Archiv für Februar 2012

Klassen, Kämpfe und Revolte: Der Mai 1968 in Frankreich

Die an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Grup­pe Re­vol­ta hat am 19. April in Jena zu­sam­men mit der Jour Fix In­itia­ti­ve Ber­lin einen Vor­trag über die Er­eig­nis­se des Mai/Juni 1968 in Frank­reich or­ga­ni­siert. El­frie­de Mül­ler re­fe­riert über Hin­ter­grün­de und Be­din­gun­gen mit denen es dort zu einer Mas­sen­streik­be­we­gung kom­men konn­te, wel­che die Wirt­schaft des gan­zen Lan­des für ei­ni­ge Wo­chen na­he­zu zum Er­lie­gen brach­te. Sie gibt einen Über­blick über die Ab­läu­fe, die be­tei­lig­ten Grup­pie­run­gen und die Ge­gen­re­ak­tio­nen und zieht dann Schlüs­se, die aus einer re­vo­lu­tio­nä­ren Per­spek­ti­ve aus die­sen Er­eig­nis­sen zu zie­hen wären. Be­son­ders be­tont sie den in­di­vi­dua­lis­ti­schen Cha­rak­ter der Re­vol­te und setzt die Per­spek­ti­ve auf das Sub­jekt, die in die­sen Kämp­fen ge­won­nen wurde, in Be­zie­hung zur Ge­gen­wart. Neben dem zum Thema er­schie­ne­nen Band der Jour Fix In­itia­ti­ve emp­feh­le ich die Lek­tü­re des Bu­ches „Wü­ten­de und Si­tua­tio­nis­ten in der Be­we­gung der Be­set­zun­gen“, in dem der Si­tua­tio­nist René Viénet un­mit­tel­bar nach den Er­eig­nis­sen im Mai ’68 auf das Schei­tern die­ses re­vo­lu­tio­nä­ren An­laufs re­flek­tiert und ins­be­son­de­re ein Licht auf die Rolle der Si­tua­tio­nis­ten wirft, die El­frie­de Mül­ler nur am Rande er­wähnt. Eben­falls sei auf die zur Zeit lau­fen­de Ver­an­stal­tungs­rei­he der Jour Fix In­itia­ti­ve ver­wie­sen, die ei­ni­ge viel­ver­spre­chen­de Pro­gramm­punk­te ent­hält. (Quelle & Vortrag als MP3: Audioarchiv)

Warum gibt es Hunger und Armut?


10 Schuldenerlasse hat es seit 1996 gegeben — seither ist zur „Dritten Welt“ eine „Vierte“ und eine „Fünfte“ hinzugekommen: Die „Armutsbekämpfung“ macht Fortschritte. (Quelle & Vortrag als MP3: Archive.org)

Dr. Decker: Was ist der Staat?


Mittschnitt des ganztägigen Seminar der linksradikalen Berliner Gruppe [ARAB] (Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin] vom 04. Oktober 2008 im Haus der Demokratie und Menschenrechte. (Quelle & Vortrag als MP3: Archive.org)

Prof. Dr. Huisken über Arbeit & Reichtum

Aus gegebenem Anlass eine etwas andere Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus. Es ist ungerecht, die Montagsdemonstranten als die „Jammerlappen der Nation“ abzustempeln. Gejammert wird allenthalben. Unzufriedenheit stellt sich nicht nur bei jenen ein, die gegen Hartz IV protestieren und Arbeit fordern. Ebenso unzufrieden sind Unternehmer, denen Arbeit zu teuer ist, die über Absatzschwierigkeiten klagen, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Produkte loswerden sollen, und auf Insolvenzen von Betrieben verweisen, die sich in der Konkurrenz auf dem Markt nicht mehr behaupten können. Die Gewerkschaften beschweren sich über Angriffe auf den geliebten Sozialstaat, den sie doch zur Lösung der sozialen Frage erkämpft haben, sehen die Tarifautonomie gefährdet und möchten die Unternehmer davon überzeugen, dass weitere Lohnsenkungen der Kaufkraft schaden. Aber auch die Regierung stöhnt, weil Wachstum ausbleibt, weil nur ihre Schulden wachsen, die Gesellschaft sich in eine Freizeitgesellschaft zu verwandeln droht und die Bürger einfach zu wenig konsumieren. Eigentlich findet sich auch bei den Säulen dieser Gesellschaft über-haupt nur Unzufriedenheit und Wehklagen. * Beschwichtigende Töne hört man überraschenderweise nur von Kritikern der Marktwirtschaft. Die gehen mit der Parole hausieren, dass alles gar nicht so schlimm sei, dass sich alles zum Guten wenden ließe, denn, sagt Attac, Reichtum ist genug da!

Irgendwie steht die Welt da auf dem Kopf. Grund genug, sich einmal etwas genauer mit diesen Beschwerden, aber auch mit der Beschwichtigung zu befassen. Es stellen sich nämlich einige Fragen: Wieso erklären Menschen Arbeit zu einem Bedürfnis? Sollten sie nicht froh darüber sein, dass sie von Arbeit befreit sind? Warum kritisieren Unternehmer an Arbeit den Preis? Kommt es bei Arbeit nicht auf Zweckmäßigkeit, Qualität und auf Bequemlichkeit bei ihrer Verrichtung an? Was sind eigentlich die Schwierigkeiten beim Absatz von lauter prächtigen Gebrauchsartikeln? Wieso gilt ausgerechnet zuviel Reichtum als Mangel?

Ist die Menschheit übersättigt, wird sie vom Überfluss belästigt? Irgendwie kann das die Sache nicht ganz treffen, wenn zugleich Betriebsschließungen beklagt werden. Was hat es mit dem Wachstum auf sich, das besonders dem Staat so fehlt und das immer nur mehr wer-den soll? Wieso fehlt es überhaupt, wenn Unternehmer nicht einmal wissen, wohin mit dem ganzen produzierten Krempel? Oder kann man vielleicht einmal erfahren, was da nicht wächst, und warum dieses Ding namens Wachstum nichts taugt, wenn’s nicht ständig mehr wird? Wieso rühmen sich unsere leitenden Demokraten nicht damit, die Gesellschaft zur Freizeitgesellschaft ausgebaut zu haben? Wieso ist so etwas ein Beschwerdetitel? Und warum findet es die Gewerkschaft umgekehrt klasse, dass die soziale Frage hierzulande immer noch nicht gelöst ist? Wieso soll der Sozialstaat ein Ruhmesblatt sein? All das ist ziemlich verrückt, aber leider mit System!

Gehalten wurde der Vortrag in der Universität Freiburg am 18. Januar 2005. (Text: Thesenpapier.pdf | Quelle: Vortragsarchiv U-Asta Referat | Vortrag als MP3: Archive.org)

Was von Karl Marx zu lernen wäre

Alles Nötige über Arbeit und Reichtum im Kapitalismus. Vortrag und Diskussion mit Dr. Peter Decker in Aachen (2006). Die groben Züge der Aufzeichnung:
- Die Trivialität der sogenannten Arbeitswertlehre – und das verkehrte Interesse, das sie bei Nationalökonomen und Sozialdemokraten gefunden hat.
- „Abstrakte Arbeit“ – Nicht dass Arbeit den Wert schafft, verdient Interesse, sondern was für eine Arbeit. Verausgabung von Arbeitskraft, Mühsal ist Substanz und Index des Wert-Reichtums. Gegensatz zum Reichtum an Gebrauchswerten. Produktivität nützt nichts mit Hinblick auf den Wert.
- Der Nutzen, den die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit im Kapitalismus dennoch hat: Reduktion der notwendigen Arbeitszeit, in der der Arbeiter seinen Lohn reproduziert.
- Das Kapital ist der prozessierende Widerspruch – Macht Arbeit relativ überflüssig und macht doch alles vom Stattfinden von für es lohnender Arbeit abhängig. „Disposible time“ ist der wahre Reichtum der Gesellschaft. (Text & Quelle: Gegenstandpunkt Verlag | Vortrag als MP3: Archive.org)