Archiv für Februar 2013

Bekenntnisse eines jungen Lohnarbeiters

„Dort draussen, bei meinen Freunden, passiert in Wirklichkeit, wie ich wohl weiss, gar nichts. Es gibt nichts, was ich verpasse; jeden Freitag Abend beeile ich mich, dorthin zu kommen, wo ich sie finde.

Es ist jedesmal wieder ein Schlag. Die Zeit, die mir von der Maschine so qualvoll leer in die Länge gezogen ist, geht dort draussen, in der Freizeit, ebenso leer, nur rasch vorbei; es ist gar nicht Zeit genug, in den kurzen Tagen dazwischen, dass etwas passieren kann, das ich verpassen könnte.

Ich sitze mit ihnen dann, an immer den selben Orten, und wir führen immer dieselben Gespräche; meine Sehnsucht nach ihnen bleibt ungestillt; irgendetwas hält uns alle voneinander fern. Wir können nicht miteinander reden, es sei denn, wir sind betrunken, aber, oh Unglück, dann können wir nicht mehr zuhören.

Es ist keine Freude in dieser Trunkenheit, nicht einmal Flucht, unweigerlich kommt irgendwann eine Traurigkeit, aber wenn wir anfangen, einander unsere tiefsten Gedanken mitzuteilen, finden wir uns leer an Worten dafür; in unserer Not klammern wir uns an zwei drei wie gestanzte Sätze, die wir wie auswendig immer wiederholen, wie als ob uns jemand verstehen sollte, wo wir doch nur unsere eigene Furcht damit bannen.

Wenn wir betrunken sind, gehen wir in die Disco, wo die Musik so laut ist, dass wir uns nicht mehr unterhalten müssen. Früh im Morgenlicht gehen wir nach Hause, einzeln oder zu zweien; den nächsten Tag verschlafen wir, das macht man zweimal so, dann fängt die Arbeit wieder an.

Wenn es die Wochenenden nicht gäbe, man müsste sie erfinden, um zu beweisen, dass es noch ganz anderes zu fürchten und zu hassen gibt als die Arbeit. Wie sollten wir nicht verurteilt sein, unter der Arbeit zu leben, wenn jede Stunde, die wir ohne sie verbringen, beweist, dass wir es nicht können?“ (Quelle & Weiterlesen: http://letzterhieb.blogsport.de/2009/11/08/bekenntnisse-eines-jungen-lohnarbeiters-teil-ii/ )

„Obwohl die meisten Menschen..“

„Obwohl die meisten Menschen niemals die Angewohnheit überwinden, die Welt für ihre eigenen Schwierigkeiten zu schelten, haben diejenigen, die zu schwach sind, sich der Realität entgegenzustellen, keine andere Wahl, als sich auszulöschen, indem sie sich mit ihr identifizieren. Sie sind niemals rational mit der Zivilisation versöhnt. (…) Diese Leute machen sich mit Vergnügen die Herrschaft des Stärkeren als ewige Norm zu eigen oder zwingen sich, sie zu akzeptieren.“ (— Max Horkheimer – Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, 1967.)