht vor den Mauern des Subjekts Halt machen darf. Hierfür empfiehlt sich die Psychoanalyse gerade durch das, was ihr gerne vorgeworfen wird: ihre radikale Beschränkung aufs Individuum sowie ihr negatives Menschenbild; negativ in dem Sinne, dass sie kaum ein positiv zu Antizipierendes entwirft.“ (Quelle & MP3 des Vortrages: http://audioarchiv.blogsport.de/2009/03/20/psychoanalyse-und-gesellschaftskritik/ )

Freud über Religion

“Die Religion beeinträchtigt dieses Spiel der Auswahl und Anpassung, indem sie ihren Weg zum Glückserwerb und Leidensschutz allen in gleicher Weise aufdrängt. Ihre Technik besteht darin, den Wert des Lebens herabzudrücken und das Bild der realen Welt wahnhaft zu entstellen, was die Einschüchterung der Intelligenz zur Voraussetzung hat. Um diesen Preis, durch gewaltsame Fixierung eines psychischen Infantilismus und Einbeziehung in einen Massenwahn gelingt es der Religion, vielen Menschen die individuelle Neurose zu ersparen. Aber kaum mehr; es gibt, wie wir gesagt haben, viele Wege, die zum Glück führen können, wie es dem Menschen erreichbar ist, keiner, der sicher dahin leitet. Auch die Religion kann ihr Versprechen nicht halten. Wenn der Gläubige sich endlich genötigt findet, von Gottes „unerforschlichem Ratschluß“ zu reden, so gesteht er damit ein, daß ihm als letzte Trostmöglichkeit und Lustquelle im Leiden nur bedingungslose Unterwerfung übriggeblieben ist. Und wenn er zu dieser bereit ist, hätte er sich wahrscheinlich den Umweg sparen können.” (Das Unbehagen in der Kultur. Und andere kluturtheoretische Schriften, Sigmund Freud, Fischer, 2. Auflage, 2010, 192 Seiten; S. 51. )