Archiv für April 2012

Leben im Falschen

Es herrscht Krieg sowohl auf den Straßen wie auch in den Köpfen der Menschen. Das Fundament unserer stolzen Gesellschaft besteht aus Leichenbergen: Den Kadavern der Hungernden, der Selbstmörder, der Soldaten, der Amokläufer und deren Opfer, als auch der Tiere.

Genauso gleichgültig wie wir die Pfandflaschensammler, bettelnden Penner und Nutten auf unseren Straßen zur Kenntnis nehmen, ergeht es den verzweifelten Selbstmördern gegen miese Arbeitsbedingungen. Wen kümmern die Kinder in aller Welt, welche auf stinkenden giftigen Müllbergen ihr Überleben mit verwertbaren Resten sichern müssen, wenn hierzulande die Preise für Benzin ausgerechnet zur Ferienzeit immer steigen? Noch mehr drängen die hundert-tausenden Mäuler die hierzulande von den Tafeln gestopft werden in den Hintergrund, angesichts der HD-Fernsehbilder, gleichgültig ob zu Zeiten der WM, der Castings oder des neuesten Hollywoodfilms.

 5736821344075913858_large.jpg5736821061017224562_large.jpg5736824681492611068_large.jpg

 Zertrampelte Partywütige gelten als erfrischende Abwechslung zu den Berichten von Alkoholleichen in den Krankenhäusern. Die Propaganda von Politikern, Think-Tanks und Konzernen wird täglich mit einer gewaltigen Menge Vagina- und Poblitzern von Paris und Britney vermengt, während Unmengen von Menschen daran arbeiten die nächste bedeutungslose Kollektion, den nächsten unheimlich aufwändig produzierten nichtssagenden Song oder Film der gierigen Konsumentenmasse zum Fraß hin zu werfen.

 5736821700016412238_large.jpg5736823684210050748_large.jpg5736824379671257044_large.jpg

 

 

 

Während wir in unsere Bratwurst, Wurstsemmel und Döner beißen, schimpfen wir vollmundig über die bösen Japaner die süße Delphine und prächtige Wale angeblich für die Wissenschaft jagen und abschlachten. Obwohl überhaupt jeder moderne Schrott vom Handy, Computer bis hin zu Dildos und Waffen ohne Öl nicht in der Masse produzier und reproduzierbar wäre, wird auf Öl-Konzerne eingetreten, die mit ihren umweltschädlichen Fehlern uns nur zu schmerzhaft daran erinnern, wie falsch unsere Lebensweise sein muss.

5736822304865908292_large.jpg5736822579037777892_large.jpg5736822825929520922_large.jpg

Die Schulen sind wie die Hochschulen und Arbeitsplätze gefüllt mit gelangweilten, frustrierten Menschen die sich ein Leben erhoffen und erträumen, welches sie mit ihrer Lebensweise niemals erleben werden. Statt sich zusammen zu reißen und ernsthaft gegen Profitmaximierung und Konkurrenzkampf zu erheben, versinken die Menschen lieber sehenden Auges im sumpfigen Elend, jammern, schimpfen, lassen sich ablenken und zu allem Blödsinn und Irrsinn verführen. Beim nächsten Amoklauf ist die Verwunderung genauso groß wie bei der nächsten ungewollten Schwangerschaft, wie konnte das nur passieren? Wer ist schuld? Dabei ist es von diesen ungeliebten Kindern nur konsequent, Rache an einer Gesellschaft zu üben die sie ohne Liebe und Rücksicht auf Verluste ausgekotzt und benutzt hat.

5736820783452442124_large.jpg5736823237823557062_large.jpg5736825775702272366_large.jpg

 

 

 

All diese Ereignisse, Konflikte und Zustände gehören zum trostlosen Bild einer Gesellschaft, die niemals gelernt hat Verantwortung zu übernehmen. Oft genug haben einzelne Individuen mahnend versucht auf ihresgleichen einzureden, wir zerstören unsere Lebensgrundlagen wenn wir so weitermachen. Die wenigsten Menschen können auch mit diesen Zeilen etwas anfangen, sehen darin Anlass endlich konstruktiv und nachhaltig aktiv zu werden. Dabei ist der Griff zu kritischen Informationen gerade zu heutigen Zeiten leichter denn je. Der moderne Schrott hat auch seine Vorteile. Das Internet bietet Zugang zu Bildern, Musik, Filmen, Texten und Büchern die im glattrasierten Alltag selten zu finden sind.

5736819273901620360_large.jpg5736820272544317664_large.jpg5736825316421957876_large.jpg

 Unsere Gedanken bestehen aus begrenzten Faktoren, deshalb müssen begrenzte Folgerungen entstehen die niemals der unendlich-weiten Realität aufgezwungen werden dürfen! Solange die Menschen aber weiterhin genau das versuchen wird es Konflikte und diese absurden Zustände geben, wie wir sie aus unserer Geschichte nur zu gut kennen. Jiddu Krishnamurti ist einer der bekanntesten Vertreter dieser Denkweise.

 

Mehr Bilder: http://nokturnaltimes.tumblr.com

Verloren im Weltraum

Leere Köpfe, leere Aktentaschen, werden durch die kalten Straßen getragen. Nichts spricht, stumm schleppt sich das Leben fort. Die Reise ins Nichts. Ins freie Inhaltslose ohne Schall, ohne Form, ohne Sicht oder Licht. Die Armut ist weit verbreitet. Schwere Maschinen in den Gängen, dichte, dicke Luft in den Zimmern und wütendes Ungeziefer welches herum hämmert und klopft. Das ist Gewalt gegen das Leben. Folterkerker der Moderne, mit lächelnden Henkern, gewinnenden Botschaften und der Gewissheit der Fortschritt ist gesichert. Drogen im Herzen, Krankheiten im Kopf, Asche in den Adern, Schmerz in den Zellen, Trümmer in allen Winkeln, in allen Lebenswelten. Wir sind Ruinen die durch Ruinen wandern. Das ist unser Elend, das ist unser Schicksal. Wir haben gewählt und wählen weiter, mit dem Schritt, mit jedem Tritt ins Gewohnte. Die Zukunft ist eine Hure, wie die Liebe, das Geld und der Mensch. Austauschbare nutzlose Schräubchen sind wir, die sich in den schmierigen klappernden Maschinen winden. Es wird gejammert, es wird getobt, unternommen aber, wird nichts was von Bedeutung wäre. Es kommt Freude auf wenn jemand Funken vor Raserei wirft und dabei spektakulär allein oder mit anderen stirbt. Abwechslung vom grauen Nichts. Routine, Alltag, Gleichschritt, der Ernst des Lebens. Wer träumt verliert. Wer verliert ist verloren, verloren in einer verlorenen Gesellschaft. Verloren im Weltall, treiben wir auf unserem Floss, versinken im Nichts. Das nennen wir Leben. Wer kommt dagegen an? Gibt es eine Idee? In allem steckt Chaos und Wahnsinn. Ignoriert wird das schlechte Gewissen, das schlechte Gefühl, dieser Geruch des Selbstbetrugs. Orientierungslose Schwachköpfe in hochtechnisierten Blechkisten auf Betonlandschaften, die sich auf erniedrigte Mitmenschen einen herunterholen um sich von ihrem eigenen erbärmlichen Elend für einen Schuss abzulenken. Immer wieder diese Wände und Ketten der Oberflächlichkeit. Stumpfsinn, Schwachsinn, Elend. Man wünscht sich die Flut die alles hinfort spült, diesen ganzen Dreck in den Leibern und Bauten. Aber nichts passiert. Hoffnungslos ausgeliefert, den beschränkten Sinnen, der unerbittlichen Natur, der Spirale Evolution. Das Leben erscheint als Gefängnis, was bleibt ist die Wahl der Zellenecke. Darum streiten wir, wer ist im Recht, wer ist gerecht, wo ist Orientierung, Sicherheit und Ordnung? Keine Zeit, wir brauchen Superstars, Superkanzler, Führung und Autorität, unseren eigenen Gedanken trauen wir nicht, so haben wir es gelernt. Alles ist die Sekte. Niemandem ist zu vertrauen. Vieleicht können wir bald für immer schlafen und alles vergessen was in den letzten Jahrtausenden passiert ist. Wir könnten wieder träumen von einem warmen Gefühl das beständig bleibt. Träumen von einer Welt ohne Neid, Zorn, Gier und Missgunst, ohne Vergewaltigung, Mord, Hunger und organisierten Irrsinn. Wer könnte uns dann noch wecken? Vielleicht passiert das wenn wir unter der Erde sind. Vielleicht passiert nie irgendetwas. Trotz aller Entwicklungen. Trotz aller Hoffnungen. Wir kennen uns nicht. Wir verstehen uns nicht. Und wir sind froh nicht daran erinnert zu werden. Es wäre schön wenn wir alle ohne es zu merken gemeinsamen Massensuizid zelebrieren würden, als die inkonsequente selektive Schlachterei und Quälerei in der Historie.

Der Text wurde im Dezember 2010 geschrieben.

Ursachen & Aussichten der großen Krise

Seit nunmehr 5 Jahren wird in der medialen Öffentlichkeit von der Krise geredet. Angefangen bei der Immobilienkrise über die Finanzkrise, hin zur aktuellen Eurokrise. Schon sich einen Überblick über die Krisen zu verschaffen ist beschwerlich, richtig kompliziert aber wird es, wenn es dann darum geht die Krisen zu erklären. Liegt die Schuld jetzt an den gierigen Bänkern, den ominösen “1%“ die uns beherrschen sollen oder doch am Kapitalismus selbst? Doch wessen Krise ist es überhaupt? Ist eine Krise für die Menschen, des Kapitalismus oder der Eurostaaten? Kann man überhaupt von einer Krise in Deutschland sprechen wenn das Bruttoinlandsprodukt steigt und VW gerade das erfolgreichste Geschäftsjahr seit Firmengründung hingelegt hat?

Trotz dieser Fakten ruft aber selbst politische und wirtschaftliche Prominenz, denen man nicht unbedingt eine Nähe zum Kommunismus nachsagt, nach Fesseln für den freien Markt. Letztendlich nur viel Lärm um nichts oder ist die Angst berechtigt, dass sich das Kapital in Zukunft nicht mehr verwerten kann und eine vernünftige Praxis darauf abzielen sollte Konserven für den Ernstfall zu horten?

Oder liegt die Antwort auf die gegenwärtige Krise gar jenseits von Weltuntergang, Reform und Occupy-Protest? Diesen Fragen wollen wir, die Antifaschistische Gruppe Braunschweig und der DGB-Jugend Ausschuss Braunschweig, uns in einer Podiumsdiskussion nähern. Eingeladen waren hierzu Thomas Sablowski, Bernd Röttger und Norbert Trenkle am 19. April ab 18:30 Uhr im Gewerkschaftshaus Braunschweig. (Text: Gruppe Krisis bzw. Antifaschistische Gruppe Braunschweig)


Gegensatz zw. Stadt & Land

Die größte Teilung der materiellen und geistigen Arbeit ist die Trennung von Stadt und Land. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land fängt an mit dem Übergange aus der Barbarei in die Zivilisation, aus dem Stammwesen in den Staat, aus der Lokalität in die Nation, und zieht sich durch die ganze Geschichte der Zivilisation bis auf den heutigen Tag (die Anti-Corn-Law League) hindurch. – Mit der Stadt ist zugleich die Notwendigkeit der Administration, der Polizei, der Steuern usw., kurz des Gemeindewesens und damit der Politik überhaupt gegeben. Hier zeigte sich zuerst die Teilung der Bevölkerung in zwei große Klassen, die direkt auf der Teilung der Arbeit und den Produktionsinstrumenten beruht. Die Stadt ist bereits die Tatsache der Konzentration der Bevölkerung, der Produktionsinstrumente, des Kapitals, der Genüsse, der Bedürfnisse, während das Land gerade die entgegengesetzte Tatsache, die Isolierung und Vereinzelung, zur Anschauung bringt. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land kann nur innerhalb des Privateigentums existieren. Er ist der krasseste Ausdruck der Subsumtion des Individuums unter die Teilung der Arbeit, unter eine bestimmte, ihm aufgezwungene Tätigkeit, eine Subsumtion, die den Einen zum bornierten Stadttier, den Andern zum bornierten Landtier macht und den Gegensatz der Interessen Beider täglich neu erzeugt. Die Arbeit ist hier wieder die Hauptsache, die Macht über den Individuen, und solange diese existiert, solange muß das Privateigentum existieren. (Marx und Engels, ›Deutsche Ideologie‹, in: MEW Bd. 3, S. 50.)

Adorno: Die wirtschaftliche Charaktermaske

Hierzulande gibt es keinen Unterschied zwischen dem wirtschaftlichen Schicksal und den Menschen selbst. Keiner ist etwas anderes als sein Vermögen, sein Einkommen, seine Stellung, seine Chancen. Die wirtschaftliche Charaktermaske und das, was darunter ist, decken sich im Bewußtsein der Menschen, den Betroffenen eingeschlossen, bis aufs kleinste Fältchen. Jeder ist so viel wert wie er verdient, jeder verdient so viel wie er wert ist. Was er ist, erfährt er durch die Wechselfälle seiner wirtschaftlichen Existenz. Er kennt sich nicht als ein anderes. Hatte die materialistische Kritik der Gesellschaft dem Idealismus einst entgegengehalten, daß nicht das Bewußtsein das Sein, sondern das Sein das Bewußtsein bestimme, daß die Wahrheit über die Gesellschaft nicht in ihren idealistischen Vorstellungen von sich selbst, sondern in ihrer Wirtschaft zu finden sei, so hat das zeitgemäße Selbstbewußtsein solchen Idealismus mittlerweile abgeworfen. Sie beurteilen ihr eigenes Selbst nach seinem Marktwert und lernen, was sie sind, aus dem, wie es ihnen in der kapitalistischen Wirtschaft ergeht. Ihr Schicksal, und wäre es das traurigste, ist ihnen nicht äußerlich, sie erkennen es an. Der Chinese, der Abschied nahm, „Sprach mit umflorter Stimme: Du mein Freund / Mir war das Glück in dieser Welt nicht hold. / Wohin ich geh? Ich wandere in die Berge, / Ich suche Ruhe für mein einsam Herz.“
I am a failure, sagt der Amerikaner. – And that is that. ( Theodor W. Adorno: Zwei Welten, In: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Fischer Taschenbuch Verlag, 2010, 288 Seiten.)