Archiv der Kategorie 'Bildung'

Aufstand der Angepassten

„Uni­ver­si­tä­ten die­nen seit jeher der Kon­di­tio­nie­rung für Staat und Arbeits­markt. Die juris­ti­schen Fakul­tä­ten lie­fern treue Staats­die­ner, die auch als Rechts­an­wälte noch im Sinn des staat­li­chen Inter­es­ses auf­tre­ten. In den wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Klit­schen den­ken Kopf­lan­ger über die Effek­ti­vie­rung der Pro­duk­tion, sprich: die bes­sere Aus­beu­tung der Arbeits­kraft nach. Und die geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tä­ten haben den Job über­nom­men, den frü­her die Theo­lo­gie hatte: Sie stel­len das ideo­lo­gi­sche Rüst­zeug der gan­zen Ver­an­stal­tung und begrün­den, warum es rich­tig und wich­tig sei, alle vier Jahre sein Kreuz auf dem Wahl­zet­tel zu machen, sich ehren­amt­lich zu enga­gie­ren, bis zum 67. Lebens­jahr zu schuf­ten und sich jeden Mor­gen für den Gang in die Wer­be­agen­tur oder den Taxi­stand – die zen­tra­len pro­spek­ti­ven Tätig­keits­fel­der der Geis­tes­wis­sen­schaft­ler unter Euch – zu dis­zi­pli­nie­ren. “ ( Aus: „Aufstand der Angepassten“ | Weiterlesen bei „No Tears for Krauts„)

Prof. Huisken über unser Bildungssystem

„Die Bildungspolitik muss drei Kriterien unter einen Hut bringen: ein marktpolitisches, ein standortpolitisches und ein finanzpolitisches. D.h. keine Reform nimmt Maß an Wünschen von Schülern und deren Eltern. Jede Reform des Bildungswesens nimmt vielmehr Maß an rein nationalen Gesichtspunkten, also an der differenzierten Nachfrage nach Ausgebildeten auf dem Arbeitsmarkt, berücksichtigt dabei die Entwicklung des Bildungswesens konkurrierender Nationalstaaten und weiß sich den Finanzminister im Rücken, der darauf drängt, dass die Reform “finanzierbar” bleibt. Dabei können sich diese Kriterien ergänzen, aber durchaus auch mal in die Quere kommen. Wenn der Beschluss steht, dass “wir” mehr Abiturienten brauchen, um in Europa hinsichtlich der Ressource “geistiges Kapital” nicht in Rückstand zu geraten, dann braucht es mehr Gymnasien nebst ihrer sachlichen und personellen Ausstattung. Gespart wird dann z.B. daran, dass die Schüler-Lehrerquote erhöht wird, Lehrer nur als Angestellte bezahlt werden oder Geld für Schulmaterial verlangt wird. Beschließt die Politik, wegen des schlechten internationalen Abschneidens im PISA-Vergleich von Schülern mehr Leistung zu verlangen, dann verkürzt sie z.B. die Ausbildungsgänge, fängt mit der Verschulung früher an und packt mehr Stoff in kürzere Zeit – was dann zugleich ein Beitrag zum Sparprogrammsein kann. Weitere bildungsinterne Stellschrauben sind die Festlegung von Übergangsquoten, die Zusammenlegung von Schulen, der Numerus Clausus, Verschärfung von Prüfungen, Fördermaßnahmen bzw. deren Beendigung usw. So benutzen die Bildungspolitiker aller Bundesländer das gesamte Bildungswesen, um mit seinem permanenten Umbau dafür zu sorgen, das mit dem sortierten Nachwuchs möglichst passend all jene ökonomischen und politischen Einrichtungen bedient werden, mit denen Deutschland sein Wachstum voranbringen und sich in der Welt behaupten will.“ (Freerk Huisken über unser Bildungssystem / Quelle: Was die Schule alles leistet – Publikumsbeschimpfung)

Wissenschaft als Waffe in der Standortkonkurrenz – Ein Vortrag von Prof. Huisken

„Die BILD titelte nach der Papstwahl „Wir sind Papst“. Die Bremer Uni schmückte sich nach ihrer Erhebung zur Exzellenz-Uni „Wir sind Exzellenz“. Der Stolz ist unverkennbar. Als eine von elf ausgezeichneten Unis, als „die einzige im Norden“ darf sie sich mit diesem Titel „Exzellenz-Uni“ schmücken. Dass gleich die gesamte Universität, ja die halbe Stadt in den Stolz einbezogen ist – „Wir“ –, wird so weit neben der Sache nicht liegen. Ausfallstraßen waren mit Plakaten über diesen neuen Ruhm gepflastert. Der Weser-Kurier und buten&binnen kriegten sich auch kaum ein. Rektor Müller sah sein Lebenswerk gekrönt: Von der ausgegrenzten Roten Kaderschmiede hat es die Uni schließlich unter seiner Leitung zum Leuchtturm im nationalen Wissenschaftsbetrieb gebracht. *

Grund genug, der Frage nachzugehen, worauf die Uni, die PISA-gebeutelte Landesregierung, die Stadt und viel zu viele ihrer Bürger da eigentlich stolz sind. Was hat es mit dem Umbau des deutschen Wissenschaftsbetriebs auf sich, der „Leuchttürme“ der Spitzenforschung fördert? Ist das nicht Spitze? Gehört sich das nicht für eine „Wissensgesellschaft“? Wer sollte etwas gegen Forschungsförderung haben? Wer etwas gegen exzellente Geistesleistungen? Darf man da noch fragen: welche Geistesleistungen eigentlich?“ (Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/#435 )

Chinas Denkfabriken: Wie Schulstress Emanzipation verhindert

„Kann man in China das Lernen lernen? Oder ist die Chinesische Bildung die Art Bildung, die wir vermeiden sollen? Eine Utopie oder eine Anti-Utopie? Die Regisseurin Marije Meerman filmt in „I Wanna Be Boss“ die beste Schule in Chongqing, weil für sie war sehr interessant mit dem Film rauszufinden, was junge Chinesen über die Welt, über Arbeit und über Ihre Familien denken. In ihren Buch „Die Mutter des Erfolgs“ kritisiert US- Amerikanerin Amy Chua die westliche Neigung, Kinder zu wenig zuzutrauen, außerdem fehlende Disziplin und Fleiß. Es bewegt sie ihre Kinder „auf chinesisch“ zu erziehen. Das Buch wurde zum Bestseller: Platz vier auf der weltweiten „Amazon“-Liste. Haben die Amerikaner und die Werts-Europäer etwa auch Angst, dass ihre Kinder verblöden oder Angst vor der Chinesischen Konkurrenz? Gibt es übehaupt ein chinesischen Bildungsystem? Dies bezweifelt die junge chinesische Schriftstellerin Jun Lin. Am Ende bleiben nicht alle Fragen beantwortet, sicher ist aber, dass wir durch dieser Auseinandersetzung mit dem Thema auch etwas über das Europäisches Bildungsystem nachdenken können. Ein Feature der Reihe „China? Hingehört!“ von Radio Dreyeckland und dem informationszentrum 3. welt.“ (Quelle & MP3: http://freie-radios.net/43044 )

Wieso, weshalb, warum macht die Schule dumm?


Prof. Freerk Huisken analysiert das auf Konkurrenz und Konditionierung abzielende Schulsystem. (Quelle: Freie Radios)