Archiv der Kategorie 'Armut'

Armut in Deutschland & was Regierung & Forschung daraus macht – Vortrag von Dr. Martin & Dr. Decker

„Verschwiegen wird nichts in der Demokratie. Wie es zugeht in diesem reichen Land, steht sauber aufgelistet im periodischen „Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“. Da kann man lesen, dass wieder einmal die Reichen reicher und die Armen ärmer geworden sind. Wie viele Menschen für 8,50 Euro und wie viele für nur 6 Euro pro Stunde arbeiten und ihren Lohn für die volle Arbeitswoche vom Staat auf das Hartz-IV-Niveau aufstocken lassen müssen. Wie viele Kinder verwahrlosen, Heranwachsende ausrasten, Alte verkommen und so weiter. Die Kunst und die zynische Stärke der demokratischen Meinungsbildung besteht darin, dass sich diese Ordnung an empörenden Fakten gar nicht mehr blamieren kann, weil sie die Bürger und die von Armut Betroffenen mit hineinzieht in die „richtige“, konstruktive Weise, über den systemgemäßen Ausschluss viel er vom vorhandenen Reichtum nachzudenken.

Auf mehreren hundert Seiten, tatsächlich aber in wenigen Schritten schafft es der Armutsbericht der Regierung, den Berichtsgegenstand von einem Faktum in eine Frage der Definition zu verwandeln, die man so oder so vornehmen kann. Im nächsten Schritt wird Armut zum Armutsrisiko verniedlicht, zu einem Umstand also, bei dem es vor allem darauf ankommt, dass und wie gut ein Mensch damit umgehen kann. In einem dritten Schritt wird Armut zum Problem erklärt, ob und wie man aus ihr wieder herauskommt. Sie selbst ist damit abgehakt, kritikwürdig ist jetzt nur mehr ihre Verfestigung über die Generationen. Theoretisch gesehen ist jeder dieser Schritte ein Fehler, menschlich gesehen eine Schweinerei. Mit beidem befassen sich Vortrag und Diskussion.“

(Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#436 // Text: http://doku.argudiss.de/data/12_12/armutsbericht_nbg_1212_ank.pdf )

Mehr als 300 Tote bei Fabrikeinsturz: Hilft Fairtrade dagegen? – Vortrag von Dr. Schweikert

Kürzlich kam es wegen mieser Bedingungen zum Tod etlicher Lohnarbeiter in Bangladesh. Derartige Katastrophen sind keine Einzelfälle. Erst Ende 2012 brannte eine Textilfabrik in Bangladesh. Die Kundschaft stammt aus Europa und ist entsprechend erschrocken über die dortigen Arbeitsbedingungen. Es gilt die Vorstellungen, dass Fairtrade die Lohnabhängigen in derart armen Ländern schützen kann. Entspricht dies aber der Wirklichkeit? Wie sehen die Hintergründe dieser negativen Arbeitsbedingungen aus und warum verändert sich nichts wesentliches daran?
(Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#450 / Ankündigungstext: http://doku.argudiss.de/data/13_01/fairtrade_nbg_0113_ank.pdf )

Marx: Akkumulation von Reichtum & Elend

„Das Gesetz endlich, welches die relative Übervölkerung oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Akkumulation in Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert.“(Karl Marx, – Das Kapital, MEW Band 23, S. 675)

Arbeitslos: Ein Bericht samt Kritik

„[…] Wer als Lohnarbeitsloser und von Arbeitslosengeld abhängiger Mensch nicht fleißig genug Bewerbungen schreibt, Termine verpennt, angeordnete Maßnahmen verweigert (1Euro-Jobs, Bewerbungstrainings, unbezahlte Praktika, Werbeveranstaltungen von Zeitarbeitsfirmen etc.) oder sich ansonsten unwillig zeigt, jeden Blödsinn mitzumachen und jeden Drecksjob anzunehmen, um aus der Arbeitslosenstatistik herauszukommen, und lieber seine Zeit mit etwas ihm oder ihr sinnvoller Erscheinendem verbringt, fällt unter den Sanktionskatalog der “Mitwirkungspflicht”. 15% Kürzung der Bezüge, 30% Kürzung der Bezüge, 45% Kürzung der Bezüge und zuletzt Ernährungsgutscheine. Die konsequente oder nichtkonsequente Anwendung dieser Strafmaßnahmen obliegt dem “PAP” (Persönlicher Ansprechpartner), dem Sachbearbeiter. Die damit notwendig einhergehende Willkür ist eine gewollte Vervollkommnung der repressiven Atmosphäre, die auf dem Arbeitsamt vorherrscht. Die Androhung einer Kürzung brachte mich ebenfalls zum erwähnten Frankfurter “Arbeitsmarktdienstleister”. Für drei Monate sollte ich zweimal wöchentlich in dessen Büro antanzen, um mich vermitteln zu lassen. […]

Das allgemeine Elend der kapitalistischen Produktionsweise, das es einem zum bloßen Arbeitskraftbehälter degradierten Menschen sukzessive verunmöglicht, weiterzumachen wie bisher, ohne dabei ernsthaften psychischen und physischen Schaden in Kauf nehmen zu müssen, wird in ein persönliches, von jedem selbst zu lösendes Problem der richtigen Lebensführung umgedeutet […] Findest du keinen Job, weil auf dem Arbeitsmarkt deine Arbeitskraft nicht benötigt wird, bist du selber schuld. Drücke erneut die Schulbank, bilde dich weiter, nimm ab, lebe gesund, sei immer freundlich, friß Dreck und nenne es ein Festmahl… Kurz: Recke, strecke, strebe und geissel dich, rede den Leuten nach dem Mund, tritt nach unten, buckel nach oben, räume die Konkurrenz aus dem Weg, schreibe Bewerbungen und ertrage jede Ablehnung,… aber denke bloß nicht darüber nach und thematisiere auf keinem Fall den Umstand, dass die eigene, ausschließlich an den Verwertungsbedürfnissen des Kapitals gemessene, objektive Überflüssigkeit, die sich tagtäglich schmerzhaft ins Bewusstsein drängt, etwas mit dem menschenfeindlichen Charakter der gesellschaftlichen Verhältnisse und der zugrunde liegenden kapitalistischen Produktionsweise zu tun hat. Schwindel nicht bloß, glaube an den Schwindel!“ (Weiterlesen & Quelle: http://dasgrossethier.wordpress.com/2012/10/13/keiner-kommt-hier-lebend-raus/ )

Alle Jahre wieder.. erfrieren Menschen: Flugblatt zur Obdachlosigkeit

„An Reichtum mangelt es in dieser Gesellschaft wahrlich nicht: die Schaufenster sind voll. Vom Glühwein und Lebkuchen über Maschinen zur Autoproduktion bis zum Baukran und Bagger ist alles da. Gleichzeitig schlafen täglich Leute auf der Straße– und erfrieren dort auch regelmäßig. Wie kann es sein, dass in einer Welt in der es riesigen Reichtum gibt, Leute überhaupt auf der Straße schlafen müssen? […] Obdachlose schlafen auf der Straße, weil sie – durch das vom Staat garantierte Eigentum – ganz grundsätzlich von allem ausgeschlossen sind, was sie so zum Leben brauchen, auch von Wohnungen. Drankommen und diesen Ausschluss überwinden kann nur, wer das Geschäftsinteresse des Eigentümers, d.h. des Vermieters, bedient. Ein Bedürfnis gilt in der sozialen Marktwirtschaft nichts, hat man das nötige Geld dazu nicht in der Tasche. Erst muss die Miete und die Kaution gezahlt und noch nachgewiesen werden, dass man auch in Zukunft die Miete zahlen kann. Und die Bude, in die die Möbel dann kommen, sieht auch entsprechend aus: Renovieren kostet, und gerade für ärmere Mieter lohnt das nicht.“ (Weiterlesen & Quelle: http://arbeitskreisaufloesen.blogsport.eu/2012/12/21/obdach/ )