Archiv für Juni 2012

Karl Marx: Austauschprozess

„Die Waren können nicht selbst zu Markte gehn und sich nicht selbst austauschen. Wir müssen uns also nach ihren Hütern umsehn, den Warenbesitzern. Die Waren sind Dinge und daher widerstandslos gegen den Menschen. Wenn sie nicht willig, kann er Gewalt brauchen, in andren Worten, sie nehmen. Um diese Dinge als Waren aufeinander zu beziehn, müssen die Warenhüter sich zueinander als Personen verhalten, deren Willen in jenen Dingen haust, so daß der eine nur mit dem Willen des andren, also jeder nur vermittelst eines, beiden gemeinsamen Willensakts sich die fremde Ware aneignet, indem er die eigne veräußert. Sie müssen sich daher wechselseitig als Privateigentümer anerkennen. Dies Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt oder nicht, ist ein Willensverhältnis, worin sich das ökonomische Verhältnis widerspiegelt.“ (Karl Marx, Kapital, 1. Abschnitt, 2. Kapitel “Der Austauschprozeß”)

Das ist doch utopisch!

„Gegen die utopischen Schwärmereien setzte er [Karl Marx] die differenzierte Kritik des Bestehenden, aus der das zu Schaffende in seinen Grundstrukturen ergibt. Daß Marx sich und anderen kein genaueres Bild von der zu erschaffenden Gesellschaft entwerfen wollte, erklärt sich wohl aus der Einsicht in die Unsinnigkeit und Unmöglichkeit eines derartigen Vorhabens.

Offenbar war Marx schon bewußt, was man auch heute immer wieder beobachten kann: Bürgerliche Subjekte, die für eine Kritik der bestehenden Verhältnisse nur dann zugänglich sind, wenn man ihnen gleichzeitig bis ins letzte Detail ausformulierte Alternativen vorsetzt und nach Möglichkeit auch noch deren Funktionstüchtigkeit garantiert, haben gar keine Kritik am Bestehenden vorzubringen. Bietet man eine grob skizzierte Alternative an, existieren zwei Reaktionsmöglichkeiten. Bei der einen wird mit dem Hinweis auf die angebliche Unrealisierbarkeit die der skizzierten Alternative vorausgegangene Kritik diskreditiert. Bei der zweiten Möglichkeit wird auf die Alternative wie auf ein Ticket gesetzt, das einen sicher zum Ziel bringen soll. Bei dieser Ticketmentalität findet eine Auseinandersetzung mit der Kritik, aus der eine Alternative entstehen kann, ebensowenig statt, wie beim Abstreiten jeglicher Möglichkeit gesellschaftlicher Alternativen.“ (— Stephan Grigat, Fetisch und Freiheit, S. 82f)

So absolut wie die absoluteste Monarchie

„Das Anforderungsprofil der staatlichen Herrschaft an ihr Volk besteht in dessen unbedingter Bereitschaft zur Unterordnung unter die demokratische Autorität der Staatsführung, die, wie dies einmal ein konservativer Staatsrechtslehrer in begrüßenswertem Klartext zu Protokoll gegeben hat, »in der Sache genauso absolut ist wie die absoluteste Monarchie« (Krüger 1966: 72).“ (Aus: Albert KröllsDas Grundgesetz – ein Grund zum Feiern?“ )

Der bürgerliche Staat

„Der Wille zur politischen Herrschaft findet seine Erfüllung in der Souveränität des Staates. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus und entspricht seinem politischen Willen, indem sie ihn als das Allgemeininteresse g e g e n die Privatsubjekte durchsetzt. In der Verfassung werden die Beziehungen der Bürger untereinander bestimmt, und zwar in Form von gültigen Prinzipien staatlicher Gewaltanwendung. Die Grundrechte setzen das Bürgern und Staat Erlaubte fest, definieren also die Pflichten, für deren Erfüllung professionelle Repräsentanten des Volkswillens sorgen. Die bürgerliche Gesellschaft erhält ihre Gegensätze durch die Scheidung ihrer Mitglieder in grundberechtigte Menschen und zur Gewaltanwendung verpflichtete Volksdiener.“ (Weiterlesen)

Der Kapitalismus ist eine einzige Erfolgsgeschichte

„Armut, Hunger, Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen usw. sind also keine „Krisen des Kapitalismus“ sondern Mittel und Begleiterscheinung davon, worum es in ihm geht, was seinen Erfolg ausmacht – aus Geld mehr Geld zu machen. Diesbezüglich ist der Kapitalismus genau besehen eine einzige Erfolgsgeschichte. Nichts was mit Gewinn herzustellen geht, das nicht hergestellt würde. Es gibt massenhaft Reichtum. Kein Mensch, keine Region dieser Erde kommt dem aus, Mittel kapitalistischer Geschäftemacherei zu sein. Dass die gewöhnlichen Leute weltweit dabei nicht gut wegkommen, ist unstrittig richtig, nur darf man diesen Umstand doch nicht unmittelbar damit gleichsetzen, dass der Kapitalismus nicht erfolgreich und in einer einzigen großen Krise wäre.“ ( Gegenargumente / Gegenstandpunkt Verlag )