Prof. Huisken über unser Bildungssystem

„Die Bildungspolitik muss drei Kriterien unter einen Hut bringen: ein marktpolitisches, ein standortpolitisches und ein finanzpolitisches. D.h. keine Reform nimmt Maß an Wünschen von Schülern und deren Eltern. Jede Reform des Bildungswesens nimmt vielmehr Maß an rein nationalen Gesichtspunkten, also an der differenzierten Nachfrage nach Ausgebildeten auf dem Arbeitsmarkt, berücksichtigt dabei die Entwicklung des Bildungswesens konkurrierender Nationalstaaten und weiß sich den Finanzminister im Rücken, der darauf drängt, dass die Reform “finanzierbar” bleibt. Dabei können sich diese Kriterien ergänzen, aber durchaus auch mal in die Quere kommen. Wenn der Beschluss steht, dass “wir” mehr Abiturienten brauchen, um in Europa hinsichtlich der Ressource “geistiges Kapital” nicht in Rückstand zu geraten, dann braucht es mehr Gymnasien nebst ihrer sachlichen und personellen Ausstattung. Gespart wird dann z.B. daran, dass die Schüler-Lehrerquote erhöht wird, Lehrer nur als Angestellte bezahlt werden oder Geld für Schulmaterial verlangt wird. Beschließt die Politik, wegen des schlechten internationalen Abschneidens im PISA-Vergleich von Schülern mehr Leistung zu verlangen, dann verkürzt sie z.B. die Ausbildungsgänge, fängt mit der Verschulung früher an und packt mehr Stoff in kürzere Zeit – was dann zugleich ein Beitrag zum Sparprogrammsein kann. Weitere bildungsinterne Stellschrauben sind die Festlegung von Übergangsquoten, die Zusammenlegung von Schulen, der Numerus Clausus, Verschärfung von Prüfungen, Fördermaßnahmen bzw. deren Beendigung usw. So benutzen die Bildungspolitiker aller Bundesländer das gesamte Bildungswesen, um mit seinem permanenten Umbau dafür zu sorgen, das mit dem sortierten Nachwuchs möglichst passend all jene ökonomischen und politischen Einrichtungen bedient werden, mit denen Deutschland sein Wachstum voranbringen und sich in der Welt behaupten will.“ (Freerk Huisken über unser Bildungssystem / Quelle: Was die Schule alles leistet – Publikumsbeschimpfung)