Archiv für November 2012

Marx: Die Produktion schafft den Konsumenten

„Hunger ist Hunger, aber Hunger, der sich durch gekochtes, mit Gabeln und Messer gegeßnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer Hunger als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn verschlingt. Nicht nur der Gegenstand der Konsumtion, sondern auch die Weise der Konsumtion wird daher durch die Produktion produziert, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Produktion schafft also den Konsumenten […] Die Produktion liefert dem Bedürfnis nicht nur ein Material, sondern sie liefert dem Material ein Bedürfnis. Wenn die Konsumtion aus ihrer ersten Naturroheit und Unmittelbarkeit heraustritt – und das Verweilen in derselben wäre selbst noch das Resultat einer in der Naturroheit steckenden Produktion – , so ist sie selbst als Trieb vermittelt durch den Gegenstand. Das Bedürfnis, das sie nach ihm fühlt, ist durch die Wahrnehmung derselben geschaffen. Der Kunstgegenstand […] schafft ein kunstsinniges und schönheitsgenußfähiges Publikum. Die Produktion produziert daher nicht nur einen Gegenstand für das Subjekt, sondern auch das Subjekt für den Gegenstand.“ ( Marx, Karl: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. Berlin. 2005. S. 27 )

Hesse: Ich weiß nicht…

„Ich weiß nicht, ob ich überhaupt lieben kann. Ich kann begehren und kann mich in andern Menschen suchen, nach Echo aushorchen, nach einem Spiegel verlangen, kann Lust suchen, und alles das kann wie Liebe aussehen.“ (Hermann Hesse – Klingsors letzter Sommer)

Über die linken Intellektuellen

„Sie haben den Klassenkampf niemals im Interesse der Revolution kritisiert, den Marxismus nicht in der Perspektive des Materialismus und den Staat nicht zum Zwecke seiner Beseitigung und Abschaffung. Sie haben das proletarische Dogma vielmehr à la Deutschmann kritisiert und meistens nach der Methode Habermas oder Walser. Den linken Intellektuellen ging es nicht um Materialismus, Ideologiekritik, Kommunismus, sondern darum, auf Teufel komm raus – Intellektuelle zu bleiben. […] Schon als Ideologen der klassischen Arbeiterbewegung, die, gleich ob marxistisch-leninistisch oder undogmatisch-spontaneistisch, dem „Klassenkampf von unten“ revolutionäre Qualitäten anschmachteten, waren diese Intellektuellen die „nützlichen Idioten“ (Lenin) des Kapitals, wenn auch im Widerspruch gegen die Kapitalisten. Sie gaben die Intensivierung der Lohnkämpfe als Kindergarten des Sozialismus aus und steigerten so die kapitale Klassenkampffunktion ins Utopische. Sie erfanden die Theorie des „sozialistischen Geldes“, des „sozialistischen Staates“ und der „sozialistischen Arbeitspflicht“. Ihre Perspektive war das antikommunistische Programm der „Befreiung der Arbeit“ statt der Befreiung von der Arbeit. Unter Sozialismus haben sie nie mehr verstanden als Sozialpolitik plus Soziologie. Diese Linke ist bankrott, und sie hatte nie etwas Besseres als den Bankrott verdient.“ (Initiative Sozialistisches Forum: Gefrierpunkt des Bewußtseins, Rückforderung der Zukunft. Über die linken Intellektuellen.)

Robert Kurz: Vernunft der Betriebswirtschaft

„Die »unsichtbare Hand« der subjekt- und damit kommunikationslosen Kapital- bzw. Marktmaschine, die Kant und Smith zum irdischen Gott erhoben hatten, kann also letzten Endes gar nicht zur allgemeinen Wohlfahrt führen, sondern nur in einen fundamentalen Selbstwiderspruch und damit in die gesellschaftliche Krise des verselbständigten Marktsystems. Diese innere Krisenpotenz des Kapitalismus steht außer allem Zweifel. Sie ist die Quittung dafür, daß die menschliche Kommunikation in gesellschaftlichen Institutionen durch eine paradoxe Kommunikation der Waren und ihrer Preise untereinander auf dem anonymen Markt ersetzt worden ist. Produzenten und Konsumenten, Käufer und Verkäufer sind nicht mehr identisch durch die Vermittlung einer gemeinsamen gesellschaftlichen Kommunikation, sondern sie fallen auseinander: sogar in den Individuen selber, die in ihrer Eigenschaft als Konsumenten ein gegensätzliches Interesse entwickeln zu sich selbst in ihrer Eigenschaft als Produzenten (so hat z.B. nach dem Anschluß die ehemalige DDR-Bevölkerung durch den bevorzugten Konsum westlicher Waren zur Zerstörung ihrer eigenen Produktionsgrundlage beigetragen). Der stumme Preismechanismus ersetzt die bewußte Selbstverständigung der menschlichen Akteure. Und der daraus entstandene blinde, nicht ansprechbare und nicht verhandelbare Systemprozeß führt mit logischer Konsequenz immer wieder in dasselbe Dilemma, weil er immer nur dasselbe eingebaute Programm abspulen kann. Wie eine Maschine eben. So erklärt sich das klaffende historische Mißverhältnis des Kapitalismus zwischen einer Steigerung der menschlichen Potenzen einerseits und der Erzeugung immer neuer Armuts- und Krisenpotentiale andererseits aus der gesellschaftlich irrationalen Vernunft des betriebswirtschaftlichen Kalküls. Das Irre an dieser Vernunft besteht darin, daß sie den gesellschaftlichen Charakter der Produktivkraftentwicklung systematisch negiert und in sein Gegenteil verkehrt. Die Entwicklung der Maschinenkräfte führte also nicht, wie es notwendig und sinnvoll gewesen wäre, zu einer vorgeordneten Kommunikation der alten handwerklichen Produzenten über die gemeinschaftliche Kontrolle der vernetzten Produktion selber, sondern bewirkte im Gegenteil, daß auch noch die nachgeordnete Kommunikation ersatzlos gestrichen wurde. Die Steigerung der technisch-wissenschaftlichen Potenzen muß auf diese Weise im allgemeinen Verdrängungskampf der Konkurrenzen verschleudert werden, während die Menschen durch die blinde Gesamtresultante ihres eigenen beschränkten, ökonomisch ungesellschaftlichen Ego-Kalküls sich gegenseitig in eine groteske Selbstschädigung treiben. Und da diese destruktive Logik untrennbar zum Wesen des Kapitalismus gehört, ist sie auch bis heute gültig geblieben und entfaltet weiterhin ihre Wirkungen. Alle nachträglichen sozial- und wirtschaftspolitischen Regulationsversuche müssen letztlich immer wieder dem gleichsam osmotischen inneren Druck der verrückten betriebswirtschaftlichen Rationalität unterliegen.“ (Robert KurzSchwarzbuch Kapitalismus – Seite 62 )

Die Euro-Schuldenkrise – Chronologie der Nötigung

„Stets kritisch, begibt sich Sachzwang FM diesmal in die Niederungen der sogenannten Realpolitik und beschäftigt sich mit der Euro-Schuldenkrise. Was passiert, wenn zu omnipräsentem ökonomischen Sachzwang die Niedertracht politischer Nötigung hinzutritt?

Die insge­samt vierstündige Doppelsendung beschäftigt sich in mehr oder weniger kurzen, analytischen und ideologiekritischen Episoden mit den politökonomi­chen Vorgängen im krisengeschüttelten, deutsch dominierten Europa.

Die Texte sind von Anton Landgraf, Ernst Lohoff, Axel Berger, Jörn Schulz, Ilka Schröder, Rainer Trampert, Holger Marcks, Chrissi Wilkens, Felix Baum, Peter Nowak und alle­samt der Jungle World entnommen“ (Quelle: Freie Radios bzw. Sachzwang FM: http://www.freie-radios.net/48024 / http://www.freie-radios.net/50563 & Die MP3 ist hier: http://audioarchiv.blogsport.de/2012/10/04/chronologie-der-noetigung/ )