Archiv für Dezember 2012

Wissenschaft als Waffe in der Standortkonkurrenz – Ein Vortrag von Prof. Huisken

„Die BILD titelte nach der Papstwahl „Wir sind Papst“. Die Bremer Uni schmückte sich nach ihrer Erhebung zur Exzellenz-Uni „Wir sind Exzellenz“. Der Stolz ist unverkennbar. Als eine von elf ausgezeichneten Unis, als „die einzige im Norden“ darf sie sich mit diesem Titel „Exzellenz-Uni“ schmücken. Dass gleich die gesamte Universität, ja die halbe Stadt in den Stolz einbezogen ist – „Wir“ –, wird so weit neben der Sache nicht liegen. Ausfallstraßen waren mit Plakaten über diesen neuen Ruhm gepflastert. Der Weser-Kurier und buten&binnen kriegten sich auch kaum ein. Rektor Müller sah sein Lebenswerk gekrönt: Von der ausgegrenzten Roten Kaderschmiede hat es die Uni schließlich unter seiner Leitung zum Leuchtturm im nationalen Wissenschaftsbetrieb gebracht. *

Grund genug, der Frage nachzugehen, worauf die Uni, die PISA-gebeutelte Landesregierung, die Stadt und viel zu viele ihrer Bürger da eigentlich stolz sind. Was hat es mit dem Umbau des deutschen Wissenschaftsbetriebs auf sich, der „Leuchttürme“ der Spitzenforschung fördert? Ist das nicht Spitze? Gehört sich das nicht für eine „Wissensgesellschaft“? Wer sollte etwas gegen Forschungsförderung haben? Wer etwas gegen exzellente Geistesleistungen? Darf man da noch fragen: welche Geistesleistungen eigentlich?“ (Quelle & MP3: http://doku.argudiss.de/#435 )

Psychoanalyse des Antisemitismus – Ein Vortrag von Felix Riedel

„Die kritische Dimension der Psychoanalyse erwächst wesentlich aus ihrer Perspektive vom Individuum auf die Gesellschaft und zurück. Die Ab­leitung von Pathologien aus fast unvermeidlichen Traumata der frühen Kindheit ist der Kernbestand, um den Antisemitismus einer angemessenen Kritik zu unterziehen. Nur so lässt sich sein historisches Alter, seine gleichzeitige Flexibilität und Starrheit erklären — aus seinem Angebot an sehr frühe, quasi überhistorische intrapsychische Konfliktkonstellationen, die in jeweils unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen umgeformt und beeinflusst, aber nicht durch diese erst erzeugt werden müssen.“ (Quelle & MP3: http://audioarchiv.blogsport.de/2012/12/18/psychoanalyse-des-antisemitismus-felix-riedel/ )

Eine kritische Einführung in die Psychoanalyse – Ein Vortrag von Johanna Schmidt

„Die Einwände gegen die Psychoanalyse — die meist schon vorab als widerlegte oder gar lächerliche Theorie abgetan wird — sind vielfältig: So steht sie in der Kritik, deterministisch, individualistisch und anti-feministisch zu sein. Ihr wird vorgeworfen, den Menschen als notwendiges Produkt seiner Kindheitsentwicklung zu verstehen. Sie würde des Weiteren gesellschaftliche Einflüsse auf das Individuum nicht hinreichend mit einbeziehen und könne somit soziale Phänomene nicht erklären. Außerdem konzentriere sich psychoanalytische Theorie nur auf das Männliche und rechtfertige eine Inferiorsetzung von Weiblichkeit.

In dem Vortrag „Psychoanalyse und Gesellschaftskritik“ sollen — nach einer kurzen Erläuterung psychoanalytischer Grundannahmen — solche Meinungen und Einwände auf ihre Richtigkeit überprüft und der Frage nachgegangen werden, inwieweit psychoanalytische Theorie für eine Ideologiekritik der modernen Gesellschaft fruchtbar gemacht werden kann.“ (Quelle & MP3: http://archive.org/details/EineKritischeEinfhrungInDiePsychoanalyse )

Rechter Terror: Der Staat als Freund & Helfer – Interview mit Thomas Wüppesahl

„Bewertung einiger „Auftritte“ im NSU- Untersuchungsausschuss des Bundestages im Gespräch mit Thomas Wüppesahl, Bundessprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten (Hamburger Signal) e.V.“ (Quelle & MP3: http://freie-radios.net/51745 )

Einführung in den Fetischbegriff der Marxschen Theorie – Ein Vortrag von Hendrik Wallat

„Der Begriff des Fetischismus gehört zu den schillerndsten Termini der kritischen Theorie von Karl Marx. Gegenüber dem traditionellen Marxismus, dessen zentrale theoretische und praktische Bezugspunkte Ausbeutung, Proletariat und Klassenherrschaft waren, stellen jüngere Aneignungen der Marxschen Theorie — zu Recht — häufig die herrschafts- und erkenntniskritische Dimension der Marxschen Fetischanalyse heraus. Der Marxsche Fetischbegriff verliert durch seine Universalisierung zum Schlagwort allerdings leicht seinen spezifischen (ökonomiekritischen) Bedeutungsgehalt. Zuspitzend ließe sich sagen, dass die Fetischvergessenheit sich zu einer Fetischversessenheit gewandelt hat.“ (Quelle & MP3: http://audioarchiv.blogsport.de/2012/11/13/intros-zu-verschwoerungstheorien-nationalen-befreiungsbewegungen-und-dem-fetischbegriff-bei-marx/ )