Archiv der Kategorie 'Arbeit'

Kritik an der Arbeit

„Es geht nicht darum, die Kritik an der Arbeit als Ausrede zu verwenden, sich den Anforderungen eines mündigen – und das heißt immer auch: widerspruchsvollen und mitunter ausgesprochen anstrengenden – Lebens zu verweigern und sich in der Wiederholung des Immergleichen einigermaßen bequem, aber völlig stupide so einzurichten, wie man das in gewissen Segmenten der Linken praktiziert.

Anzustreben wäre vielmehr, den doch offenbar in nahezu jedem Menschen schlummernden Tatendrang, die Kreativität und das Bedürfnis nach ästhetischer Äußerung, die Lust an der Gestaltung des eigenen Lebens und den Wunsch nach größtmöglichem und ausdifferenziertem Genuß vom ökonomischen Verwertungszwang und von politischer Bevormundung zu befreien und gesellschaftliche Bedingungen zu schaffen, die eine Art produktiven Müßiggang überhaupt erst ermöglichen würden. Gelänge dies, würde, wie es in den Minima Moralia heißt, die Menschheit wohl auch “aus Freiheit Möglichkeiten ungenutzt” lassen, “anstatt unter irrem Zwang auf fremde Sterne einzustürmen” (Stephan Grigat – Schluß mit unlustig! in: konkret, 5/2014, S. 21)

Die Arbeit nieder! – Stephan Grigat

„Arbeit macht krank, Arbeit schändet, Arbeit ist Mühsal und macht hässlich. Karl Marx wusste das und hat allen Kritikern gesellschaftlicher Elendsproduktion ins Stammbuch geschrieben: „Das Reich der Freiheit beginnt erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört.“ Die sich merkwürdigerweise immer wieder auf Marx berufende Arbeiterbewegung hat die Vernutzung der Arbeitskräfte zum Zwecke der Verwertung des Kapitals hingegen zur anbetungswürdigen Selbstverwirklichung geadelt. Das proletarische Schaffen sei gut, und der eigentliche Skandal des Kapitalismus bestünde darin, nicht jedem Menschen einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Ob Sozialdemokraten oder Bolschewisten, ob christliche Soziallehre oder faschistischer Produktivitätswahn, ob Leninisten oder Strache-Fans – sie alle konnten und können sich für die elende Parole „Die Arbeit hoch“ begeistern. Anstatt sich an Paul Lafargue, den Schwiegersohn von Marx zu erinnern, der das „Recht auf Faulheit“ hochhielt, soll es ein „Recht auf Arbeit“ sein, für das am 1. Mai gestritten wird. “ (Stephan Grigat – „Die Arbeit nieder!„)

Die suspendierte Gattung

„Nicht die Menschen sind die authentischen Autoren ihres Lebens, Würde und Bürde der Subjektivität erfährt das Individuum nur durch die autoritär-repressive Vergleichung durch das Dritte von Kapital und Staat hindurch: indem es die Arbeitskraft gegenüber seiner Individualität objektiviert und sie als die ihm einzig eigene Ware vermarktet; indem es also seine Bedürfnisse in die Wertform transkribiert, sich als treuer Hirte der Ware Arbeitskraft verhält und vom politischen Souverän zur Konkurrenz domestiziert wird. Wie die konkret so verschiedenen Dinge des Lebens zur Ware synthetisiert werden, so die Menschen zur Gattung der Warenbrüter. Das Kapital ist es, das vom Sinnlichen der Menschen abstrahiert, in der Vergleichung vom Individuellen an ihnen absieht und sie als fungible Exemplare der kapitalisierten Gattung konstituiert. Mit allen anderen – als Rechtssubjekte – gleich, also lebende Äquivalente zu den Nächsten zu sein, aber zugleich durch alle anderen – als Marktsubjekte oder: Konkurrenten – verüberflüssigt zu werden, ist das Verhängnis der Individuen als kapitalkonstituierte Subjekte. Die kapitalisierte Sozietät, so Horkheimer und Adorno, „ist beherrscht vom Äquivalent. Sie macht Ungleichnamiges komparabel, indem sie es auf abstrakte Größen reduziert.“ (2) Sie denunziert als Schein, „was in Zahlen, zuletzt in der Eins, nicht aufgeht“. Das kapitalkonstituierte Subjekt aber geht nicht nur in der Eins auf, es ist in der Konkurrenz null und nichtig, absolut fungibel, das heißt: nicht individuell, sondern der Gattung nach bestimmt; es kann also durch andere Exemplare gleicher Gattung und derselben Menge in jedem Moment ersetzt werden.“ (Quelle & Weiterlesen bei: Cosmoproletarian Solidarity | Die suspendierte Gattung – zur Kritik des europäischen Migrationsregimes)

Proletarier aller Länder hört auf! – Ein Interview mit Ernst Lohoff über Lohnarbeit

„Zu den schärfsten GegnerInnen der Arbeit gehört die Gruppe Krisis. SIe hält sich nicht lange damit auf, bessere oder besser bezahlte Arbeit zu fordern, sondern forderte 1999 in ihrem Manifest gegen die Arbeit nichts Geringeres als die Abschaffung der Arbeit. Über Leistungsideologie und die Gründe der Arbeitsvergötterung in der kapitalistischen Gesellschaft sprach Michael Liebler mit dem Philosophen Wert- und Arbeitskritiker Ernst Lohoff.“ (Text, Quelle & MP3: http://freie-radios.net/55730 )

Anmerkung: Nicht „erstaunlicherweise“, wie der Interviewer im ersten Atemzug meint, sondern notwendigerweise muss Lohnarbeit kritisiert und abgeschafft werden!

Das Joch der Arbeit & dessen Historie – Ein Interview mit Ingrid Artus

„Wie es zu dem heutigen fast durchgängig positiven Bild der Arbeit kommen konnte, welchen verheerenden Einfluß die Leistungsideologie auf Menschen hat, darüber unterhielt sich Michael Liebler mit Klärwerk-Redakteurin Ingrid Artus, die an der Erlanger Hochschule Soziologie lehrt.“ (Text, Quelle & MP3: http://freie-radios.net/55729 )