Archiv für April 2012

Marx über Bewusstsein

„Die Reform des Bewußtseins besteht nur darin, daß man die Welt ihr Bewußtsein inne werden läßt, daß man sie aus dem Traume übersich selbst aufweckt, daß man ihre eigenen Aktionen ihr erklärt … Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, daß die Menschheit keineneue Arbeit beginnt, sondern mit Bewußtsein ihre alte Arbeit zustande bringt“ (Karl Marx – MEW 1, S. 346 / 1843)

Bruhn über den Flüchtling

„Der Flüchtling ist der überflüssige, der überflüssig gemachte Mensch. Er ist die Arbeitskraft, die dem Recht auf Verwertung hinterherflieht, ist nichts als verwertbarer Körper auf der meist vergeblichen Suche nach seiner kapitalproduktiven Anwendung, reine Potenz ohne jedes Mittel ihrer Vergegenständlichung. Der deutsche Staat bringt ihn nicht um, zumindest nicht planmäßig; er nötigt nur hier ein bißchen, hilft da ein bißchen nach. Der Flüchtling ist kein Subjekt, sondern ein Gegenstand rechtsförmiger Verwaltung; er ist aber auch kein Ding, sondern ein Mensch, dessen Reduktion aufs Ding stetig vorangetrieben wird. Ausdruck dieser Degradation ist das Asylbewerberleistungsgesetz, das in § 3 regelt, daß „der notwendige Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheits- und Körperpflege und Gebrauchs- und Verbrauchsgütern durch Sachleistungen gedeckt wird“. Diese Garantie des „notwendigen Bedarfs“ gilt dem Erhalt des Individuums als eines Körpers, den man nicht zur Liquidation oder zur Vernichtung durch Arbeit bestimmt hat, den man vielmehr zwischenlagert und in seinen Basisfunktionen erhält, dessen physische Reproduktion man im Auge hat, während man ihn darauf abtastet und scannt, ob sich nicht doch eine brauchbare Arbeitskraft in ihm verbirgt und ein in Deutschland lebenswertes Leben. […] Der Flüchtling hat, einstweilen, das Recht auf Leben, aber dies Leben ist keines, denn es wird nur so erhalten, wie man einem Nutztier das Futter gibt. Der Flüchtling ist Exemplar, gehört einer Gattung an, die zwar auch atmet und denkt und ißt, aber mit den Subjekten weiter nichts gemein hat. Dieser Verzicht auf die Individualisierung ist der Rassismus. […] Am Flüchtling wird vollzogen, was der Arbeitskraft, was ihrem Subjekt schlechthin droht.“ ( Initiative Sozialistisches Forum, Vom Mensch zum Ding. Eine Anmerkung zum Asylbewerberleistungsgesetz, Joachim Bruhn)

Grigat über das allmächtige Kapital

Das Kapital setzt sich als Allmächtiges, als Gott, der aber, anders als seine theologischen Vorgänger, leibhaftig und real ist: „Das Kapital ist der erste und einzige Gott, der sich wirklich vom Opfer ernährt, der nicht anders kann als verschlingen, um das Verschlungene sogleich wieder in neuer Form und vermehrt von sich zu geben.“ (Türcke 1994, 112). Die Zauberei und die Magie des Kapitals, auf welche die Kritik des Fetischismus abzielt, bestehen darin, daß es seine eigenen Voraussetzungen unsichtbar macht. (Scheit 2001 a, 10) Alle Voraussetzungen werden im fortschreitenden Prozeß der Subsumtion in Resultate verwandelt. (Initiative Sozialistisches Forum 2000, 39) Diese kaum greifbaren Mechanismen versucht die Kritik der politischen Ökonomie durch den Begriff des Werts zu fassen. Er ist „der Name für die Vermittlung des vermittlungslosen …, die Vermittlung des Unwesens mit sich selbst, als der zwar logisch unmögliche, historisch aber wirkliche Selbstbezug der Gesellschaft, als ewiger Prozeß“. (Bruhn 2002) (Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus, Stephan Grigat, ça ira Verlag, 2007, 396 Seiten; S. 222.)

Pressekonferenz zur bundesweiten M31 Demo in Frankfurt am Main

Krahl – Produktion & Klassenkampf

„Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie als eine Lehre, deren Aussagen die Gesellschaft unter dem Aspekt ihrer Veränderbarkeit konstruieren, hat zweierlei revolutionstheoretischen Sinn. Zum einen entschleiert sie hochverschleierte gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse und falsche Bewusstseinsformen; Modell dieses Vorgehens ist die Warenanalyse und das Aufzeigen des Fetischcharakters der Waren. Zum zweiten soll sie die geschichtliche Dynamik, die gesellschaftliche und geschichtliche Entwicklungsobjektivität des kapitalistischen Geschichtsverlaufs darlegen, deren revolutionstheoretischer Sinn die Konstruktion der kapitalistischen Gesellschaftsformationals eines quasi naturgesetzlichen Krisenzusammenhangs ist. Die Krise gilt Marx als die objektive Bedingung revolutionärer Situationen. In ihr entäußern sich der Widerspruch und die Krise, die das Kapital ins Leben rief. Die ursprüngliche Akkumulation – der terroristische Enteignungsprozess der kleinen Landeigentümer und die Verwandlung des Ackerlandes inWeideland, die Konstitution der großen absolutistischen Monarchien, deren außerökonomische Zwangsgewalt von direkter ökonomischer Potenz in jener Zeit ist – ist die erste Krise, die das Kapital ins Leben rief, und vom selben Typus wie die, die ihm auch ein Ende bereiten wird. Denn das Kapital ist ab ovo mit dem Widerspruch von gesellschaftlicher Arbeit und privater Aneignung, von Privatarbeit und schon der Tendenz nach sich durch Konzentration und Zentralisation vergesellschaftendem Eigentum behaftet. Dieser Widerspruch zwischen Vergesellschaftung und privater Aneignung treibt das Kapital jeweils in die Krisen hinein und eröffnet dem Proletariat die Möglichkeit, die in der ursprünglichen Akkumulation terroristisch verinnerlichten Arbeitszeit- und Mehrarbeitszeitnormen zu durchschauen, eine Erinnerung an Ausbeutung wiederzugewinnen und damit die scheinbare Naturgesetzlichkeit der kapitalistischen Entwicklung, Fetischisierung, Mystifikation und Verdinglichung zu durchschauen und zu durchbrechen.“ (Hans-Jürgen KrahlProduktion und Klassenkampf)