Archiv für August 2012

Die schönste Lüge zu den Sozialreformen

„Die Menschen werden immer älter. Deshalb kommen schon in 20 Jahren auf einen Berufstätigen ein Rentner. Man soll denken: Das kann ja nicht gut gehen! Das verräterische Dementi; in Wahrheit: Die Alten machen dem Gemeinwesen Probleme, weil sie nicht sterben, nachdem sie schon nicht mehr arbeiten. Diese „Problem“ macht deutlich, dass die Welt nicht für sie eingerichtet ist; sie sind als dienstbare Geister definiert.“ (Quelle & MP3: Gegenstandpunkt Verlag )

Arbeitszeitverkürzung

„In den sechziger Jahren hatten wir Vollbeschäftigung. Aber nicht durch das enorme Wachstum der Wirtschaft, wie gerne behauptet wird! Damals wurde die Vollbeschäftigung genau wie heute durch ein enormes Wachstum der Arbeitsproduktivität bedroht: In immer kürzerer Zeit wurde von immer weniger Arbeitskräften immer mehr produziert. Doch warum entstand in jenen Jahren durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität keine Arbeitslosigkeit? Weil der Verlust an Arbeitsvolumen durch die Einführung der 40-Stunden-Woche ausgeglichen wurde. Die tarifliche Wochenarbeitszeit wurde um rund 4 Stunden verkürzt, Vollbeschäftigung war das logische Ergebnis. In den danach folgenden Jahren wurde die Arbeitszeit trotz weiter steigender Arbeitsproduktivität nur noch um knapp 2 Stunden verkürzt. Massenarbeitslosigkeit war die Folge. Es wäre durchaus möglich gewesen, die Arbeitszeit nach und nach bis auf 30 Stunden zu senken. Aber das war nicht Ziel von Wirtschaft und Politik. Das Ziel war die Senkung der Löhne und Sozialleistungen. Und das wurde schließlich erreicht, wie wir heute alle merken.“ (Quelle: Attac / Ergänzend: Manifest gegen die Massenarbeitslosigkeit)

„Das Problem der Massenarbeitslosigkeit ist im Kapitalismus nicht lösbar. Alle Formen der Arbeitszeitverlängerung, wie sie Regierung und Unternehmen betreiben, dienen allein der Profitsteigerung und verschärfen das Problem zusätzlich. Zur Milderung gibt es nur ein Mittel: die Arbeit auf mehr Schultern verteilen. Allein der Abbau der Überstunden in Deutschland würde 820.000 neuen Vollzeitarbeitsplätzen entsprechen. Die Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich würde rechnerisch zu weiteren 6,4 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen führen. Durch die Senkung des Rentenalters auf 60 Jahre bzw. 55 Jahre für Frauen und einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von sechs Wochen könnten zusätzlich 1,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. In einer sozialistischen Gesellschaft käme die wachsende Arbeitsproduktivität allen Teilen der Gesellschaft zugute, in Form von mehr Zeit für Erholung und Freizeit sowie gesellschaftliches, politisches, kulturelles und persönliches Engagement.“ (Aus dem 15 Punkte Programm der MLPD)

Die SAV, Die Linkspartei, die DKP fordern ebenfalls eine Arbeitszeitverkürzung. Haben die Leute erstmal mehr Zeit, können sie sich auch mehr mit den Problemen im Kapitalismus auseinandersetzen, Solidarität und Organisation aufbauen. Bislang bewegt sich in dieser Richtung jedoch nicht sehr viel, eher steigern sich die Arbeitswochen kontinuierlich.

Freiheit statt Sozialkram

„Immer mehr Arbeitslose, immer größere Armut und eine Sozialpolitik, die die Opfer des kapitalistischen Reichtums immer härter anpackt. Die Lage schreit geradezu nach einem Bundespräsidenten, der den Menschen draußen im Lande erklärt, wie sie diese Lage geistig zu bewältigen haben. Kaum angetreten stellt Horst Köhler klar, dass die Ideale des sozialen Ausgleichs heute unangebracht sind — und eigentlich immer schon verkehrt, nämlich Ausdruck eines unverantwortlichen Anspruchsdenkens gewesen waren. Wer das Deutschland des 21. Jahrhunderts vom Standpunkt der sozialen Gleichheit aus betrachtet, muss ja missmutig werden: Eine Angleichung der Lebensverhältnisse gibt es nicht und darf es nicht geben — nicht zwischen Ost und West und nicht zwischen Oben und Unten. Die niederen Stände sollen sich lieber für die Freiheit bedanken, die der Staat ihnen schenkt. Sie dürfen alles, was sie tun und erleiden, selber tun und erleiden. Auch Arbeitslose, die nicht auswandern, haben gewählt, die Armut in der Heimat nämlich. Ihr beschissenes Leben ist ihres — und also gut. Das Elend — so lernen wir – ist schlimm nur für den, der falsche Werte hat. Anstatt sich die richtigen, optimistischen Freiheitswerte zuzulegen, blasen deutsche Jammerlappen Trübsal. Mit Werten, ihrer Herkunft und ihrer Leistung befasst sich der Vortrag“ (Vortrag wurde am 02. Dezember 2004 gehalten / Quelle & MP3: Gegenstandpunkt Verlag )

Tomaten sind ohnmächtig! Dutschke im Interview beim Spiegel 1967

„Ich denke, wir können gegenwärtig sicherlich nicht davon ausgehen, daß die Herrschaft von Menschen über Menschen insgesamt in absehbarer Zeit verschwinden wird. Aber ich denke, daß diese Gesellschaft im Laufe eines langen Prozesses der Bewußtwerdung von vielen und immer mehr werdenden Menschen tatsächlich das Stadium erreicht, da die Menschen das Schicksal in die eigene Hand nehmen können, nicht mehr bewußtlos als unpolitische Objekte von oben durch die Bürokratie, durch das Parlament oder durch was auch immer manipuliert werden. […] Der fortwährende Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur in Form des Arbeitsprozesses auf der einen Seite und die jeweils erreichte Stufe kritischer Unruhe menschlichen Geistes gegen jede jeweils erreichte Form menschlichen Zusammenlebens läßt eine Beruhigung und Endgültigkeit menschlicher Geschichte nicht zu. Die Menschen müssen sich dauernd ihrer selbst verunsichern, damit sie fähig werden, alle sich neu ergebenden Möglichkeiten — Reduktion von Arbeit, Entwicklung sinnlicher Phantasie, Abschaffung von Elend und Krieg — zu verwirklichen. Das mögen für Sie große Worte sein … […] Ja, der biblische Garten Eden ist die phantastische Erfüllung des uralten Traums der Menschheit. Aber noch nie in der Geschichte war die Möglichkeit der Realisierung so groß. […] Denn die für profit- und herrschaftsorientierte Gesellschaftsordnungen typischen Konsumtionsexzesse — Kriege sowie die ungeheuren toten Kosten; Rüstung, unnütze Verwaltung und Bürokratie, unausgenutzte Industriekapazitäten, Reklame — bedeuten eine systematische Kapitalvernichtung. Die wiederum macht es unmöglich, den Garten Eden historisch zu verwirklichen. […] Demonstrationen und Proteste sind Vorstufen der Bewußtwerdung von Menschen. Wir müssen immer mehr Menschen bewußt machen, politisch mobilisieren, das heißt: in das antiautoritäre Lager — das jetzt erst aus nur ein paar tausend Studenten besteht — herüberziehen. Und wir müssen mehr tun als protestieren. Wir müssen zu direkten Aktionen übergehen. […] Das wäre der Aufbau einer Universität außerhalb von Dahlem — in einem Gebiet zwischen Fabrikarbeitern, etwa in der Spandauer Gegend oder in der Nähe der AEG, und Bürgerbezirken. Man könnte in Baracken Fakultäten installieren zur Ausbildung von Studenten, Arbeitern, Angestellten, Schülern. Hinzu käme, daß wir eine kontinuierliche medizinische, speziell sexuelle Aufklärung für weite Bevölkerungsteile — besonders für junge Arbeiterinnen und Arbeiter — betreiben könnten. Ebenso könnten wir unbemittelten Bürgern Rechtshilfe leisten, Mieterstreiks organisieren und so weiter. Eine solche Universität hätte die Aufgabe der Profilierung des Bewußtseins. Aber es ist die Frage, ob wir dieses Modell finanziell tragen können. […]“ (Rudi Dutschke / Quelle: Spiegel Online)