Archiv für Mai 2012

Was ist Profit?

Seit es den Kapitalismus gibt, gibt es viel Unzufriedenheit mit ihm. Heutzutage zum Beispiel bei Attac, bei den Befürwortern eines „Bedingungslosen Grundeinkommens“, bei den „Empörten“ in verschiedenen europäischen Staaten oder bei der „Occupy“-Bewegung.

Diese Bewegungen kritisieren den Kapitalismus wegen seiner „Auswüchse“, die doch wohl zum Himmel schreien. Es ist ja auch nicht zu übersehen, dass einem ständig wachsenden Reichtum bei den einen eine ebenso ständig wachsende Armut bei den anderen gegenübersteht. Nicht zu übersehen ist auch die notorische Existenzunsicherheit, die für viele Leute bedeutet, dass schon ein unglücklicher Umstand – Entlassung, Krankheit, eine psychische Ausfallerscheinung, ein familiäres Drama, falsch eingekauft, auf einen falschen Rat gehört – zu einer privaten Katastrophe wird. Und auch die gesamtgesellschaftlichen Folgeerscheinungen des Kapitalismus werden angeprangert. Weltweit breiten sich Hunger und sonstiges Elend immer mehr aus; es gibt eine fortschreitende Zerstörung der natürlichen Umgebung und nicht zuletzt: jede Menge Kriege der kleineren und der größeren Art.

Dem Kapitalismus selbst macht das allerdings nichts aus. Er wächst und wächst, all diese Katastrophen haben ihm auf Dauer nicht geschadet, vielmehr hat er sich – wie es bewundernd heißt – als die „überlegene Wirtschaftsweise“ durchgesetzt und mittlerweile den ganzen Globus besetzt.

Im Zentrum dieser Wirtschaftsweise steht der Profit. In ihr beruht alles Wirtschaften darauf, dass Kapital vorgeschossen wird; und diejenigen, die das tun – die Kapitalisten, auch „die Wirtschaft“ genannt –, tun das mit der Absicht und in der Erwartung, dass ihnen ihr Kapital vermehrt, mit einem Profit eben, zurückfließt. Sehen sie keinen Profit winken, schießen sie auch kein Kapital vor. Dieses Grundprinzip kapitalistischen Wirtschaftens stellen die Kritiker, die sich in dem breiten Spektrum von Attac bis Occupy tummeln, nicht in Frage. Ganz im Einklang mit den Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre halten auch sie den Profit für ein unentbehrliches Instrument des Wirtschaftens. Selbstverständlich müsse es Unternehmer geben, die eine Produktion, ein Dienstleistungsgewerbe oder auch eine Bank aufbauen, und da sie das tun, steht ihnen auch zu, persönlich davon zu profitieren. Damit stellen diese Unternehmer, was eben nicht jeder kann, die Dinge her, die „wir alle“ brauchen, und damit das weitergehen kann und auch immer mehr produziert werden kann, ist es richtig und sinnvoll, dass das eingesetzte Kapital mit einem Profit darauf zurückkommt. So werde für die Güterproduktion gesorgt und auch für die Ausweitung der Güterproduktion, da aus dem Profit ja auch die Investitionen bezahlt werden. Eigentlich, so sagen diese Kritiker, hat der Profit eine volkswirtschaftliche Funktion: nämlich der Menschheit ein immer besseres Leben zu ermöglichen. Deshalb heißt die Parole der amerikanischen Occupy-Bewegung: „People over profit“. Damit ist gesagt, dass das Volk Dienste des Profits für sich erwartet, und eben nicht: „People against profit“. Seit es den Kapitalismus gibt, gibt es viel Unzufriedenheit mit ihm. Heutzutage zum Beispiel bei Attac, bei den Befürwortern eines „Bedingungslosen Grundeinkommens“, bei den „Empörten“ in verschiedenen europäischen Staaten oder bei der „Occupy“-Bewegung.

Diese Bewegungen kritisieren den Kapitalismus wegen seiner „Auswüchse“, die doch wohl zum Himmel schreien. Es ist ja auch nicht zu übersehen, dass einem ständig wachsenden Reichtum bei den einen eine ebenso ständig wachsende Armut bei den anderen gegenübersteht. Nicht zu übersehen ist auch die notorische Existenzunsicherheit, die für viele Leute bedeutet, dass schon ein unglücklicher Umstand – Entlassung, Krankheit, eine psychische Ausfallerscheinung, ein familiäres Drama, falsch eingekauft, auf einen falschen Rat gehört – zu einer privaten Katastrophe wird. Und auch die gesamtgesellschaftlichen Folgeerscheinungen des Kapitalismus werden angeprangert. Weltweit breiten sich Hunger und sonstiges Elend immer mehr aus; es gibt eine fortschreitende Zerstörung der natürlichen Umgebung und nicht zuletzt: jede Menge Kriege der kleineren und der größeren Art.

Dem Kapitalismus selbst macht das allerdings nichts aus. Er wächst und wächst, all diese Katastrophen haben ihm auf Dauer nicht geschadet, vielmehr hat er sich – wie es bewundernd heißt – als die „überlegene Wirtschaftsweise“ durchgesetzt und mittlerweile den ganzen Globus besetzt.

Im Zentrum dieser Wirtschaftsweise steht der Profit. In ihr beruht alles Wirtschaften darauf, dass Kapital vorgeschossen wird; und diejenigen, die das tun – die Kapitalisten, auch „die Wirtschaft“ genannt –, tun das mit der Absicht und in der Erwartung, dass ihnen ihr Kapital vermehrt, mit einem Profit eben, zurückfließt. Sehen sie keinen Profit winken, schießen sie auch kein Kapital vor. Dieses Grundprinzip kapitalistischen Wirtschaftens stellen die Kritiker, die sich in dem breiten Spektrum von Attac bis Occupy tummeln, nicht in Frage. Ganz im Einklang mit den Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre halten auch sie den Profit für ein unentbehrliches Instrument des Wirtschaftens. Selbstverständlich müsse es Unternehmer geben, die eine Produktion, ein Dienstleistungsgewerbe oder auch eine Bank aufbauen, und da sie das tun, steht ihnen auch zu, persönlich davon zu profitieren. Damit stellen diese Unternehmer, was eben nicht jeder kann, die Dinge her, die „wir alle“ brauchen, und damit das weitergehen kann und auch immer mehr produziert werden kann, ist es richtig und sinnvoll, dass das eingesetzte Kapital mit einem Profit darauf zurückkommt. So werde für die Güterproduktion gesorgt und auch für die Ausweitung der Güterproduktion, da aus dem Profit ja auch die Investitionen bezahlt werden. Eigentlich, so sagen diese Kritiker, hat der Profit eine volkswirtschaftliche Funktion: nämlich der Menschheit ein immer besseres Leben zu ermöglichen. Deshalb heißt die Parole der amerikanischen Occupy-Bewegung: „People over profit“. Damit ist gesagt, dass das Volk Dienste des Profits für sich erwartet, und eben nicht: „People against profit“. (GegenStandpunkt Marburg : Auch so kann man den Kapitalismus (nicht) kritisieren: Profit: gut – zu viel Profit: böse oder Eine kurze Aufklärung über – „Was ist Profit“)

Geld als Gewalt

Geld trägt Knappheit Rechnung. Es sagt aber weniger, dass etwas knapp ist, als vielmehr, dass etwas knapp zu sein hat. Ist etwas nicht knapp, dann muss Knappheit hergestellt oder simuliert werden. Da der Zugriff auf Ware nur exklusiv durch Geld möglich ist, müssen notfalls auch ganze Gebrauchswertkontingente vernichtet werden, da sie sonst den Preis glattweg ruinieren und das Geschäft empfindlich stören. Stefan Meretz schreibt: „Eine Ware darf nicht frei verfügbar sein, sonst ist sie keine, sie muss knapp sein. Ist sie nicht knapp, wird sie knapp gemacht: weggeschlossen, verschlechtert, vernichtet. Knappheit ist eine geschaffene soziale Form der Warenproduktion, eine Realabstraktion. Sie abstrahiert von wirklichen Begrenztheiten und Vorkommen, um daraus die real wirksame ,Form Knappheit‘ zu machen. Die soziale ,Form Knappheit‘ produziert die Paradoxie des Mangels im Überfluss.“ (Streifzüge 32/2004)

„Geld ist der Triumph der Knappheit über die Gewalt“, sagt Luhmann (S. 253). Er behauptet sogar, dass Geld Gewalt ausschließt (S. 259), und auf einer oberflächlichen Ebene hat das auch was für sich. Geld schließt aber Gewalt nur insofern aus, als es diese bereits integriert hat. Sprich: Geld ist ein kristallisiertes Gewaltverhältnis. Es gibt per Einsatz Verfügung und Fügung vor. Wir erbleichen vor keinem Argument so wie vor diesem. Gewalt ist ausgeschlossen, weil sie eingeschlossen ist. Das heißt aber auch, dass dort, wo diese Integration nicht hält, weil etwa eine Seite sie nicht (mehr) akzeptieren will oder kann, das Gewaltverhältnis wieder unmittelbar aus dem Geld hervorbricht. Geld ist also nicht Überwindung der Gewalt, sondern Kanalisierung. So ist Gewalt nicht etwas, das dem Geld fremd ist, sondern im Gegenteil, es ist das, was seinem innersten Wesen zugrundeliegt. Im Geld wird Gewalt substituiert, keineswegs überwunden. Sie ist aus ihm jederzeit restituierbar. Vor allem dort, wo eins das Privateigentum nicht akzeptieren möchte, wehrt das Geldsystem sich mit dem, was es ist und hat: Gewalt. Dazu hat es ein Monopol herausgebildet, das es seinen jeweiligen Staaten zugeeignet hat.

Gerade Ideologen des Geldes heben den befriedenden Charakter des Geldsystems hervor. Hier scheint sich tatsächlich eine Struktur aufgetan zu haben, die das Kriegen ohne das Bekriegen erlaubt. Doch dieser Schein trügt, und zwar deswegen, weil er nur das Produkt anschauen will und dessen Produktion nicht hinterfragt. Das Werden verschwindet im Resultat. Die Genese hat im Dunkeln zu bleiben. So wird der gesellschaftliche Zwang (Handeln) als ein freies Verhältnis definiert und dessen Vollzug (Kaufen) als freie Entscheidung. Das ist nur möglich, wenn an die Form, in der alles geschieht, kein Gedanke verschwendet werden soll. Denn bloß in der Formierung der Form sind wir frei, die Form selbst ist nicht hintergehbar.

Das Befriedende ist das Unterwerfende. Geld ist also keine Alternative zur Gewalt, sondern deren subtilste Form, dessen gefinkeltstes Substitut, oder in Robert Musils Worten: Das Geld „ist vergeistigte Gewalt, eine geschmeidige, hochentwickelte und schöpferische Spezialform der Gewalt. Beruht nicht das Geschäft auf List und Zwang, auf Übervorteilung und Ausnutzung, nur sind diese zivilisiert, ganz in das Innere des Menschen verlegt, ja geradezu in das Aussehen einer Freiheit gekleidet?“ (Der Mann ohne Eigenschaften I, Reinbek bei Hamburg 1978, S. 508.) (Franz Schandl – „Without money! Für die Abschaffung eines substituierten Gewaltverhältnisses“ – Ganzer Artikel)

Was ist Ideologie?

„Der klassischen Lukácsschen Definition des Begriffes zufolge ist Ideologie “notwendig falsches Bewußtsein”. Falsches Bewußtsein, unmittelbar genommen, scheint jedes beim Subjekt erzeugte Bild von der Wirklichkeit, das durch subjektive Faktoren beeinflußt oder bestimmt und insofern kein einfaches Abbild der Wirklichkeit, keine adaequatio rei, nicht objektiv ist, das also, insofern Objektivität als Signum der Wahrheit gilt, die Wirklichkeit verfälscht, falsch ist. Dabei handelt es sich bei den subjektiven Faktoren allerdings um keine bloß negativen Bestimmungen, keinen reinen Mangel, keine Defizienz der Sinneswahrnehmung oder der Urteilskraft; ginge es darum, wir brauchten die Falschheit des entstehenden Bildes nicht mit dem hochgestochenen Begriff Ideologie zu belegen, es genügte, von Versehen, Irrtum, Unverstand zu reden.“
(Ulrich Enderwitz: Was ist Ideologie? Weiterlesen: http://isf-freiburg.org/isf/beitraege/enderwitz-ideologie.html)

Adorno über die vergesellschaftete Gesellschaft

„Die Entgegnung, die ich darauf zu geben habe, ist die, daß die Gesellschaft, die vergesellschaftete Gesellschaft, eben nicht bloß ein solcher funktionaler Zusammenhang zwischen den vergesellschafteten Menschen ist, sondern daß sie wesentlich, als eine Voraussetzung, bestimmt ist durch den Tausch. Das, was Gesellschaft eigentlich zu einem Gesellschaftlichen macht, wodurch sie im spezifischen Sinn sowohl begrifflich konstituiert wird, wie auch real konstituiert wird, das ist das Tauschverhältnis, das virtuell alle Menschen, die an diesem Begriff von Gesellschaft teilhaben, zusammenschließt, und das in einem gewissen Sinne auch die Voraussetzung nachkapitalistischer Gesellschaften, wenn ich es einmal so vorsichtig jetzt ausdrücken soll, darstellt, in denen ja sicher nicht davon die Rede sein kann, daß nicht mehr getauscht wird.“ (- Theodor W. Adorno: Einleitung in die Soziologie, Frankfurt am Main 2003, S. 57.)

Kritik des Antisemitismus

„In dem Vortrag wollen wir uns mit Euch darüber auseinandersetzen, was antisemitisches Denken und Handeln ausmacht. Dabei sollen uns einige Gedanken zur Theorie und Kritik des Antisemitismus der Gesellschaftstheoretiker Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Moishe Postone helfen, die wir Euch kurz vorstellen möchten. Vorweg gibt es einen knappen historischen Überblick über die Entwicklung des Judenhass vom religiös motivierten Antijudaismus, über den Rassenantisemitismus der Nationalsozialisten bis hin zu gegenwärtigen Formen des Antisemitismus.“ (Text & Quelle: Intros Hamburg / http://intros.blogsport.eu/ / Vortrag als MP3: http://www.freie-radios.net/41539 )