Archiv der Kategorie 'Fetisch'

Die Arbeit nieder! – Stephan Grigat

„Arbeit macht krank, Arbeit schändet, Arbeit ist Mühsal und macht hässlich. Karl Marx wusste das und hat allen Kritikern gesellschaftlicher Elendsproduktion ins Stammbuch geschrieben: „Das Reich der Freiheit beginnt erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört.“ Die sich merkwürdigerweise immer wieder auf Marx berufende Arbeiterbewegung hat die Vernutzung der Arbeitskräfte zum Zwecke der Verwertung des Kapitals hingegen zur anbetungswürdigen Selbstverwirklichung geadelt. Das proletarische Schaffen sei gut, und der eigentliche Skandal des Kapitalismus bestünde darin, nicht jedem Menschen einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Ob Sozialdemokraten oder Bolschewisten, ob christliche Soziallehre oder faschistischer Produktivitätswahn, ob Leninisten oder Strache-Fans – sie alle konnten und können sich für die elende Parole „Die Arbeit hoch“ begeistern. Anstatt sich an Paul Lafargue, den Schwiegersohn von Marx zu erinnern, der das „Recht auf Faulheit“ hochhielt, soll es ein „Recht auf Arbeit“ sein, für das am 1. Mai gestritten wird. “ (Stephan Grigat – „Die Arbeit nieder!„)

»Mein Bauch gehört mir!« Von Anna Frost

„Die gesellschaftlichen und medialen Bilder von dicken Menschen sind vielfältig und umfassen zahlreiche negative Attribute wie träge, gierig, zügellos, unmoralisch, unkontrolliert, dumm, hässlich, willensschwach und gehen nicht selten auch mit der Diskriminierung sozial schlechter gestellter Personen einher. Hierbei kann unterschieden werden zwischen der Darstellung von Körperformen, die lediglich als »nicht attraktiv« gelten, und solchen, die auf Grund einer offensichtlichen Abweichung von der Norm als abstoßend und ekelerregend angesehen werden. Medial gelten Personen in der Regel als dick, sobald ihr Körperfettanteil – vor allem an Bauch und Taille – merklich ins Auge springt. Durch das zu Rate ziehen der jeweiligen Konfektionsgröße wird dann näher eingegrenzt, ob eine Person, meist weiblich, als dick kategorisiert werden kann. Meist geschieht das ab Größe 40/42.

Die Stereotype, die dicke Menschen (be)treffen, und die damit verbundene Stigmatisierung sind so allgegenwärtig, dass nahezu täglich im Fernsehen Menschen bei der Selbstoptimierung qua Körper zugesehen werden kann. Es gibt zahlreiche Sendungen, die sich mit dem Makel »dick sein« beschäftigen. Diese reichen von subtiler Reproduktion der Gleichung »arm = faul = dick = ›anormal‹« in sogenannten Docutainment -Formaten im Nachmittagsprogramm über den Konkurrenzkampf im Abnehm-Camp bis hin zur Selbstoptimierung in sogenannten make over-Sendungen. Diese Fernsehsendungen dienen sowohl als Instrument des Vergleichs und der Abgrenzung als auch als Identifikationsfläche. Die Tatsache, dass die Protagonist_innen solcher Sendungen sozusagen »an den Pranger« gestellt werden, führt zu einer Identifizierung ihres Verhaltens als falsch und deviant von der Norm, wogegen sich die Zuschauer_innen abgrenzen können. In einem Folgeschritt kann so die eigene Identität aufgewertet werden – schließlich ist man selbst, zumindest im Moment, nicht Zielscheibe der Kritik. Einsichtige Protagonist_innen, die ihr »Fehlverhalten« zugeben und bemüht sind, etwas dagegen zu unternehmen, zum Beispiel eine Diät befolgen, können als Identifikationsfläche fungieren. Ihre Anstrengungen und ihr Leid sind für die Zuschauer_innen nachvollziehbar. Das Mitempfinden ihnen gegenüber wird durch ihre Bemühungen, sich einer Körpernorm anzunähern, legitimiert. Sendungen dieser Art sind eingebettet in das Herrschaftsverhältnis »richtiger« und »falscher« Körper, dessen Trennung sich entlang einer Demarkationslinie von sozial verankerten Körperbildern vollzieht. […] Die vielfältigen, auf Expertenwissen aufbauenden body-regimes der Gegenwart sind institutionalisierte Verhaltensprogramme, wie zum Beispiel Fitness-, Ernährungs- oder Gesundheitskultur, aber auch das Feld der plastischen Chirurgie, die auf die Disziplinierung und Normierung der Körper abzielen. Entlang zahlreicher Körpertechniken ergibt sich eine Achse der Unterscheidung in »gut« und »schlecht«. Es gibt kaum Raum für abweichende Körperbilder jenseits der Binarität von schön und hässlich, perfekt und verworfen, dünn und dick, die durch die Körpernormierung produziert wird. Es gilt, den medial inszenierten »perfekten Körper« um jeden Preis nachzuahmen. Das so internalisierte Bild des eigenen Körpers in Abgrenzung zu einem unerreichbaren Ideal wird durch die enge diskursive Verknüpfung desselben mit Persönlichkeitsaspekten zum Selbstbild des Individuums und die eigene Persönlichkeit im Folgeschluss genauso Zielscheibe unablässiger Kritik und Verbesserungswillen. “ (Weiterlesen: Phase 2)

Einführung in den Fetischbegriff der Marxschen Theorie – Ein Vortrag von Hendrik Wallat

„Der Begriff des Fetischismus gehört zu den schillerndsten Termini der kritischen Theorie von Karl Marx. Gegenüber dem traditionellen Marxismus, dessen zentrale theoretische und praktische Bezugspunkte Ausbeutung, Proletariat und Klassenherrschaft waren, stellen jüngere Aneignungen der Marxschen Theorie — zu Recht — häufig die herrschafts- und erkenntniskritische Dimension der Marxschen Fetischanalyse heraus. Der Marxsche Fetischbegriff verliert durch seine Universalisierung zum Schlagwort allerdings leicht seinen spezifischen (ökonomiekritischen) Bedeutungsgehalt. Zuspitzend ließe sich sagen, dass die Fetischvergessenheit sich zu einer Fetischversessenheit gewandelt hat.“ (Quelle & MP3: http://audioarchiv.blogsport.de/2012/11/13/intros-zu-verschwoerungstheorien-nationalen-befreiungsbewegungen-und-dem-fetischbegriff-bei-marx/ )

Kapitalismus in der Krise – Ein Plädoyer von Winfried Wolf für eine Revolte

„Winfried Wolf zeigt uns die vielen Erscheinungsformen der Krise: Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise, Hungerkatastrophe im Süden, Lohnabbau und Verarmung in den Zentren, Umwelt- und Klimakatastrophe, erschöpfte Ressourcen und Ölkrise, Demokratieabbau, Zerfall der US-Hegemonie und neuer Kampf um Vorherrschaft, Aufrüstung und Kriegsgefahr …
Winfried Wolf geht der Frage nach: Ist der Kapitalismus und das ihn bestimmende Profitprinzip am Ende?

Aus der Analyse der Krise ergibt sich für Winfried Wolf die Notwendigkeit der Umwälzung der bestehenden kapitalistischen Verhältnisse und die Verwirklichung einer Gesellschaft, in der anstelle von Gier, Zerstörung und Profit die Natur, der Mensch und die Solidarität im Zentrum stehen.

– Wo das verwirklicht werden soll? Weltweit!
– Wann das geschehen soll? Umgehend!
– Von wem das zu bewerkstelligen ist? Von einem breiten Bündnis der Arbeitenden, der Arbeitslosen und der Ausgegrenzten!

*Dr. Winfried Wolf ist Herausgeber von Lunapark21. Veröffentlichungen u.a.: „Sieben Krisen — ein Crash“, „Verkehr — Umwelt — Klima. Die Globalisierung des Tempowahns“" (MP3 & Quelle: http://www.kapitalismus-in-der-krise.de/index.php/veranstaltungen/wolf-va )

Deutschland ist Scheisse – Warum? – Zur Kritik der Nation – Ein Vortrag von Stephan Grigat

„Im Vortrag soll es nicht nur um eine Kritik des Nationalismus als unumwundener Identifikation mit dem je eigenen Staat gehen. Stephan Grigat wird vor allem zeigen, dass neben Antisemitismus und Rassismus als Basisideologien nationaler Vergesellschaftung, vor allem die Nation als konkreter Fetisch selbst Gegenstand der Kritik sein muss. Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter am Wiener Institut für Politikwissenschaft, arbeitet als Freier Autor, ist Mitinitiator der Kampagne „Stop the Bomb“ gegen das Iranische Atomprogramm und Mitherausgeber des Buches „Der Iran — Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“.“ (Quelle & MP3: http://audioarchiv.blogsport.de/2009/05/26/kritik-der-nation/ )