Subjekt ist Knecht

»Das Subjekt ist Knecht des Kapitalverhältnisses und es darf vermutet werden, daß kein subjektiver Faktor, außer der Strafe des Untergangs bei Unterlassung zu entgehen, das Handeln bestimmt: der „Gleichklang äußeren Zwanges und innerer Zwanghaftigkeit“ (Krug, 2002, S. 54) ist die Folge und die gleichzeitige Voraussetzung des falschen Ganzen, dessen Konsequenz die Krisenverwaltung des Volksstaates ist.

„Die gesellschaftliche Erfahrung eines vom unbestimmt-grausigen Außen bestimmten Schicksals, über das man als Individuum kaum etwas mehr vermag, verbindet sich mit der besinnungslosen Selbstpreisgabe an eine übergestellte Autorität, dem Staat“ (ebd., S. 54); aus ehemals sozialrevolutionären Anliegen wird eine „autoritär-antiemanzipatorische Massenbewegung“ (ebd., S. 54). Dies ist der „unheilvolle Gleichklang individueller Entdifferenzierung und gesellschaftlicher Regression“, die „totale Mobilmachung der Überflüssigen“ (ebd., S.54) mit dem ticket des Antisemitismus.

Damit einher gehen Prozesse, die mit dem Stichwort der pathischen Projektion – also „die Übertragung gesellschaftlich tabuierter Regungen des Subjekts auf das Objekt“ (Horkheimer/Adorno, 2001, S. 201) – verbunden sind.
Was sich die Subjekte insgeheim ersehnen, gerät unter den Verhältnissen zum Verhaßten und dieser „Haß führt zur Vereinigung mit dem Objekt, in der Zerstörung“ (ebd., S. 209). Dies bedeutet letztlich den Sieg des archaischen über das sich selbst bewußte Individuum und das, was man gemeinhin als den Gebrauchswert des Kapitals umschreibt. Führer und Geführte bilden im Volksstaat (Enderwitz) eine emergente Einheit: allesamt „konformierende Asoziale“ (ebd., S. 208)« (Aus: „Das Subjekt im Spätkapitalismus“ von Mario Möller – Weiterlesen: http://www.conne-island.de/nf/98/23.html)