Archiv für September 2013

Die unmögliche Produktionsweise

„Nicht nur, daß nicht einzusehen ist, warum die sinnlich so verschiedenen und unvergleichlichen Dinge des Lebens überhaupt unter den gesellschaftlich einheitlichen Charakter der Ware gezwungen werden können, nicht nur, daß zudem nicht zu verstehen ist, daß dieser ihr eigener gesellschaftlicher Charakter zur Sache wird und in der dinglichen Gestalt des Geldes ihnen direkt sich konfrontiert, nicht nur, daß schließlich nicht zu begreifen ist, warum diese dingliche Gestalt den nützlichen Dingen keineswegs gewalttätig und als von außen zugefügte Entfremdung entgegentritt, sondern ihnen vielmehr selbst als die Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz als eben sinnlicher Dinge so nachhaltig innewohnt, daß sie diese in ihrer dinglichen Natürlichkeit nachgerade konstituiert – nein: nicht allein, daß die Abstraktion von den Dingen selbst als sinnliches Ding, als Geld, und damit als gesellschaftliche, als Realabstraktion auftritt, nicht allein, daß überdies diese Abstraktion darin ihr eigenes Leben hat, daß sie sich durch die zu Gebrauchswerten geformten Dinge hindurch immer nur auf sich selbst bezieht, nein: als genügte all dies noch nicht, um den Kapitalismus als eine logisch unmögliche, praktisch jedoch wirkliche Organisationsweise menschlicher Produktion und Reproduktion dem Erkenntnisvermögen definitiv zu entziehen, setzt sich diese Realabstraktion derart in einen autistischen Bezug zu sich selbst, daß sie darüber – als Kapital – autark und, wie Karl Marx 1867 stöhnte, als “automatisches, in sich selbst prozessierendes Subjekt“ von ihren historischen Voraussetzungen sich emanzipiert. “ (Weiterlesen: http://www.isf-freiburg.org/verlag/leseproben/isf-konzept.materialismus_lp-konzept.materialismus.html )

Alle sind willkommen

Tausende flüchten, ersaufen vor Europas Küsten oder vegetieren und sterben in Lagersystemen. Sie sind lediglich Objekte und Bedrohung, statt Subjekte und Bereicherung. Jene die den Horrortrip durch Stacheldraht und Kontrollen überstanden haben erhalten vom Staat zuviel zum Sterben und zuwenig zum Leben. Das ist beabsichtigt und das ist inakzeptabel!

Am 03.09.2013 versammelten sich ein paar hundert Leute in der Münchner Innenstadt um sich solidarisch mit jenen Staatenlosen zu erklären. Für einen kurzen Moment wurde der Normalbetrieb für eben jene Non-Citizens unterbrochen, denen man sonst lieber das Leben und die Beine bricht. Wir können über alles streiten, aber in diesem Punkt dürfte Einigkeit herrschen: Jeder Mensch soll frei von Hunger, Repression und Perspektivlosigkeit sein.

Ja, diese Demonstration hat keine Revolution ausgelöst. Wie auch, wenn Millionen Menschen dem Zauber falscher Verhältnisse erliegen. Aber sie gab jenen Hoffnungslosen eine geringe Hoffnung, dass sie hierzulande einmal willkommen sein und leben könnten wie wir Europäer. Besser so als das was in Rostock-Lichtenhagen geschah und sich in Hellersdorf zu formieren scheint! Besser Bürger Europas als zu hungern und eingesperrt zu sein!

Ihrem Wunsch nach Leben sollte Unterstützung folgen und nicht Glotzerei oder Lamentiererei. Es geht um konkrete Aktivität und das Einstehen für die Bedürfnisse jener denen man aus ökonomischen Kalkülen nichts zubilligen will. Jenen Verhältnissen, die dem entgegenstehen muss Einhalt geboten werden, über die Herangehensweise werden wir weiter streiten, aber auch deren alltägliche Opfer müssen unmittelbar geschützt und unterstützt werden!

Insofern gilt was die streikenden Non-Citizens, fordern:

Die bedingungslose Anerkennung unserer Asylanträge

Stopp aller Abschiebungen

Abschaffung der Residenzpflicht

Schließung aller Asylsuchenden-Lager

(Mehr auf: http://refugeestruggle.org/de )