Archiv für Dezember 2012

Marx: Akkumulation von Reichtum & Elend

„Das Gesetz endlich, welches die relative Übervölkerung oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Akkumulation in Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert.“(Karl Marx, – Das Kapital, MEW Band 23, S. 675)

Arbeitslos: Ein Bericht samt Kritik

„[…] Wer als Lohnarbeitsloser und von Arbeitslosengeld abhängiger Mensch nicht fleißig genug Bewerbungen schreibt, Termine verpennt, angeordnete Maßnahmen verweigert (1Euro-Jobs, Bewerbungstrainings, unbezahlte Praktika, Werbeveranstaltungen von Zeitarbeitsfirmen etc.) oder sich ansonsten unwillig zeigt, jeden Blödsinn mitzumachen und jeden Drecksjob anzunehmen, um aus der Arbeitslosenstatistik herauszukommen, und lieber seine Zeit mit etwas ihm oder ihr sinnvoller Erscheinendem verbringt, fällt unter den Sanktionskatalog der “Mitwirkungspflicht”. 15% Kürzung der Bezüge, 30% Kürzung der Bezüge, 45% Kürzung der Bezüge und zuletzt Ernährungsgutscheine. Die konsequente oder nichtkonsequente Anwendung dieser Strafmaßnahmen obliegt dem “PAP” (Persönlicher Ansprechpartner), dem Sachbearbeiter. Die damit notwendig einhergehende Willkür ist eine gewollte Vervollkommnung der repressiven Atmosphäre, die auf dem Arbeitsamt vorherrscht. Die Androhung einer Kürzung brachte mich ebenfalls zum erwähnten Frankfurter “Arbeitsmarktdienstleister”. Für drei Monate sollte ich zweimal wöchentlich in dessen Büro antanzen, um mich vermitteln zu lassen. […]

Das allgemeine Elend der kapitalistischen Produktionsweise, das es einem zum bloßen Arbeitskraftbehälter degradierten Menschen sukzessive verunmöglicht, weiterzumachen wie bisher, ohne dabei ernsthaften psychischen und physischen Schaden in Kauf nehmen zu müssen, wird in ein persönliches, von jedem selbst zu lösendes Problem der richtigen Lebensführung umgedeutet […] Findest du keinen Job, weil auf dem Arbeitsmarkt deine Arbeitskraft nicht benötigt wird, bist du selber schuld. Drücke erneut die Schulbank, bilde dich weiter, nimm ab, lebe gesund, sei immer freundlich, friß Dreck und nenne es ein Festmahl… Kurz: Recke, strecke, strebe und geissel dich, rede den Leuten nach dem Mund, tritt nach unten, buckel nach oben, räume die Konkurrenz aus dem Weg, schreibe Bewerbungen und ertrage jede Ablehnung,… aber denke bloß nicht darüber nach und thematisiere auf keinem Fall den Umstand, dass die eigene, ausschließlich an den Verwertungsbedürfnissen des Kapitals gemessene, objektive Überflüssigkeit, die sich tagtäglich schmerzhaft ins Bewusstsein drängt, etwas mit dem menschenfeindlichen Charakter der gesellschaftlichen Verhältnisse und der zugrunde liegenden kapitalistischen Produktionsweise zu tun hat. Schwindel nicht bloß, glaube an den Schwindel!“ (Weiterlesen & Quelle: http://dasgrossethier.wordpress.com/2012/10/13/keiner-kommt-hier-lebend-raus/ )

Alle Jahre wieder.. erfrieren Menschen: Flugblatt zur Obdachlosigkeit

„An Reichtum mangelt es in dieser Gesellschaft wahrlich nicht: die Schaufenster sind voll. Vom Glühwein und Lebkuchen über Maschinen zur Autoproduktion bis zum Baukran und Bagger ist alles da. Gleichzeitig schlafen täglich Leute auf der Straße– und erfrieren dort auch regelmäßig. Wie kann es sein, dass in einer Welt in der es riesigen Reichtum gibt, Leute überhaupt auf der Straße schlafen müssen? […] Obdachlose schlafen auf der Straße, weil sie – durch das vom Staat garantierte Eigentum – ganz grundsätzlich von allem ausgeschlossen sind, was sie so zum Leben brauchen, auch von Wohnungen. Drankommen und diesen Ausschluss überwinden kann nur, wer das Geschäftsinteresse des Eigentümers, d.h. des Vermieters, bedient. Ein Bedürfnis gilt in der sozialen Marktwirtschaft nichts, hat man das nötige Geld dazu nicht in der Tasche. Erst muss die Miete und die Kaution gezahlt und noch nachgewiesen werden, dass man auch in Zukunft die Miete zahlen kann. Und die Bude, in die die Möbel dann kommen, sieht auch entsprechend aus: Renovieren kostet, und gerade für ärmere Mieter lohnt das nicht.“ (Weiterlesen & Quelle: http://arbeitskreisaufloesen.blogsport.eu/2012/12/21/obdach/ )

Marxistische Kritik am Weihnachtsfest

Ein Nachklapp zum ignoranten, verlogenen Fest der Liebe:

„Was den Bürger ankommt, ist neben dem familiären Weihnachtsrummel die eindringliche Erinnerung von staatlicher Seite daran, daß Opfer verlangt sind und daß jeder sich um die kümmern soll, die nicht gebraucht werden, obwohl sie zur Gesellschaft dazugehören und man mit ihnen lebt, als wär’s das Normalste von der Welt. Wenn die SZ einen Adventskalender für arme, alte und einsame Leute aufmacht, so bedeutet dies, daß dem Staat die Kranken, Alten und Armen, die er einkalkuliert, wenn er alles tut, um den Reichtum der Nation zu befördern, nur Geld kosten, weswegen die, die so schon nichts haben, auch noch für diese Randprodukte der Gesellschaft ihr Opfer bringen sollen. Vor Weihnachten werden Krüppel und Bahnhofspenner entdeckt, und die gewöhnliche Lieblosigkeit durch Nächstenliebe ergänzt, die in diesen Typen ihre Opfer findet. Dies hilft zwar den Abgeschriebenen wenig, ist aber die Praktizierung von Tugenden, die man selbst haben soll, worunter das Opfer die Kardinaltugend schlechthin ist, die man kurioserweise an denen vollziehen soll, deren Opfer schon gar nicht mehr nützlich sind. (Spenden dieser Art kann man von der Steuer absetzen!)“ (Weiterlesen & Quelle: Marxistische Studenten Zeitung – http://msz1974-80.net/Weihnachten.html )

Was ist Geld? Bei Marx und der Neoklassik – Ein Vortrag von Ingo Stützle

„Geld regiert die Welt. Diese geflügelten Worte sind nicht nur in den Alltagsverstand eingebrannt, sie bilden auch den Kern der politischen Ökonomie. Geld bzw. die Verfügung über dasselbe, Preise und Produktionskosten sind aus der politischen Ökonomie nicht wegzudenken. Dennoch herrscht aufdringliches Schweigen um das Phänomen des Geldes. In der neoklassischen Theorie ist Geld kein originärer Bestandteil der Produktion sondern nur „Schleier“ über einem imaginierten Naturaltausch. In der ökonomischen Theorie in der Tradition von Keynes ist Geld weit wichtiger: Ökonomie ist hier wesentlich Geldwirtschaft. Dennoch reduziert sich hier Geldtheorie auf einen Funktionalismus. Die entscheidende Frage wird jedoch überhaupt nicht gestellt: Was ist Geld? Diese Frage zu stellen und zu beantworten unterscheidet Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie von Klassik/Neoklassik und Keynes. Die Abendveranstaltung wird in die verschiedenen theoretischen Analysen einführen und deren Differenzen aufzeigen.“ (Text & Quelle: http://audioarchiv.blogsport.de/2012/12/14/was-ist-geld-bei-marx-keynes-und-der-neoklassik-eine-kategorie-drei-antworten-ingo-stuetzle/ )