Der autoritäre Charakter

„Die einzelnen Charaktermerkmale, die der Studie zufolge für faschistische Ideologien anfällig machen, verdichten sich in den neun Variablen der F-Skala: Die autoritäre Persönlichkeit ist demnach gekennzeichnet durch einen Konventionalismus, der rigide an den herkömmlichen Werten der Mittelklasse festhält; durch eine autoritäre Unterwürfigkeit, in der sich eine servile und unkritische Haltung gegenüber idealisierten moralischen Autoritäten der Eigengruppe ausdrückt; durch eine autoritäre Aggressivität in Form einer strafwütigen Suche nach Menschen, die konventionelle Werte verletzen; durch eine Haltung der Anti-Intrazeption, mit der eine Gegnerschaft zu allem Subjektiven, Phantasievollen und Sensiblen einhergeht; durch Aberglaube und Stereotypie, d. h. durch den Glauben an mystische Determinanten des individuellen Schicksals und die Disposition, in starren Kategorien zu denken; durch eine Wahrnehmung in Dimensionen von Dominanz und Unterwerfung, die eine übertriebene Zurschaustellung von Macht, Stärke und ‚Toughness‘ nach sich zieht; durch eine Destruktivität, die eine generalisierte Feindseligkeit vor sich her trägt, und einen Zynismus, der alles Menschliche verunglimpft; durch eine Projektivität, die unbewusste Impulse nach außen wendet und mit der Vorstellung verbindet, überall in der Welt gingen wilde und gefährliche Dinge vor sich; und schließlich durch eine übertriebene Fixiertheit auf sexuelle Handlungen in Verbindung mit der Bereitschaft, diese zu inkriminieren.“ (Ferdinand Sutterlüty: „Studien zum autoritäten Charakter“ – „Schlüsseltexte der Kritischen Theorie“ – Seite 104 – herausgegeben vom Institut für Sozialforschung – Axel Honneth)